Dokumentation
Waldelefanten - Architekten des Regenwaldes
Die Waldelefanten von Gabun erfüllen eine wichtige Rolle bei der Erhaltung des Regenwaldes, andererseits stellen sie aber auch eine Bedrohung für menschliche Siedlungen dar.
- Produktionsland und -jahr:
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- Datum:
- Sendetermin
- 07.09.2026
- 20:15 - 21:05 Uhr
- Verfügbar in
- D / CH / A
Aus der Ferne sieht es aus wie eine tanzende Schlange auf der dichten Vegetation des Regenwaldes. Als nächstes tauchen zwei lange, rosafarbene Stoßzähne aus dem Blätterwerk auf.
Quelle: Werner Zips Filmproduktion (2023)
Sie gehören zu einem Elefantenbullen, der wie ein verblüffter Tourist die gewaltigen Kongou-Wasserfälle beobachtet. Er steht am Rande dieses abgelegenen Naturwunders im Ivindo-Nationalpark in Zentralgabun und versucht mögliche Gefahren zu wittern. Plötzlich setzt der Dickhäuter zu einem gewagten Trapezakt an.
Vorsichtig wie im Porzellanladen setzt er einen Fuß vor den anderen und jongliert seine rund vier Tonnen Lebendgewicht über die steile Kante der Fälle – ein fast unmöglich erscheinender Stunt, der so nirgendwo sonst zu beobachten ist: "Er ist auf der Suche nach einer Delikatesse, die es wert ist, das Risiko einzugehen", flüstert Eco-Guide Gislain Botsika ehrfürchtig, „das Gemüse der Wasserfälle“.
In Gabun gelten Elefanten als Nachbarn, die fast das ganze Land mit den Menschen teilen. Die meisten Menschen betrachten sie jedoch zumeist als schwierige Nachbarn, die ihre Lebensgrundlage und sogar ihr Leben bedrohen.
Daher beginnt der Naturschutz mit dem guten Willen und der Toleranz der lokalen Gemeinschaften für eine Tierart, die dafür bekannt ist, den Regenwald zugänglich zu machen, indem sie Wege baut und ihn durch die Verbreitung von Samen von Bäumen reproduziert. In Gabun erfüllen diese „Architekten des Regenwaldes“ die wichtige Funktion, den Waldbestand zu erhalten und damit eine zentrale Kohlenstoffsenke für den Erhalt des Weltklimas.
Soziale Interaktion seltener Tierarten
Quelle: Werner Zips Filmproduktion (2023)
„Willkommen im Elephant Restaurant“, grüßt Tom Emane-Ebe, Chief Ranger in Langoué Bai weiter flussabwärts entlang des Ivindo. Das ist als Scherz gemeint, kommt aber in Gabuns Ivindo-Nationalpark der Realität ziemlich nahe. Waldlichtungen, die von Bächen durchzogen sind, werden in der Sprache ihrer ersten Bewohner, indigener Völker wie der Baka und Babongo, Bai genannt.
Tief im Schlamm versteckte Mineralsalze locken Waldelefanten in großer Zahl in das Sumpfgebiet. Durch das Ausgraben dieser Mineralien und Wurzeln ermöglichen Waldelefanten anderen Regenwaldbewohnern ihren Anteil am täglichen Festmahl. Westliche Flachlandgorillas, Waldbüffel, Pinselohrweine und Sitatungas gesellen sich zu den Elefantenfamilien zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.
Langoué Bai bietet das seltene Privileg, die sozialen Interaktionen von Tierarten zu beobachten, die sonst schwer zu finden und noch schwieriger zu filmen sind. Sie ist eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten eines Landes, das vom dichten Blätterdach der Urwaldriesen bedeckt ist. Gabun kann immer noch als „Wunderland des Regenwaldes“ bezeichnet werden, obwohl die kommerzielle Forstwirtschaft auch hier ihren Tribut fordert.
Schutz der Elefanten bedeutet sichere Lebensräume für andere Arten
Quelle: Werner Zips Filmproduktion (2023)
Elefanten gelten für den Wald als „Schirmart“, denn ihr Schutz bedeutet auch sichere Lebensräume für andere Regenwaldarten. Mindestens die Hälfte aller verbliebenen afrikanischen Waldelefanten lebt in Gabun. Schätzungen gehen von 30.000 – 95.000 Tieren aus. Genaue Zählungen sind in den dichten Wäldern praktisch unmöglich, die Schätzungen werden anhand ihrer Ausscheidungen und Gentests erhoben. Da die Wilderei vielerorts in kürzester Zeit zu einem drastischen Rückgang führen kann, wurde der Waldelefant im Jahr 2021 von der Weltnaturschutzunion (IUCN) las vom Aussterben bedrohte Art gelistet, die höchste von drei Gefährdungsstufen.
Bei einer menschlichen Population von etwas mehr als zwei Millionen bedeuten hohe Elefantenzahlen ein Verhältnis von 30-50 Menschen zu einem Elefanten. Kein Wunder, dass Elefanten als eines der größten Probleme in allen ländlichen Gebieten des Landes gelten.
Während andernorts in West- und Zentralafrika Elefanten durch die Ausbreitung menschlicher Siedlungen und den Verlust der Regenwälder durch Abholzung in die lokale Ausrottung getrieben werden, werden in Gabun etliche Dörfer aufgrund der angeblichen „Elefantenplage“ verlassen. Sogenannte Mensch-Wildtier-Konflikte bedrohen das friedliche Zusammenleben fast überall im Land, denn Elefanten sind in ganz Gabun zu finden, sogar nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Libreville entfernt. Politische Instabilität als Folge des Militärputsches im Jahr 2023 macht auch ihre Zukunft und jene der Nationalparks ungewiss.
Waldelefanten: Umweltingenieure, Gärtner und Hüter wertvoller Lebensquellen
Naturschützer betonen die wichtige Rolle der Elefanten als Umweltingenieure, Gärtner und Hüter wertvoller Lebensquellen. Die äquatorialen Regenwälder Afrikas stellen eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken für den Klimaschutz dar und Elefanten sind für sieben Prozent der Reproduktion dieser Wälder verantwortlich.
Ihr Dung sorgt für die Verbreitung der Samen vieler Baumarten. Darüber hinaus schlagen sie auf ihren immer gleichen Wanderungen natürliche Schneisen durch den Regenwald, die es Menschen wie den Baka und anderen indigenen Völkern ermöglichen, ihren Lebensunterhalt durch Jagen, Fischen und Sammeln zu verdienen. „Elefantenautobahnen“ („elephant highways“) werden diese Wegenetze durch den ansonsten für den Menschen undurchdringlichen Wald genannt.
Direkter Zugang zum Strand für Wildtiere
Quelle: Werner Zips Filmproduktion (2023)
Die Regenwälder Gabuns sind semi-aquatisch und werden von großen Flüssen wie dem Ivindo und seinen zahlreichen Nebenflüssen gespeist. Baka und andere indigene Gemeinschaften wenden daher ihre uralten Techniken des Fischfangs in Waldgebieten an, die seit Generationen für ihre Artenvielfalt und ihren Reichtum an Fischen, Fröschen und Schlangen bekannt sind, die alle Teil der traditionellen Ernährung sind. Solche Jagd- und Sammlerausflüge sind immer noch Teil der verbliebenen Gruppen, die im oder in der Nähe des Waldes leben.
Sie wissen am besten, wie man mit einer Megafauna zusammenlebt, die sich die gleiche Umgebung und sogar die gleiche Nahrung teilt. Menschen und Elefanten können bei der Ernte der proteinreichen „Legumes de Chute“ beobachtet werden, spinatähnlicher Pflanzen, die an den majestätischen Kongou-Wasserfällen im Ivindo-Nationalpark wachsen. Gabun ist vielleicht das letzte afrikanische Land, in dem Waldtiere direkten Zugang zum Strand haben.
Ganz einfach, weil der Wald entlang der fast 900 Kilometer langen Küstenlinie immer noch bis zum Atlantik reicht. Die „endlosen“ Sandstrände sind kaum von Menschen bewohnt – mit Ausnahme der Hauptstadt Libreville und des Offshore-Ölzentrums Port Gentil. Wo der Mensch den Dickhäutern ihren ursprünglichen Lebensraum gelassen hat, führen Elefanten Matriarchinnen ihre kleinen Herden zu den vielleicht naturbelassensten Stränden der Welt.
Aber nur in der Regenzeit, wenn die Stürme diverse „Leckereien“ aus den angrenzenden Lagunen und Mangrovensümpfen anspülen. Abgerissene Mangroven gehören zu den Lieblingsspeisen der Waldelefanten, ebenso wie die halluzinogenen Iboga-Pflanzen, die während der Regenzeit in Küstennähe wachsen.
Letztere werden ebenfalls von Menschen konsumiert, insbesondere in Ritualen der Bwiti-Religion. Dieser Film über die „Architekten des Regenwaldes“ ist nicht nur eine weitere Tierdokumentation, die exotische Tiere und ihr Verhalten dokumentiert, sondern erkundet die Herausforderungen des Naturschutzes in der Gegenwart. Im Zentrum stehen daher die Perspektiven lokaler Gemeinschaften und Naturschützer, die mit einer Megafauna leben und „leben müssen“, die ihre Lebensgrundlage und oft genug ihr Leben bedroht.
Diese Expedition in die „geheimnisvolle Welt des Regenwaldes“ zielt daher darauf ab, aktuelle Kämpfe um Artenschutz, Biodiversitätsschutz und Klimaschutz zu entmystifizieren. Waldelefanten auf majestätischen Wasserfällen stehen daher im wahrsten Sinne des Wortes für eine Vision eines grundlegenden Wandels. Sie zu „Partnern“ oder zumindest Verbündeten bei der Erhaltung des Planeten zu machen, stützt sich auf einheimische kosmologische Weisheit und nachhaltige Lebensstile.
Ein Film von Werner Zips.