Natascha Gangl, Bachmannpreisträgerin 2025

Kultur

"Ich kenne das dumme Publikum nicht" - Eine Talkrunde zum Bachmannpreis

Seit fast 50 Jahren stehen die "Tage der deutschsprachigen Literatur", eine Erfindung des ORF, für öffentliches Wettlesen und offenen Diskurs. Was bedeuten sie für den Literaturbetrieb?

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
01.03.2026
11:30 - 12:15 Uhr

Der Ingeborg Bachmannpreis ist einer der renommiertesten Literaturpreise des deutschen Sprachraums. Eine hochkarätige Runde aus Autorinnen, Kritikern und Beobachterinnen gibt intime Einblicke in Mechanismen und Wirkung des Preises. Moderator Peter Fässlacher fragt nach.

Brigitte Schwens-Harrant, Jurorin Tage der deutschsprachigen Literatur
Brigitte Schwens-Harrant, Jurorin Tage der deutschsprachigen Literatur
Quelle: Daniela Nickmann

"Da tritt jemand mit seinem unveröffentlichten Werk direkt vors Publikum und eine Jury und stellt sich einer Diskussion darüber, die auch noch online und im Fernsehen live übertragen wird. Das gibt es doch in keinem Kunst-Genre", fasst Jurorin Brigitte Schwens-Harrant die Faszination "Bachmannpreis" zusammen.

In Zeiten, da der Diskurs gerne schwarzweiß geführt werde, sei diese Veranstaltung eine Wahrnehmungsschule, ergänzt Autorin Natascha Gangl (Bild ganz oben), die 2025 mit ihrem Text "da Sta" gewonnen hat.

Franzobel – Bachmannpreisträger 1995
Franzobel – Bachmannpreisträger 1995
Quelle: Daniela Nickmann

Aber was bedeutet so ein Gewinn für die Kariere von Schreibenden? Autor Franzobel kann darüber Auskunft geben. Mit einem Bier in der Hand, aus dem er aus lauter Nervosität immer mal wieder einen Schluck nahm, gewann er 1995.

Danach gab es 100 Anrufe in der Woche, ein Preisgeld, mit dem er sich als "reich" empfand und eine Aufmerksamkeit, "die schon süchtig machen kann".

Barbara Kadletz, Buchhändlerin und Bachmannpreis-Fan
Barbara Kadletz, Buchhändlerin und Bachmannpreis-Fan
Quelle: Daniela Nickmann

Buchhändlerin Barbara Kadletz wundert das nicht, ein Bachmannpreis treibt das Interesse an einem noch nicht verfügbaren Text in schwindelerregende Höhen, Verlage und der gesamte Literaturbetrieb feiern. Wie hochkarätig diese Veranstaltung schon immer war, kann Kritiker Heinz Sichrovsky bestätigen.

Als junger Journalist traf er beim Bachmann-Wettbewerb Größen wie Schriftsteller Walter Jens oder Kritikerpapst Reich-Ranicki in der Jury. Einig ist sich die Runde, dass für Kunst- und Kulturkritik medial immer weniger Zeit und Raum gegeben wird und sich heute kaum noch jemand einen echten Verriss wie beim Bachmannpreis traut.

Franzobel, Barbara Kadletz, Brigitte Schwens-Harrant, Peter Fässlacher, Natascha Gangl, Heinz Sichrovsky
Franzobel, Barbara Kadletz, Brigitte Schwens-Harrant, Peter Fässlacher, Natascha Gangl, Heinz Sichrovsky
Quelle: Daniela Nickmann

Allerdings wären es früher auch kleine Runden von Männern gewesen, die in Klagenfurt, Frankfurt und in den Feuilletons Karrieren beendet oder begründet hätten, wirft Jurorin Schwens-Harrant ein. Sie würde heute nicht gerne mit diesen Männern über Literatur diskutieren. Sie sei da mehr bei den Autoren und vor der Lesung eines Textes, den sie zum Wettbewerb eingeladen habe, "mindestens genauso aufgeregt." Diese Veranstaltung habe sich verjüngt, ist diverser geworden, wird auf verschiedenen Plattformen verfolgt, bis hin zu den jungen Buchbloggerinnen, und das sei auch gut so.

In ihrer Kompromisslosigkeit hat sie an nichts verloren. Autorin Natascha Gangl befürwortet das. Manchmal sagten ihr Verlagsmenschen, sie solle auch die weniger Intelligenten bei ihren Texten berücksichtigen, Zugeständnisse machen. "Ich kenne das dumme Publikum nicht", ist ihre Antwort darauf.

2026 feiert der Bachmannpreis seine 50. Ausgabe. Die Namensgeberin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann wurde vor 100 Jahren geboren.

Regie: Beate Thalberg

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