Kultur
Bayreuth - kein Gedenken mit Michel Friedman
Die Themen der "Kulturzeit" vom 18.06.2026: Bayreuther Festspiele - Gespräch mit Michel Friedman, Demokratie gefährdet, Outdoor-Fotofestival in Baden, Schau "Labouring Bodies", Pianistin Hania Rani.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Sendetermin
- 18.06.2026
- 19:20 - 20:00 Uhr
Die Themen der Sendung:
In der Kritik: Bayreuther Festspiele verschieben Gedenkkonzert - Gespräch mit Michel Friedman
Zum 150. Geburtstag der Bayreuther Festspiele sollte am Erföffnungstag vormittags bei einem Gedenkkonzert an die dunklen Seiten der Geschichte des Grünen Hügels erinnert werden. Nun musste es verschoben werden. Als Grund nannten die Festspiele die hohen Sicherheitsvorkehrungen. "Weil man zwei Mal hintereinander die höchste Sicherheitsstufe im Festspielhaus nicht bewältigen kann", so der Interims-Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele, Hans-Dieter Sense, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Am Nachmittag trifft nämlich zur Eröffnungspremiere von Wagners "Rienzi" die politische Prominenz ein. "Der Zeitraum zwischen dem Ende der Vormittagsveranstaltung und dem Beginn der Nachmittagsveranstaltung ist zu kurz. Es sind bei der derzeitigen Weltlage alle ungeheuer vorsichtig. Wenn mir keiner garantieren kann, dass das durchführbar ist, dann kann ich die Veranstaltung nicht machen", so Sense.
Der Publizist Michel Friedman, früherer stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, sollte bei der Veranstaltung über Antisemitismus, den Komponisten Richard Wagner und die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Festspiele sprechen. Auch seine Rede kann nun nicht stattfinden. Er wirft den Festspielen mangelnde Ernsthaftigkeit in einem "FAZ"-Interview vor. Wir sprechen mit ihm.
Warum ist die Demokratie gefährdet?
Warum sind Demokratien weltweit gefährdet und was könnte das Gegengift sein? Dass die Demokratie weltweit auf dem Rückzug ist, ist wohl eine unumstößliche Wahrheit. Laut einer aktuellen Erhebung des renommierten Varieties of Democracy Forschungsinstituts leben nur noch sieben der Weltbevölkerung in freiheitlich-liberalen Demokratien. Einer, der davon ein trauriges, aber auch kämpferisches Lied singen kann, ist der israelische Historiker Moshe Zimmermann. In seinem neuen Buch "People gone mad – wie die Demokratie sich selbst zerstört" befasst er sich mit dem Zustand der Demokratie auch jenseits seines Landes Israel. Seine Diagnose: Ressentiments, Desinformation und Angst treiben Menschen den Populisten in die Arme. Ganz anders Jörg Baberowski, der in seinem Buch „Am Volk vorbei“ den Populismus als Schmerzensschrei der Demokratie sieht. Eine Demokratie, die aus Furcht vor dem Volk den politischen Raum verengt und den Gegner verteufelt, beschneidet sich selbst, so seine These. Warum aber sind die Demokratien überall auf dem Planeten auf dem Rückzug? Und was könnte das Gegengift sein? Mit diesen beiden Historikern und einer weiteren Stimme (NN) möchten wir das Thema beleuchten.
Britische Fotografen & der Bexit bei Festival "La Gacilly" in Baden
Zehn Jahre nach dem Brexit-Votum im Jahr 2016 fällt die Bilanz ernüchternd aus: Die Folgen für Großbritanniens Wirtschaft waren negativ. Das Wohlstandsversprechen der "Leave Campaign" hat sich nicht erfüllt, es entstanden mehr Bürokratie und höhere Kosten und der Handel mit der EU ist schwieriger geworden. Zehn Jahre später sieht die Mehrheit der Briten laut einer aktuellen Umfrage den Brexit als Fehler an.
Von Anfang an hat die britische Kreativ- Szene den EU-Austritt scharf kritisiert und vor massiven wirtschaftlichen wie bürokratischen Hürden gewarnt. Mit ihrem unverwechselbaren Stil zwischen Ironie und Extravaganz haben britische Fotografen ihre Landsleute im Fokus. Das größte Outdoor-Fotofestival Europas "La Gacilly-Baden Photo" hat jetzt Ikonen des Vereinten Königreichs nach Baden bei Wien eingeladen, die das Gelände in eine riesige Open-Air-Galerie verwandeln.
"Labouring Bodies" im Museum Tinguely Basel
Die Ausstellung "Labouring Bodies" versammelt Werke, die den Frauenkörper in den Fokus rücken. Im Zentrum steht ihr Verhältnis zur Maschine - ein Muss im Museum Tinguely in Basel. Es sind Frauenkörper, die wie Maschinen funktionieren. Körper, die viel leisten. Vieles davon ist unbezahlt, unsichtbar. Ob Betreuung von Angehörigen, Kindererziehung oder Lohnarbeit – "Labouring Bodies" rückt all das in den Fokus.
Pianistin Hania Rani
Mit ihrem neuen Album "Non Fiction" macht die polnische Experimentalmusikerin Hania Rani Gewalt und Menschlichkeit vom Warschauer Ghetto bis zu aktuellen Konflikten in der Ukraine und in Gaza im Klang erfahrbar. Hania Rani ist klassisch ausgebildet, hat an der Chopin-Universität und an der Hochschule Hanns Eisler studiert. Nach dem letzten elektronischen Album mit songähnlichen Auskopplungen hat sie jetzt ein Album mit klassischem Orchester komponiert. Ausgangspunkt sind die Kompositionen des jüdischen Mädchens Josima Feldschuh, das im Warschauer Ghetto spielte und komponierte, mit ihrer Familie fliehen konnte, aber 1943 mit knapp 14 Jahren an Tuberkulose starb.
Auf "Non Fiction" beschäftigt sich Rani mit den Erfahrungen heutigen Horrors, ob in der Ukraine oder in Gaza, wie sie schreibt. Live war "Non Fiction" zum ersten Mal am 15. Juni in der Berliner Philharmonie zu hören. Wir haben sie zum Interview getroffen.