© ap
Paraderolle Joker: Nicht einmal Heath Ledger selbst konnte jemals verstehen, "wer Heath Ledger auf der Leinwand ist."
Paraderolle Joker: Nicht einmal Heath Ledger selbst konnte jemals verstehen, "wer Heath Ledger auf der Leinwand ist."
Extreme Hingabe
Schauspieler Heath Ledger zum 10. Todestag
"Die Studios wollten aus ihm einen neuen Harrison Ford machen", erinnert sich der Regisseur Gregor Jordan. Sein Freund Heath Ledger aber "wollte ein Sean Penn sein". Er wollte nicht das Lasso schwingen, nicht den heiligen Gral finden. Er suchte nach extremen Rollen, erarbeitete sie mit ebenso extremen Mitteln. Am 22. Januar 2018 jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal.
Zunächst rief die Liebe den jungen Australier nach Amerika, dann behielt ihn Hollywood. Nach den ersten, eher trivialen Rollen als Frauenheld, etwa in "10 Dinge, die ich an dir hasse" von 1999 oder edler Kavalier in "Ritter aus Leidenschaft" (2001), lehnte er weitere Angebote in diese Richtung kategorisch ab. Lieber aß er Nudeln aus der Dose, als für Hollywood ein braun gebranntes Dauerlächeln aufzusetzen.

"Ich habe das Gefühl, meine Zeit zu verschwenden, wenn ich mich wiederhole", erklärte er 2007 in einem Interview mit der "New York Times". Ihn reizten auch andere Dinge. Nicht verwunderlich also, dass er auch eine Plattenfirma gründete und Musik produzierte. Doch vor allem war er ein aufsteigendes Schauspieltalent, ein nicht greifbarer Gestaltenwandler. Nicht einmal er selbst konnte jemals verstehen, "wer Heath Ledger auf der Leinwand ist, was man erwartet, wenn man mich anstellt und wodurch man mich im Gedächtnis behält", sagte er selbstkritisch in seinem letzten Interview mit der "New York Times".

Für seine Rollen häufig abgeschottet
© ap Heath Ledger lebte seine Figuren.
Heath Ledger lebte seine Figuren.
Eine der Rollen, für die man Heath Ledger wohl im Gedächtnis behalten wird, ist die des Joker in Christopher Nolans "The Dark Knight". Seine Aura, sein Spiel - nicht einmal der Regisseur konnte es benennen, hatte aber "von Anfang an das Gefühl, dass er etwas sehr Spezielles mit dieser Figur macht", wie er 2008 in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" erklärte. Ledger lebte seine Figuren, veränderte sich für jede Rolle: Für "Brokeback Mountain" legte er sich einen texanischen Einschlag zu, für "I'm Not There" hörte er von früh bis spät Bob Dylan, für "The Dark Knight" schloss er sich einen Monat in ein Hotelzimmer ein und schrieb ein Tagebuch als Joker. Sein Sohn habe sich für seine Rollen häufig abgeschottet und intensiv an seinen Rollen gearbeitet, erklärte auch Ledgers Vater einmal. Exzessive Hingabe bis zur Selbstzerstörung - war das am Ende mitverantwortlich für seinen Tod?

Auf den großen Erfolg mit dem Schwulen-Drama "Brokeback Mountain", in dem Ledger eine der Hauptrollen spielte, folgte, ja, was eigentlich? Er wirkte oft fahrig, unkonzentriert, zerzaust. 2007 trennte sich Ledger von seinen großen Liebe Michelle Williams, mit der er die Tochter Matilda hat, klagte über Schlafmangel, spuckte Reportern ins Gesicht. Schon immer verabscheute er den Rummel auf dem Roten Teppich. Eher schottete er sich ab. 2008 dann der Schock: Kurz nach Abschluss der Dreharbeiten von "The Dark Knight" wird Ledger tot in seiner Wohnung in Soho aufgefunden. Todesursache: ein tragischer Mix aus Schmerz- und Beruhigungsmitteln. Ein überraschter Entsetzensschrei ist die mediale Folge. Wer hätte gedacht, dass ein stilles Talent wie Ledger ein so rasches, einsames Ende findet? Posthum wurde er 2009 mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller für "The Dark Knight" ausgezeichnet.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr