Kultur

Galeriendämmerung? - Wie junge Künstler mit Instagram den Kunstmarkt aufmischen

Lange verachtete die Kunstwelt erfolgreiche Instagram-Kunst als plakative Deko-Malerei. Doch der etablierte Kunstmarkt gerät ins Wanken. Braucht es noch Galerien?

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2024
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 24.05.2025

Dies ist eine aktualisierte Fassung der Sendung vom 25.05.2024. Es wurde präzisiert, dass die kurze Zusammenarbeit von Klinkenberg mit MISA ART bestand, nicht mit der Galerie König.

Vom Instafame zur Kunstkarriere

Immer mehr Quereinsteiger schaffen es vom Instafame zur seriösen Kunstkarriere. Das feste Gefüge des Kunstmarktes gerät ins Wanken.

Die französische Künstlerin Johanna Dumet hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich: Noch vor zehn Jahren finanzierte sie ihre Farben und Pinsel mit Putzjobs. Dann stellte sie ihre Arbeiten auf Instagram und generierte dort rasch 44.000 Follower, die ihr die Bilder regelrecht aus den Händen rissen. Heute wird die Quereinsteigerin von gleich drei Galerien allein in Berlin vertreten und verkauft zu fünfstelligen Preisen. Noch gehört Dumet zu den wenigen Ausnahmen, die den Sprung aus den sozialen Medien in den etablierten Kunstmarkt geschafft haben, aber viele drängen nach und der elitäre Betrieb wird durchlässiger.

Der Schriftzug " Media is Dead" in schwarzer Farbe auf rotem Untergrund. Darüber schwarze, verlaufene, gesprühte Farbe.
Eine Arbeit des Künstlers Monty Richthofen

Waren es bisher die Galeristen, die bestimmten, welche Newcomer Karriere machen, nehmen heute immer mehr junge Kunstschaffende ihre Verkäufe und Vermarktung selbst in die Hand. Macht Social Media die Galerien überflüssig? "Warum soll ich 50 Prozent meiner Einkünfte an eine Galerie abtreten, obwohl ich die ganze Arbeit mache?“, sagt Künstlerin und Ex-Tennisstar Elisa Klinkenberg. Sie hat mit ihrer Kunst und diversen Marken-Kooperationen ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Werden solche Geschäftsmodelle den Kunstmarkt übernehmen?

Erfolg auf Instagram kann Talente verbrennen

Eine Frau kniet zwischen zwei riesigen, aus Stahl gefertigten Skulpturen, die an Scheuklappen für Pferdeaugen erinnern.
Die Künstlerin Hannah Hallermann zwischen ihren "Scheuklappen" aus Stahl in der Galerie HOTO in Berlin.

Elke Buhr, Chefredakteurin des Fachmagazins Monopol, glaubt nicht an den dauerhaften Erfolg der Quereinsteiger: "Ein Künstler wird erst durch die Anerkennung der Fachwelt relevant. Galerien, Sammler und Museen werden weiterhin bestimmen, wer dazu gehört." Auch alteingesessene Galeristen wie Judy Lybke, der Neo Rauch und die "Leipziger Schule“ entdeckt und groß gemacht hat, will nichts von der Macht der Follower hören. Im Gegenteil: Allzu großer Verkaufserfolg auf Instagram könne ein Talent sogar verbrennen, meint der erfahrene Kunsthändler. Denn es inflationiere die Kunstwerke und entwerte sie damit auf Dauer.

Dennoch: Die Branche ist im Wandel und nie zuvor waren Kunstschaffende so autonom. Auch weil eine neue Sammlergeneration auf den Markt drängt, die sich nicht an die alten Spielregeln hält und Kunst auch online erwirbt. Steht der elitäre Kunstmarkt vor einer Zeitenwende?

Tita von Hardenberg begibt sich an die Umbruchstellen des Kunstmarktes, um dessen Zukunft zu erforschen. Sie besucht Sammler, die umdenken, Galerien, die mit Minimalpreise locken, und angesagte Kunstevents, wo sich bei wilder Party Autodidakten und Establishment treffen. Ist das die schrankenlose Zukunft des Kunstmarktes?

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