Kultur
In Erinnerung an Mario Adorf
Die Themen der "Kulturzeit" vom 09.04.2026: Zum Tod von Mario Adorf, Buchenwald - Gespräch mit Ines Geipel, Ausstellung "Queere Kunst in der DDR?", Museum der Moderne, Film "The History of Sound".
- Produktionsland und -jahr:
-
Deutschland 2026
- Datum:
- Verfügbar
- weltweit
- Verfügbar bis:
- bis 09.07.2026
Die Themen der Sendung:
Zum Tod von Mario Adorf
Er spielte Schurke, Bösewicht, Liebhaber, Mafioso, Patriarch: Mario Adorf zählte zu den Schauspielern, die in Filmen und Fernsehserien nicht einfach mitspielten, sondern sie prägten. Am 8. April ist der Schauspieler nach kurzer Krankheit im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben. Adorf strotzte zeitlebens vor Lebenslust und Kraft. Seinen Lebensabend genoss er in dem Wissen, einer der erfolgreichsten Schauspieler des deutschen Films zu sein. Dabei wäre es fast nichts mit seiner Karriere geworden. Als Adorf Anfang der 1950er Jahre an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule vorsprach, patzte er. Doch ein einzelner Prüfer stimmte die anderen zugunsten einer Aufnahme um, weil Adorf "Kraft und Naivität" verkörpere. Beides wurde zum Muster seiner Karriere: Die sichtbare Kraft und sein ungewöhnlicher, gedrungener Körper ließen sich so schlecht imitieren, dass er seine Stunts immer selbst spielte. Der Gesichtsausdruck von Naivität brachte ihm zudem die Rollen, die ihn besonders reizten: Oft war er der Bösewicht, da konnte er die Figur am besten entwickeln.
Direkt nach der Schauspielschule bekam Adorf ein Engagement an den Münchner Kammerspielen und spielte bald erste Filmrollen. Sein Durchbruch kam 1957 mit "Nachts, wenn der Teufel kam" mit seiner Darstellung des angeblichen Frauenmörders Bruno Lüdke, eines geistig Behinderten. Adorf war fortan auf die Rolle des Schurken abonniert. Regelrecht verachtet wurde er vom Publikum, weil er 1963 im Millionenerfolg "Winnetou" als Halunke Santer Winnetous liebreizende Schwester Nscho-tschi erschoss. In den 1960er Jahren gelang Adorf auch eine internationale Karriere. Er lebte in Rom, spielte in vielen italienischen Produktionen und genoss nach eigenen Worten das Dolce Vita. "Das war eindeutig die schönste Zeit meines Lebens", sagte er der "Hörzu". Außer in Italien bekam Adorf auch in Hollywood Aufträge - doch als er wegen seines dichten schwarzen Haars auf die Rolle des Mexikaners abonniert werden sollte, wandte er sich ab. Eine Wende zum Charakterdarsteller ermöglichte ihm Anfang der 1970er Jahre der neue deutsche Film. Regisseur Volker Schlöndorff besetzte ihn in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und danach in der mit dem Oscar ausgezeichneten Verfilmung "Die Blechtrommel". Für Helmut Dietl spielte er im Kinoerfolg "Rossini" oder in der Serie "Kir Royal". Legendär wurde sein Generaldirektor Heinrich Haffenloher, der den Klatschreporter Jakob "Baby" Schimmerlos anblaffte: "Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast." Mehr als 200 Rollen spielte Adorf, darunter in Klassikern wie "Allein gegen die Mafia", "Der große Bellheim", "Der Schattenmann" oder "Die Affäre Semmeling" - allesamt große Erfolge aus einer vergangenen Zeit, in der das Fernsehen noch Straßenfeger lieferte.
Buchenwald: "Landschaft ohne Zeugen" - Gespräch mit Ines Geipel
80 Jahre nach der Befreiung des KZs Buchenwald, beschäftigt sich Ines Geipel in ihrem Buch "Landschaft ohne Zeugen" mit der historischen Realität der Lagerwelt und ihrer Aufarbeitung nach 1945 im Westen und in der DDR und seit der Wiedervereinigung bis heute. Wir sprechen mit ihr über Buchenwald, sowie die heutigen Angriffe auf die Erinnerungskultur und die Demokratie.
Ausstellung "Queere Kunst in der DDR?"
Den Ausdruck "Queer" gab es damals noch nicht, auch nicht in der DDR. Doch eine neue Ausstellung im Kunstverein Ost in Berlin will über dieses Wort jetzt die höchst unterschiedlichen Leben und das Werk von neun Künstler*innen aus dem Land zu fassen bekommen, teilweise zum ersten Mal erzählen. Es ist eine große Schau geworden über vier Ausstellungsorte hinweg. Wie haben sich die Identität der Künstlerinnen und ihre gestalterische Freiheit miteinander verwoben? Welche Rolle spielen Diskriminierung und Zensur?
Wasserschaden beim Museum "Berlin Modern"
Kulturbaustellen gehören in Berlin quasi zum Ambiente. Jetzt gibt es Probleme beim Museumsneubau am Berliner Kulturforum. Aus dem halbjährlichen Bericht von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer an den Haushaltsausschuss des Bundestages über den Fortschritt der Baumaßnahmen gehe hervor, dass es in den unteren Stockwerken "ausgeprägte Feuchtigkeitsschäden" auf neuen Betonoberflächen gebe, berichtet der "Tagesspiegel". Die für 2029 geplante Eröffnung des Museums "Berlin Modern" könnte sich dadurch deutlich verzögern.
Film "The History of Sound"
Lionel (Paul Mescal) wächst im ländlichen Kentucky auf, geprägt von den Liedern seines Vaters und dem einfachen Leben auf der Familienfarm. 1917 verlässt er seine Heimat, um am Musikkonservatorium in Boston zu studieren. Dort lernt er den charismatischen Komponisten David (Josh O'Connor) kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Verbindung – bis Davids Einzug in den Krieg sie jäh trennt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs führt das Schicksal die beiden wieder zusammen. Gemeinsam reisen sie im Winter 1920 durch das verschneite Maine, um traditionelle Volkslieder zu sammeln und für kommende Generationen zu bewahren. Es ist eine Zeit intensiver Nähe, die Lionel nie vergessen wird. In den darauffolgenden Jahren lebt Lionel in Europa, führt ein erfülltes Leben, pflegt mehrere Beziehungen und macht sich einen Namen als Musiker. Doch die Erinnerung an David lässt ihn nie los. Erst Jahrzehnte später wird ihm klar, warum ihre Beziehung etwas Besonderes war.