Kultur
Ein Jahr nach dem Gletschersturz von Blatten
Die Themen der "Kulturzeit" vom 28.05.2026: Gletscher, Türkei - Gespräch mit Can Dündar, Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" - Literaturgespräch mit Katharina Teutsch, Stück "Maus, Geld, Gespenst".
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 13.09.2026
Die Themen der Sendung:
Die Gletscher als Metapher für eine geschundene Welt?
Vor einem Jahr stürzte im Schweizer Lötschtal der Berg ins Tal. Und mit dem Berg der Birchgletscher. Der Künstler und Fotograf Daniel Schwartz war der letzte, der den Berg mitsamt Gletscher vom Helikopter aus fotografierte. 24 Stunden, bevor die Naturkatastrophe das Dorf Blatten begrub. Schwartz erkundet und fotografiert Gletscher auf vier Kontinenten. Jeder hat seine eigene Gestalt und erzählt seine Geschichte. Aktuell stellt er in Solothurn seine Fotografien aus, sein neues Buch heißt: "Unterwegs zu den Gletschern der Welt". Wir haben ihn gefragt, wie er heute auf den Bergsturz vor einem Jahr blickt und wie es um den Patienten "Gletscher" steht?
Die Opposition in der Türkei unter Druck - Gespräch mit Can Dündar
Die Oppositionspartei CHP, die älteste politische Partei der Türkei, ist seit dem 22. Mai durch ein Gerichtsurteil schwer unter Druck geraten: Die Parteiführung der linksnationalistischen Partei wurde durch eine richterliche Entscheidung abgesetzt. Ein Gericht in Ankara erklärte in einem Berufungsverfahren die Wahl der CHP-Parteispitze im Jahr 2023 für ungültig und enthob Özgür Özel seines Amtes. An den Folgetagen stürmte die Polizei dann gewaltsam den Sitz der CHP in Ankara und zwang Özel, das Gebäude zu verlassen. Auf einer Kundgebung in der Ägäis-Metropole und CHP-Hochburg Izmir, auf der Özel am 26. Mai das Wort ergreifen wollte, ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Kritiker werten die Gerichtsentscheidung als den jüngsten Versuch des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, seine wichtigsten politischen Rivalen im Vorfeld der spätestens 2028 anstehenden Präsidentschaftswahl aus dem Weg zu räumen. Wir sprechen mit dem Journalisten Can Dündar über die Situation in der Türkei.
Mehr zur Türkei
Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" im Literaturgespräch mit Katharina Teutsch
Heinrich Kleists Novelle "Michael Kohlhaas" ist seit Generationen Schulstoff. Darin erzählt er von einem Pferdehändler, der sich ungerecht behandelt fühlt und in seiner unbändigen Wut zum Mörder wird. Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine Frau in den 40ern, die als Friedhofsverwalterin in Leipzig arbeitet. Als sie erfährt, dass ihre Stammkneipe von einem steinreichen Galeristen übernommen worden ist, lässt sie in ihrer Empörung alles, was sie bindet und verpflichtet, liegen und stehen - und beginnt einen Kampf gegen die Maßlosigkeit von Geld- und Machtgier. Diesen führt sie aber nicht mit Waffen, sonder mit Provokation. Wie eine Obdachlose zieht sie durch die Straßen, kommt mal hier, mal da unter und demonstriert ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Wir sprechen mit der Literaturkritikerin Katharina Teutsch über den Roman.
Theaterstück "Maus, Geld, Gespenst" in Essen
Fünf Personen und ein Geflecht von Geschichten um Verlust, Schuld und Schmerz: Zwischen Berlin und Beijing ist "Maus, Geld, Gespenst" von Sunan Gu angesiedelt. Für dieses Theaterstück zwischen den Kulturen, über Rassismus und Diskriminierung, aber auch über die Suche nach Antworten in einer zerklüfteten Welt erhielt die in Beijing geborene und in Berlin lebende Autorin den neuen "Volksbühnenpreis für Theaterliteratur". "Maus, Geld, Gespenst" wurde im Rahmen der Ruhrfestspiele Recklinghausen im Grillo-Theater Essen uraufgeführt.