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aepfel sind aus korb gefallen

Kultur

Der Biss der Erkenntnis - Geschichten vom Apfel

Wie Wein, Brot und Öl ist der Apfel eines der großen, in Mythen und Legenden eingebetteten Lebensmittel. Dieser gilt als klassische Frucht der Unsterblichkeit, der Verführung, Liebe und Erotik.

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Der Anblick frischer, appetitlicher Äpfel, die im Kollektiv ihrem künftigen Verzehr entgegen hüpfen, wirkt wie ein Versprechen. Ein Versprechen der Natur auf robuste Gesundheit und ewige Jugend. "An apple a day keeps the doctor away“ - ein altes Sprichwort wurde zum weltweit wirksamen Slogan. Und doch war es vielleicht ein Apfel, der einst das genaue Gegenteil davon mit verursachte.

Schicksalsrolle Apfel

In den großen Büchern spielen Äpfel immer wieder eine Schicksalsrolle, von der Bibel über Homer bis zu Schiller und den Gebrüdern Grimm. So etwa verursachte ein Apfel nach dem verhängnisvollen "Urteil des Paris" den Trojanischen Krieg. Vor 700 Jahren trug er mit Wilhelm Tell zur Erfindung der Schweiz bei. Und schließlich fiel er Isaak Newton auf den Kopf, womit er seine Schwerkraft unter Beweis stellt.

Der Biss, der uns die Erkenntnis brachte, ist Teil eines gewaltigen Mythos. Im Grunde verdanken wir ihm unser Bewusstsein. Die unbewusst lauernde Erinnerung daran verarbeitet die Kunst in immer neuen Variationen. Heutzutage braucht Eva schon mehr als einen Apfel, um Adam eine Erkenntnis zu vermitteln. Ein kräftiger Biss wird zu allererst mit Wohlgeschmack und Vitaminen und nur noch ganz selten mit Verführung in Verbindung gebracht.

Österreichs Apfelland liegt in der Steiermark

Österreichs Herzland der Apfelkultur liegt in der Steiermark. Unter silbrig schimmernden Netzen können sich Gala, Idared, und Co. sicher vor dem verletzenden Hagelschlag entwickeln. Frei wachsende Apfelbäume auf der grünen Wiese - solche Bilder wie aus dem Märchen sind rar geworden. Romantische Obstgärten, idyllische Streuwiesen reduzieren sich zu Klischees. Mit der Realität des industrialisierten Obstanbaus haben sie nur noch als Landschaftsschmuck zu tun.

Im steirischen Apfelland hat die Natur ein ideales Klima geschaffen. Im Spätsommer, wenn es mit der Reife ins Finale geht, bringen warme Sonnentage und mitunter schon empfindlich kalte Nächte den unverwechselbaren Wohlgeschmack in die Früchte. Die ursprüngliche Sortenvielfalt ist - den Gesetzen des Marktes gehorchend - auf ein Minimum geschrumpft. Im naturhistorischen Museum des Benediktinerstiftes Admont wird eine rare Kollektion von über 260 in Wachs nachgebildeten Obstsorten aufbewahrt. Darunter viele Apfelsorten, die es heute nicht mehr gibt.

Woher kamen die Äpfel?

Doch woher kamen die Äpfel? Vermutlich wuchsen schon vor rund 10.000 Jahren erste Äpfel im Zentrum Eurasiens - im heutigen Kasachstan. Diese Holzäpfel waren unserem delikaten gesunden Obst nur entfernt ähnlich, gaben aber immerhin der ehemaligen Hauptstadt ihren ursprünglichen Namen: Alma Ata - Stadt der Äpfel. Über dieselben uralten Handelsstraßen, auf denen Seide und Gewürze transportiert wurden, gelangten auch die Äpfel ans Schwarze Meer. Von wo aus sie zunächst durch die Griechen und dann durch die Römer kultiviert wurden.

Kaum waren die Äpfel in der mediterranen Welt angekommen, mischten sie sich schon wieder in die Kulturgeschichte der Menschen ein. Ort der Handlung war diesmal der südwestlichste Zipfel der iberischen Halbinsel. Dort wo Europa und Afrika sich am nächsten sind. Alten griechischen Mythen zufolge soll hier einst Herakles die beiden Kontinente von einander getrennt haben. Seither kann man am Strand der andalusischen Stadt Tarifa von einem windgebeutelten Punkt aus, die unterschiedlichen Charaktereigenschaften von Atlantik und Mittelmeer studieren. Herakles vollzog die brachiale Trennung sozusagen im Nebenjob. Seine eigentliche Aufgabe war doch, den Hesperiden drei ihrer sagenhaften goldenen Äpfel zu stehlen.

Und wie wir wissen, spielte ja auch beim Ausbruch des Trojanisches Krieges ein Apfel eine entscheidende Rolle, als der kleinasiatische Königssohn Paris der Schönsten von drei Göttinnen einen goldenen Apfel überreichen sollte. Der überforderte Prinz traf eine Wahl und löste damit eine Katastrophe aus, welche bei Homer nachzulesen ist.

Der Apfel im modernen Obstbau

Aus der Antike in die Gegenwart, vom Aufmarsch zum Trojanischen Krieg ins friedliche steirische Apfelland. Im modernen Obstbau muss Balance gehalten werden zwischen dem Anspruch der Konsumenten auf möglichst naturnahe Produkte und der Forderung, eben diese Produkte so gut wie jederzeit verfügbar zu haben. Drum werden die behutsam vom Baum gepflückt. Um sie ja unverletzt zu bergen, werden sie behandelt wie rohe Eier.

Jede Lieferung wird genau kontrolliert und registriert. Wichtig ist, dass sich die Sorten nicht mischen. Die Früchte werden nach Größe sortiert und im Verlauf ihres Weitertransportes ins Lager gleich auch gewaschen. Das Kunststück bei der Lagerhaltung und Verteilung besteht darin: Mit Hilfe moderner Technik müssen große Mengen in kurzer Zeit verarbeitet werden und dennoch darf der einzelne Apfel seine natürliche Individualität nicht verlieren.

"c.a. - controlled atmosphere" lautet also der Begriff für die gesunde und natürliche Konservierung. Auf diese Weise werden Äpfel nicht nur für den heimischen Markt erntefrisch verfügbar gemacht. Sie können auch jederzeit auf weite Reisen geschickt werden. Zwar sind österreichische Exportmargen im Vergleich zum Obstweltmarkt sehr bescheiden. Doch durch ihre erfrischende Qualität fallen österreichische Äpfel selbst in weit entfernten Marktrevieren auf. So treffen wir etwa auf einem der großen Märkte Londons wieder auf die saftigen Botschafter aus der Steiermark.

Auch bei der Apfelsaftgewinnung gilt das gleiche Prinzip wie bei der Lagerung der Tafeläpfel: die Technik muss die Quantitäten bewältigen und die hohen hygienischen Ansprüche gewährleisten, darf aber den Naturcharakter der Frucht bis hin zu seiner haltbaren flüssigen Form nicht beeinträchtigen.

Die berauschenden Eigenschaften des Apfels

Wenn dem Apfelsaft seine Unschuld genommen und er in einen Gärungsprozess versetzt wird, entsteht Cidre, ein leicht alkoholisches Getränk, dessen Zauber schon seit über zweitausend Jahren wirkt. In der Normandie, in Großbritannien, Irland und mit ganz besonders langer Tradition auch in Nordspanien, in Asturien, dem Zentrum spanischer Cidre-Erzeugung. In Gijon macht ein volkskundliches Museum deutlich, wie lange die Handwerkstradition der Cidre-Kellereien zurück reicht.

In Asturien wird der Cidre zum ersten Mal in historischen Quellen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus erwähnt. Plinius schreibt, dass in der Zeit der römischen Besatzung der iberischen Halbinsel im Norden des Landes ein fermentiertes Getränk bekannt und beliebt war, das man "CITOS" nannte. Das - da es aus Äpfeln hergestellt wurde - wird der erste Cidre gewesen sein. Dichter werden die geschichtlichen Nachrichten über den Cidre dann im 6. und 7. Jahrhundert und immer weiter, bis in unsere Zeit verbreiten. Im 17. und 18. Jahrhundert wird dann der Cidre in Asturien schon beinahe industriell hergestellt und der Konsum steigt rasch steil an. Eine wirklich starke Steigerung von Produktion und Konsum war jedoch erst mit der Einführung der Flaschen möglich.

In Gijon ist der Cidre unübersehbar beliebt und überall anzutreffen. Wobei man aus der Notwendigkeit, dem Apfelwein, bevor man ihn trinkt eine Portion Sauerstoff zuzuführen, eine beinahe zum Volkssport gewordene Kunstfertigkeit des Einschenkens gemacht hat. Es muss unbedingt ein kleiner Rest im Glas verbleiben, den man am Kneipenboden ausgießt. Über die rauschhaften Eigenschaften des Apfels gelangen wir zu den pikanten Geheimnissen seines Innenlebens.

Schneidet man einmal aus Zufall oder Neugierde einen Apfel horizontal, sozusagen seinem Äquator entlang durch, offenbart er sein Kerngehäuse als geheimnisvolles Pentagramm. Normal geteilt, erinnert er uns wieder daran, dass er einst die Frucht der Verführung war.

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