Dokumentation

Nashörner ohne Horn: Artenschutz in Südafrika

Um Nashörner zu schützen, greifen Tierschützer zu immer drastischeren Maßnahmen! Seinen wissenschaftlichen Gattungsnamen Rhinoceros verdankt es dem Horn (griech. keras) und rhinos (griech. Genitiv für Nase).

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 17.12.2022

Heute fühlen sich viele afrikanische Tierschützer gezwungen, so vielen Tieren wie möglich das Horn auf ihrer Nase unter Narkose abzusägen, um sie vor dem Menschen zu schützen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt bedroht die Wilderei in ganz Afrika die beiden Arten Breitmaulnashorn ("Weißes Nashorn") und Spitzmaulnashorn ("Schwarzes Nashorn"), deren Gattungsgeschichte zumindest 14 Millionen Jahre ins mittlere Miozän zurückreicht. Laut WWF ist in Südafrika die Wilderei von Nashörnern seit 2007 um unglaubliche 9000 Prozent gestiegen. Spitzmaulnashörner sind mit einer geschätzten Population von 6000 Tieren in ganz Afrika akut vom Aussterben bedroht.

Aber auch Breitmaulnashörner sind mit geschätzten 20.000 Individuen potentiell gefährdet. Wenn die jährlichen Verluste so weiter gehen wie in den letzten zehn Jahren wird es in zwei bis drei Jahrzehnten keine wild lebenden Nashörner mehr geben.

Drei Nashörner in freier Wildbahn
Laut WWF ist in Südafrika die Wilderei von Nashörnern seit 2007 um unglaubliche 9000 Prozent gestiegen.
Quelle: Angelica V. Marte

Die Wilderei, in Form der international organisierten Kriminalität, bedroht damit nicht nur eine Millionen Jahre alte Tierart, sondern auch den Ökotourismus. Militärisch ausgerüstete Wilderer vertragen sich schlecht mit Safari-Touristen. Zu allem Überfluss geraten die schlecht bezahlten Anti-Wilderei Einheiten auch im Westen immer mehr in die Kritik.

Die Wilderer operieren unsichtbar, zumeist in der Nacht. Gegenmaßnahmen werden als "grüne Militarisierung" (green militarization) verunglimpft, obwohl die Tierschützer unter Einsatz ihres Lebens versuchen, Nashörner und andere Wildtiere zu bewachen. In Reservaten mit beträchtlichen Elefanten- und Löwenpopulationen stehen sie Tag und Nacht professionellen Wilderern gegenüber, gegen geringe Entlohnung.

Das führt dazu, dass die Armut der Lokalbevölkerung doppelt missbraucht wird. Zum einen, verführt dieser Umstand sie oft zur Wilderei. Zum anderen wird sie gebraucht, um die Wilderei zu bekämpfen - mit nicht immer mit tauglichen Mitteln. Das führt zwangsläufig zu Konflikten. Staatliche Nationalparks sind selbst in wohlhabenderen Staaten wie Südafrika schlicht nicht in der Lage, große Gebiete wie den Kruger Nationalpark mit seinen 20.000 Quadratkilometern zu kontrollieren. Private Wildreservate vermögen das nur, wenn private Investoren entsprechende Geldmittel einbringen.

Immer öfter verschenken Wildreservate ihre Nashörner an jene, die sie effektiv mit gut ausgerüsteten Anti-Poaching Units, sowie Luftraum- und Kameraüberwachung schützen können. Der Wildtierhandel ist laut Naturschutzorganisationen wie Pro Wildlife zum größten illegalen Geschäft nach dem Drogen-, Waffen-, und Menschenschmuggel aufgestiegen. Sein Jahresumsatz beträgt rund 20 Milliarden US-Dollar.

Vor allem in der asiatischen Medizin besteht eine zunehmende Nachfrage, die von den weltweit operierenden Syndikaten befriedigt wird. Nashornpulver wird fälschlicherweise eine Potenz steigernde Wirkung zugeschrieben. Zudem gilt es in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und deren Ablegern in anderen asiatischen Staaten als Arzneimittel gegen unterschiedliche Krebsarten.

Durch den wachsenden Mittelstand in China, Vietnam und Südostasien leisten sich immer mehr verzweifelte Menschen das wirkungslose Pulver aus Horn, das zu höheren Preisen als Gold gehandelt wird. Vor allem in Vietnam wird es als Statussymbol gehypt, auch weil es nur privilegierten Familien überhaupt zugänglich ist. Nach allen übereinstimmenden Studien besteht dafür keine medizinisch haltbare Indikation. Allenfalls "wirkt" das Pulver als reines Placebo. Der Irrglaube führt zu einer sinnlosen Vernichtung einer ikonischen Tierart, die verzweifelte Naturschützer zu immer drastischeren Maßnahmen zwingt. Tierschutzorganisationen überlegen daher eine Kampagne des "naming and shaming" sowie Boykottmaßnahmen, die vor allem TCM treffen könnte.

Eine Kurzdokumentation von Werner Zips & Angelica V. Marte

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