Kultur
75 Jahre Bundesverfassungsgericht
Die Themen der "Kulturzeit" vom 28.09.2026: Bundesverfassungsgericht - Gespräch mit Julian Nida-Rümelin, "Demokratie leben!", Immendorff-Ausstellung, "Fremde Sonne", Lyas und seine La Watch Parties.
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 10.01.2027
Die Themen der Sendung:
75 Jahre Bundesverfassungsgericht - Gespräch mit Julian Nida-Rümelin
Seit 75 Jahren entscheidet das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe über die ganz großen Fragen. Seine Urteile spiegeln die gesellschaftlichen Debatten wider, die in der Bundesrepublik geführt werden. So ging es um Gleichberechtigung, Abtreibung und die Ehe - aber auch um Demonstrationsrechte, die Privatsphäre und sogar Fernsehsender.
Die Doku "Letzte Instanz" rekonstruiert beispielsweise den Eilantrag der Familie des Entführungsopfers Hanns Martin Schleyer, die Nachtverhandlung in Karlsruhe und das Ringen um die Verantwortung des Staates für jedes einzelne Leben seiner Bürger. Hanns-Eberhard Schleyer, der Sohn des Entführten, führt als Zeitzeuge zurück in einen historischen Ausnahmezustand: das Hoffen und Bangen der Familie zu Hause und das juristische Duell mit der Bundesregierung vor Gericht unter dem Zeitdruck eines Ultimatums der Entführer. Und die Situation spitzt sich noch weiter zu. Während die Rote Armee Fraktion Schleyer gefangen hält, geraten auch Menschen an Bord der Lufthansa-Maschine "Landshut" in die Gewalt von Terroristen. Es ist die wohl dramatischste Nacht in der Geschichte des Verfassungsgerichts.
Wir sprechen mit dem Philosophen Julian Nida-Rümelin über die Geschichte und die Zukunft des Bundesverfassungsgerichts.
Lebendige Zivilgesellschaft – Was weg fällt, wenn der Bund bei "Demokratie leben!" kürzt
Was hält unsere Gesellschaft zusammen – und was macht eine starke Zivilgesellschaft aus? Engagement, Weiterbildung, Wohlfahrtsträger, Sozialarbeit, aber auch Sportvereine und Feuerwehren. Und es braucht dafür Geld. Das kommt auch vom Bund, in dem Programm "Demokratie leben". Gegründet wurde das Programm 2014 zur Stärkung der Demokratie und Prävention gegen Extremismus vor dem Hintergrund der NSU-Prozesse. Jetzt unterzieht Bundesministerin Karin Prien das Programm einer Revision in der Förderpraxis – und stoppte Zahlungen.
Ausstellung "Immendorff" im Kunstpalast Düsseldorf
Mit der ersten umfassenden Retrospektive in Immendorffs Wahlheimatstadt Düsseldorf, wo er jahrzehntelang studierte, lehrte und arbeitete, rückt ihn der Kunstpalast zurück ins Blickfeld. Rund 120 Werke aus fünf Jahrzehnten zeichnen seinen Weg von den Anfängen an der Düsseldorfer Kunstakademie bis zu den letzten im dortigen Atelier entstandenen Arbeiten nach. Die chronologisch aufgebaute Ausstellung vereint Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen sowie Dokumentationen von Immendorffs Aktionen. Ergänzendes Archiv- und Fotomaterial, Skizzen, Schriften und Presseausschnitte vermitteln ein lebendiges Bild seines weit gefassten Kunstverständnisses und seines vielschichtigen Blicks auf die Welt. Die Ausstellung ist bis zum 10. Januar 2027 zu sehen.
"Fremde Sonne" am Hamburger Schauspielhaus
Der fünfteilige Antikenzyklus "Anthropolis" am Deutschen Schauspielhaus Hamburg in der Neuschreibung von Roland Schimmelpfennig beschrieben Kritiker*innen als "Theatersensation". Im Zentrum stand die Geschichte der Stadt Theben, von der mythischen Gründung bis hin zur Katastrophe um Antigone. Nun macht sich Intendantin und Regisseurin Karin Beier an eine Fortsetzung. Geplant ist ab September 2026 eine sechsteilige Fortschreibung des Antikenzyklus unter dem Titel "Fremde Sonne" mit dem Schwerpunkt auf der Medea-Jason-Geschichte und der Fahrt der Argonauten.
Im Kern geht es dieses Mal um den Herrschaftsanspruch einer Zivilisation über die ganze Welt, um einen imperialistischen Anspruch aus Krankheit und Schwäche der eigenen Gesellschaft heraus. Auch dieses Mal wird Roland Schimmelpfennig für die Neuschreibung des Textes verantwortlich sein. Er macht aus dem Heldenepos eine antiheldische Groteske.
Gucci für alle: Mode als Gemeingut
Die Kultur, auch die Modewelt, ist häufig elitär. Der französisch-algerische Content Creator und Modekritiker Lyas stört sich daran und möchte bewusst mit dem Status quo brechen. Mit seinem Format "La Watch Party" bringt er deshalb das Prinzip des Public Viewing in die Mode. Runway-Shows werden live an öffentlichen Orten gezeigt, ganz ohne exkludierende Einladungsmechanismen und kostenlos. Mit großem Erfolg: Jedes Mal schauen Hunderte mit. Das Théâtre du Châtelet füllte er etwa bis auf den letzten Platz. Nun kommt er mit dem Format erstmals nach Berlin. Kann "La Watch Party" das schaffen, was der Modekosmos sonst verweigert: echte Teilhabe statt Distinktion? Am 25. September kamen rund 800 Modebegeisterte in Charlottenburg zusammen, um gemeinsam die Gucci Show zu verfolgen. Wir waren dabei.