Kultur
Die Biennale von Venedig eröffnet
Die Themen der "Kulturzeit" vom 08.05.2026: Biennale von Venedig - Gespräch mit Till Fellrath, deutscher Pavillon, wem gehören die Farben?, Dok Fest München, Xaver Bayer "Hauch".
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 08.05.2026
- 19:23 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
Die Biennale von Venedig eröffnet - Gespräch mit Till Fellrath
Eigentlich sollte es bei der 61. Biennale von Venedig vom 9. Mai bis 22. November 2026 unter dem Motto "In Minor Keys" (deutsch: Moll-Tonarten) um leise Töne gehen. Dieser Titel geht auf ein Konzept der 2025 verstorbenen, aus Kamerum stammenden und in der Schweiz aufgewachsenen Kuratorin Koyo Kouoh zurück und wird nun von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgesetzt. Es geht dabei um das Einstimmen auf oft übersehene Stimmen, Gefühle und Erfahrungen jenseits des allseits gehörten Dominanten.
Doch schon vor Beginn der Biennale wurde es sehr laut in der Diskussion darum, wer teilnimmt und wer nicht. Die Jury trat im Streit um den Umgang mit Russland und Israel zurück. Die Eröffnungsfeier wurde abgesagt, ebenso wie die Vergabe der Goldenen Löwen zu Beginn. Sie sollen erst zum Schluss vergeben werden und das Publikum darf entscheiden. Erstmals seit Beginn des Krieges in der Ukraine ist Russland wieder dabei, allerdings wurde der Pavillon nur drei Tag vorab für eine Preview geöffnet, bei der Live-Performances gefilmt wurden, die anschließend an den Außenflächen als Schleifenprojektion gezeigt werden sollen. Mitglieder der russischen Punk-Gruppe Pussy Riot und der ukrainischen feministischen Organisation Femen protestierten lautstark vor dem russischen Pavillon. Und Nadya Tolokonnikova von Pussy Riot organisierte eine Gegenausstellung inhaftierter russischer Künstler. Wir schauen uns die Hauptausstellung an, geben einen Überblick über herausragende Länderpavillons und sprechen mit Till Fellrath, Direktor des Hamburger Bahnhofs, Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin, vor Ort.
Der deutsche Pavillon in Venedig
Der deutsche Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig verwandelt sich 2026 äußerlich in einen Plattenbau. Er "reiht sich ein in eine höchst politische Biennale, die wir hier erwarten", sagte Kuratorin Kathleen Reinhardt. Gestaltet wurde er von den Künstlerinnen Sung Tieu und Henrike Naumann. Naumann war im Februar überraschend im Alter von 41 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. "Wir können es selbst immer noch nicht glauben", sagte Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sind sprachlos, weil wir es bis zum Schluss nicht wahrhaben wollten. Und wir unterstützen nun ihr Team, für sie diesen Pavillon zu gestalten, den sie schon immer machen wollte. Die Eröffnungswoche wird für uns alle ein extrem emotionaler Moment sein."
Mit den beiden Künstlerinnen habe man erstmals ostdeutsche und ostdeutsch-migrantische Stimmen in dieser Tiefe und Vehemenz im Pavillon, sagte Reinhardt. Tieu überdecke das Gebäude von 1938 – "die faschistische Architektur, an der sich ja schon sehr viele abgearbeitet haben" – mit dem Bild eines Berliner Plattenbaus, in dem sie als Kind in den 1990ern lebte. Sie nutzt dafür mehr als drei Millionen Mosaiksteine. Das Gebäude in der Gehrenseestraße sei vor der Wende einer der größten Wohnkomplexe für vietnamesische Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter gewesen, nach der Wende dann auch als Ghetto begriffen worden. Es sei auch Teil der Gentrifizierungsgeschichte Berlins, weil die Ruinen mehrfach den Besitzer gewechselt und Investoren auf den Plan gerufen hätten. In den Seitenflügeln gestaltet Tieu eine Hommage an ihre Mutter.
Naumann bespiele den zentralen Innenraum und die dominante Farbe sei ein Mintgrün, so Reinhardt. "Dieses Mintgrün ist eine klare Referenz zu dem Mintgrün, das in den sowjetischen Kasernen in der DDR zu finden war, die heute als Ruinen teilweise noch in Ostdeutschland stehen". Darauf setze Naumann eine Kartographie des Krieges. Gezeigt werden etwa ein Relief aus Stühlen, ein Vorhang aus Kettenhemden und die Performance "Trümmerfrau".
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