Kultur

Philosoph auf St. Pauli - Foucault zum 100.

Die Themen der "Kulturzeit" vom 15.10.2026: Foucault und St. Pauli, Cornell und Missbrauch - Gespräch mit Katharina Gerund, Boualem Sansal, Niki de Saint Phalle.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 15.10.2027

Die Themen der Sendung:

100. Geburtstag von Michel Foucault

Am 15. Oktober 2026 jährt sich die Geburt Michel Foucaults zum 100. Mal. Der französische Philosoph gilt als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Weniger bekannt ist, dass ein entscheidendes Kapitel seines Lebens und Werks in Hamburg spielte. 1959 kam Foucault als Leiter des Institut français in die Hansestadt, lehrte an der Universität Hamburg und vollendete hier die Arbeit an seiner Dissertation, aus der später das bahnbrechende Werk "Wahnsinn und Gesellschaft" hervorging. Darin untersucht er, wie Gesellschaften definieren, wer als vernünftig und wer als abweichend von der Norm gilt, und wie Außenseiter ausgegrenzt, eingeschlossen oder zum Schweigen gebracht werden. Hamburg war für Foucault jedoch weit mehr als ein akademischer Aufenthaltsort. Er erkundete das schwule Nachtleben St. Paulis und interessierte sich besonders für das Milieu rund um die Reeperbahn. Vor diesem Hintergrund erscheinen Foucaults spätere Arbeiten über Macht, Kontrolle, Ausgrenzung und sexuelle Freiheit in einem neuen Licht. 100 Jahre nach seiner Geburt wirkt eine seiner zentralen Fragen erstaunlich aktuell: Wer entscheidet eigentlich, was als normal gilt und wer außerhalb der Norm steht? Zu Wort kommen der Hamburger Historiker Rainer Nicolaysen, der Foucaults Zeit in der Hansestadt erforscht hat, Jürgen Schmidt-Radefeldt, der als junger Mann bei Foucault in Hamburg studierte und Oke Göttlich, Präsident des Fußballvereins St. Pauli.

Der Fall "Jane Doe" an der Cornell-Universität - Gespräch mit Katharina Gerund

Die ehemalige Studentin der Cornell-Universität in den USA, die unter dem Pseudonym Jane Doe auftritt, wirft sieben Studenten vor, sie im Oktober 2024 im Haus der Studentenverbindung Chi Phi sexuell missbraucht zu haben. Zuvor sei sie nach eigenen Angaben zum Konsum von Ketamin, Marihuana und Alkohol gedrängt worden und schließlich völlig handlungsunfähig gewesen. Ein Mann habe andere per Nachricht zur Beteiligung aufgefordert. Die zuständige Staatsanwaltschaft entschied, die Verdächtigen nicht vor Gericht zu stellen. Die "New York Times" hat die Unterlagen der Universitätsuntersuchung des Falles ausgewertet. Demnach wurden zwei Beschuldigte der Universität verwiesen, zwei suspendiert und mit Disziplinarmaßnahmen auf Bewährung belegt, ein Beschuldigter wurde zur Persona non grata erklärt. Zwei Männer hätten Kontaktverbote erhalten, "Schulungsmodule" absolvieren und "Reflexionspapiere" schreiben müssen. Tausende Frauen brachten seitdem in einer Online-Kampagne ihre Empörung über den Umgang von Justiz, Universität und Gesellschaft mit dem Fall zum Ausdruck. An US-Universitäten kommt es Umfragen zufolge häufig zu sexueller Gewalt gegen Frauen. Wir sprechen mit der Amerikanistin Katharina Gerund.

"Niki de Saint Phalle. Dream Machine" im Kunstpalast Düsseldorf

Eine Künstlerin, die sich nicht an Regeln halten wollte: Mit "Dream Machine" widmet der Kunstpalast Düsseldorf der französisch-amerikanischen Künstlerin Niki de Saint Phalle (1930–2002) eine große Ausstellung. Vom 10. September 2026 bis zum 7. Februar 2027 sind im Kunstpalast mehr als 100 Werke zu sehen. Die Ausstellung zeigt nicht nur ihre farbenprächtigen "Nanas", sondern vor allem Saint Phalles künstlerische Selbstbehauptung und ihren Kampf gegen gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit.

Boualem Sansals Buch "Die Legende"

Heute kann Boualem Sansal von seinem Balkon auf die Straßen von Paris blicken. Noch vor einem knappen Jahr saß der französisch-algerische Schriftsteller in einem Hochsicherheitsgefängnis in Algerien. "Ich wurde des Terrorismus beschuldigt", sagt Sansal. "Deshalb war ich im am stärksten gesicherten Teil im Gefängnis, der Terroristen vorbehalten ist." "Die Legende", diesen Spitznamen gaben ihm seine Mithäftlinge. Jetzt ist es der Titel seines neuen Buches. Darin verarbeitet er seine Zeit in Haft – und seine Wut. "Die Legende" ist mehr als ein reines Gefängnistagebuch, er denkt darin über Menschenrechte und Freiheit nach. Und er rechnet mit Menschen und Institutionen ab, von denen er sich im Stich gelassen fühlt: mit seinem langjährigen Verlag Gallimard, mit der französischen Politik und Diplomatie – und mit Teilen des Pariser Medien- und Kulturbetriebs.

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