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scobel - Wie der Körper das Bewusstsein erschafft

Nicht Gehirn und Geist bestimmen über den Körper, sondern der Körper ist Ursprung des Denkens. Ohne "Embodiment", die verkörperte Wahrnehmung, gibt es weder ein Bewusstsein noch Intelligenz.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 02.12.2026

"Embodiment" heißt die Wissenschaft der Wechselwirkung zwischen Körper und Bewusstsein. Ein junges Forschungsgebiet, das in Zeiten sozialer Distanz neue Bedeutung gewinnt – und auch erstaunliche Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz liefert.

Leib-Seele-Problem

"Ich denke, also bin ich", behauptete der Philosoph René Descartes - und outet sich damit als Anhänger des Dualismus, der Körper und Geist als voneinander getrennte Einheiten betrachtet. Das Leib-Seele-Problem beschäftigt die Philosophie bis heute. Die Kognitionswissenschaften wiederum betrachteten das Gehirn bislang als eine Art Computer, das auch völlig ohne Verbindung zum Körper Sitz unseres Bewusstseins sein kann.

Die "Embodiment"-Forschung in Psychologie, Neurowissenschaften und kognitiven Neurowissenschaften sammelt nun immer mehr Erkenntnisse darüber, dass grundlegende Funktionen des Fühlens, Denkens und des Ich-Bewusstseins ohne körperliche Interaktion mit der Welt und unbewusste Wahrnehmungen aus dem Körper selbst nicht möglich sind.

Interaktion zwischen Körper und Umwelt

Die Künstliche Intelligenz der Zukunft wird sich weniger auf "Deep Learning", das Füttern der Systeme mit Unmengen von Daten, oder klassische KI stützen, sondern zunehmend die Wechselwirkungen zwischen Körperbewegungen und Bewusstsein berücksichtigen.

"Neuere Ansätze zeigen, dass es oft zu besseren Lösungen in der Robotik führt, wenn der Körper weniger durch das Gehirn beziehungsweise die Rechenleistung kontrolliert wird, sondern 'losgelassen' wird, sodass sich eine Interaktion zwischen Körper und Umwelt einstellt", meint Manfred Hild, Leiter des Forschungslabors Neurorobotik an der Berliner Hochschule für Technik im Interview mit "Spektrum".

Wenn Interaktionen entkörperlicht...

Wolfgang Tschacher leitet die Forschungseinheit für Experimentelle Psychologie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bern und untersucht "Embodiment" in sozialen Interaktionen.

In den Corona-Restriktionen und den Folgen für das soziale Miteinander sieht er ein ernsthaftes Problem: "Was manche jetzt als Chance für eine weitere Digitalisierungswelle in allen Gesellschaftsbereichen ansehen, empfinde ich als Rückschritt. Wenn Interaktionen entkörperlicht ('disembodied') sind, verarmt dadurch die Kommunikation zwischen den Interagierenden, weil sie schlechter miteinander in Resonanz kommen können."

Sollten wir also den Dualismus à la Descartes
, der unser Leben, Denken und unsere wissenschaftliche Erkenntnis bisher bestimmt, endlich aufgeben? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen.

Gäste

Lena Kästner

Lena Kästner ist Juniorprofessorin für Philosophie des Geistes und Kognitive Systeme an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Wissenschaftstheorie, Philosophie des Geistes und der Kognitionswissenschaften. Als Leiterin des Forschungsprojekts "Explainable Intelligent Systems" forscht sie zu künstlicher Intelligenz sowie zu Erklärungen kognitiver Phänomene.

Helge Ritter

Helge Ritter ist Physiker, Neuroinformatiker und Leiter des Forschungszentrums für Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld. Ein Schwerpunkt seiner Arbeitsgruppe ist die "Manuelle Intelligenz": die Entwicklung von Robotern, die Sehen und Tastsinn auf intelligente Weise kombinieren, um mit ihren Händen anspruchsvolle Manipulationsaufgaben zu lösen und dabei ihre Fähigkeiten durch Lernen selbstständig verbessern.

Wolfgang Tschacher

Wolfgang Tschacher ist Professor emeritus für Psychologe an der Universität Bern. Er leitete noch bis Mitte diesen Jahres die Abteilung für Experimentelle Psychologie der  Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Als Forscher interessiert er sich für den empirischen Blick auf „Embodiment“. Er untersucht dabei unter anderem mit systemtheoretischen Ansätzen die Interaktion zwischen Körper und Psyche.

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