Kultur

Kaminer inside: Wie klingt Österreich?

Autor Wladimir Kaminer tourt durch die Klänge Österreichs, trifft dabei auf Weltstars wie Wanda, auf Nachwuchstalente der Rap-Szene und spielt mit den Wiener Sängerknaben Fußball.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 22.02.2023
"Das Land ist klein, es kennt kein Schwein und es wird oft mit Australien verwechselt. Man kann Österreich leicht übersehen, wenn man ohne Brille auf die Karte schaut. Doch überhören kann man Österreich nicht." Wladimir Kaminer

Beschwingt, heiter, melancholisch, diese Mischung findet Kaminer in den Wiener Weinbergen. Dort trifft er auf die Neuen Wiener Concert Schrammeln und die Sängerin Tini Kainrath. Sie pflegen den Wiener Klang der Monarchie, Tänze, Märsche und das Wienerlied. 

Wladimir Kaminer, Peter Havlicek, Peter Uhler, Tini Kainrath
Wladimir Kaminer, Peter Havlicek, Peter Uhler, Tini Kainrath
Quelle: ORF/Günther Pichlkostner.

"Damals sind viele östliche Einflüsse nach Wien gekommen. In Ungarn und Tschechien gibt es sehr viele Moll-Tonarten in der Volksmusik und das prägt die Wiener Volksmusik bis heute", erfährt Kaminer bei einem Gläschen Wein.

Heute diese Tradition zu pflegen ist für Tini Kainrath ein politischer Akt: "Das Wienerlied galt in meiner Familie als reaktionär und rechtes Gedankengut. Es war verpönt! Doch ich finde, man darf Traditionen nicht einfach einer politischen Gesinnung überlassen."

"Auf den großen Bühnen der Welt tummeln sich auch österreichische Rockstars. Sie starten ihre Karrieren meistens in ganz kleinen Clubs." Wladimir Kaminer
Marco Wanda in der Wiener Stadthalle
Marco Wanda in der Wiener Stadthalle
Quelle: ORF/Universal

Über den Dächern von Wien, auf der 54 Meter hohen "Michaelerkuppel" der Wiener Hofburg, trifft der Russendisko-Autor auf Marco Wanda, den derzeit erfolgreichsten österreichischen Rock-Export. Die Texte, die er in ausverkauften Hallen singt, sind zwar deutsch, doch die Sprache der Musik ist universell.

Trotzdem spielt die Stadt Wien eine wichtige Rolle beim Selbstverständnis der Band: "Wien ist in unseren Texten eine ‚Bühne ohne Eigenschaften‘, auf der sich Dramen entfalten. Wien als Stadt ist so mächtig besetzt, dass es völlig reicht, wenn du Wien singst - du brauchst nur das Wort „Wien“ singen und jeder hat ein Bild...du musst es nicht ausformulieren."

Wladimir Kaminer und Zisterzienser-Mönche von Heiligenkreuz singen gregorianischen Choral.
Wladimir Kaminer und Zisterzienser-Mönche von Heiligenkreuz singen gregorianischen Choral.
Quelle: ORF/Günther Pichlkostner.

Beflügelnd und andächtig hingegen klingt der Gregorianische Choral im Stift Heiligenkreuz. Man nennt ihn auch den "Gesang der Engel". Die Zisterziensermönche pflegen die Tradition des gesungenen lateinischen Gebetes seit 900 Jahren.

Überraschend stürmten sie 2008 die internationalen Charts, überholten sogar DJ Ötzi. "Wir leben in einer Welt, die sehr schnelllebig und manchmal oberflächlich geworden ist. Was auf der CD zu hören ist, ist echt, das ist Leben, das ist authentisch und das ist das, was die Menschen heute suchen," meint Pater Johannes Paul Chavanne und schickt Kaminer zur Chorprobe.

"Der Schlager wurde übrigens auch in Österreich erfunden. Er geht zurück auf die deutschen Operetten-Hits im 19. Jahrhundert." Wladimir Kaminer
Melissa Naschenweng, Sängerin
Melissa Naschenweng, Sängerin
Quelle: ORF

Was wäre eine musikalische Tour durch Österreich ohne volkstümliche Schlagermusik? Die Kärntnerin Melissa Naschenweng ist mit ihrer pinken Harmonika besonders auf dem Land ein wahrer Shooting Star, doch auch in Deutschland wird sie, obwohl sie im Dialekt singt, immer populärer: "Die Leute überlegen schon, wenn ich sing’: was singt sie denn jetzt genau? Weil es ist schon sehr im Dialekt, aber sie verstehen es dann. Die Musik muss man eigentlich nicht verstehen, die muss man nur spüren."
Ihre treuen Fans nennt sie liebevoll "Bergbauernfamilie", Kaminer besucht eines ihrer Konzerte und konstatiert: "So eine Stimmung habe ich das letzte Mal auf einem Punkkonzert erlebt."  Sie sucht in ihrem neuesten Hit einen Mann "mit Traktorführerschein", kein Wunder also, dass sie sich mit Wladimir Kaminer kurzerhand auf den Traktor schwingt.

Wladimir Kaminer und Rapperin Gazal
Wladimir Kaminer und Rapperin Gazal
Quelle: ORF/Günther Pichlkostner.

Und natürlich findet man in Österreich auch Hip-Hop-Tradition. Hip-Hop, das bedeutet für die Rapperin Gazal: Haltung zeigen. Sie sagt von sich selbst: "Ich bin die erste Lesbe mit Fluchterfahrung, die rappt".

Mit ihren Eltern flüchtete sie als Baby nach Oberösterreich. Heute lebt sie in Wien und fühlt sich ihrer Heimatstadt so verbunden, dass sie ihr sogar eine Hymne, nämlich "Wien, oida" gewidmet hat. Trotzdem lässt sie es sich nicht nehmen, beim Shisha-Rauchen an der Donau Wladimir Kaminer die oberösterreichische Landeshymne vorzusingen.

"Die Musik in diesem Land ist vielfältig und lebt von den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen. Also eine spannende Mischung, so gut wie der typisch österreichische Kaffee, die wunderbare Melange." Wladimir Kaminer

Die Dokumentation von Constanze Grießler und Franziska Mayr-Keber zeigt: einen einzigen typischen Sound für Österreich gibt es nicht. Aber eine Vielfalt, die auf Traditionen baut und ständig offen ist für neue Einflüsse - wie eine gute Melange.

Ein Film von Constanze Grießler und Franziska Mayr-Keber.

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