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Wissen

scobel - Rätselhaftes Vergessen

Wozu braucht der Mensch Erinnerungen, und warum gibt es kein Gedächtnis ohne Vergessen? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen die neuesten Erkenntnisse der Gedächtnisforschung.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 19.09.2024

Neurowissenschaftlern gelingt es neuerdings, Gedächtnisinhalte mit Medikamenten und Substanzen zu manipulieren: Sie können traumatische Erinnerungen pharmakologisch abmildern oder Gedächtnisinhalte gar verändern und löschen. Ist das Vergessene dann für immer verloren?

Gedächtnis lebt vom Erinnern und Vergessen

Dass Erinnerungen häufig unzuverlässig und manipulierbar sind, haben amerikanische Psychologen bereits in den 1980er-Jahren entdeckt. In Experimenten konnten Probanden dazu gebracht werden, sich Erinnerungen zu eigen zu machen, die es nie gab. Diese Erkenntnis spielt zum Beispiel eine zentrale Rolle in der Bewertung von Zeugenaussagen bei Gerichtsprozessen. Das Gedächtnis lebt vom Erinnern und Vergessen. Es ist dynamisch und plastisch, es erneuert sich, passt sich an und schreibt sich um - ein Leben lang.

Und es ist das Fundament unserer Persönlichkeit und Identität. Das wird besonders deutlich sichtbar, wenn das Vergessen zur Krankheit wird, bei Leiden wie Alzheimer oder Demenz, und wenn sich menschliches Lernen, Erinnern und Vergessen durch die Entwicklung neuer Technologien weiter-, oder wie manche befürchten, zurückentwickeln - Stichwort "digitale Demenz".

Vergessen gehört zur Entwicklung des Denkens

Der Prozess des Vergessens gibt der Forschung immer noch Rätsel auf. Oft wird Vergessen als Fehlfunktion wahrgenommen, aber Neurobiologen verstehen das Vergessen als Prozess, ohne den abstraktes Denken nicht möglich wäre. Für Philosophinnen wie Christine Abbt ist das Vergessen ein "Denkerlebnis", das "Fremdwerden des Selbstverständlichen", ein faszinierendes und rätselhaftes Phänomen, das das kritische Denken anstoßen kann.

Die Gäste

Beatrice Kuhlmann
Quelle: Daniela Haupt

Beatrice Kuhlmann ist Juniorprofessorin für Kognitive Psychologie an der Universität Mannheim. Sie forscht dort unter anderem zum Quellengedächtnis, zum kognitiven Altern und zu Gedächtnisstrategien.

Vergessen ist durchaus nützlich, denn alte Erinnerungen stören neues Lernen und zu aktive Erinnerungen an traumatische Erlebnisse belasten psychisch. Beatrice Kuhlmann



Martin Korte
Quelle: privat

Martin Korte ist Neurobiologe und Direktor des Zoologischen Instituts der TU Braunschweig. Er forscht zu zellulären Grundlagen von Lernen und Gedächtnis. Sein neuestes populärwissenschaftliches Buch (erscheint am 20. September): „Hirngeflüster. Wie wir lernen, unser Gedächtnis effektiv zu trainieren“.

Vergessen gilt vielen als Fehlleistung des Gehirns. Dabei ist es ein wichtiger und oft unterschätzter Prozess. Ohne ihn könnten wir nicht abstrakt denken. Martin Korte


Oliver Dimbath
Quelle: privat

Oliver Dimbath leitet das Institut für Soziologie der Universität Koblenz-Landau. Er erforscht das junge Gebiet der Wissenssoziologie und publizierte unter anderem den Band „Gedächtnissoziologie“.

Vergessen ist der Normalfall - Erinnern eher die Ausnahme. Was erinnert wird, hängt maßgeblich auch von den anderen ab. Oliver Dimbath

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