Kultur
Un-zumutbar?! - 50 Jahre Ingeborg-Bachmann-Preis
Im Süden Österreichs fliegen seit 50 Jahren allsommerlich durchaus die Fetzen - wegen Literatur. 17 Stunden wird live auf 3sat gelesen und kritisiert, seit nunmehr 37 Jahren.
- Produktionsland und -jahr:
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- Datum:
- Sendetermin
- 28.06.2026
- 12:10 - 13:00 Uhr
Die Tage der deutschsprachigen Literatur, besser bekannt als Ingeborg-Bachmann-Preis, sind radikal und quer zum Zeitgeist. In einer Welt, die kaum mehr andere Meinungen zulässt, wird der Diskurs seit 50 Jahren beharrlich zelebriert.
Quelle: ORF/Heinz Bachmann
Zugegeben: Genau das gilt für viele als "unzumutbar", die mit Literatur im Fernsehen wenig anfangen können und den Wettbewerb lieber heute als morgen eingestellt sähen.
Und tatsächlich war angesichts knapper Kassen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr als einmal davon die Rede, das Klagenfurter Wettlesen in der Versenkung verschwinden zu lassen. Trotzdem hat es der Bachmannpreis geschafft, 50 Jahre lang als eigenwillige Nische auf der großen Bühne zu bestehen. Es stellt sich nur die Frage: wie?
Quelle: ORF
Dem geht Barbara Frank in ihrer Fernseh-Dokumentation nach. Ingeborg Bachmanns Satz "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar" steht wie ein Motto über dem Wettbewerb, in dem es um weit mehr als Rangplätze geht.
Es wird behauptet und untermauert, gestritten und argumentiert. Seltener wird nachgegeben in dem Arena-gleichen Setting im ORF-Studio Klagenfurt. Was hat dieses 50 Jahre alte Literatur- und Diskussionsformat heute noch zu sagen - in einer Welt, die von Schlagworten, Kurzatmigkeit und Quotendenken geprägt ist?
Quelle: ORF
Bemerkenswert ist, dass der Wettbewerb 1977 explizit mit einer Frau im Mittelpunkt gegründet wurde, Ingeborg Bachmann. Zu dieser Zeit war sie vor allem als Lyrikerin anerkannt.
Die vorwiegend Herren der Gruppe 47 hatten eine Weile davor abgedankt. Bachmann war wenige Jahre vor der Gründung des Wettbewerbs in Rom unter ungeklärten Umständen gestorben.
Dass es einen "Ingeborg Bachmann-Preis" gibt, ist vor allem dem Kulturjournalisten Humbert Fink zu verdanken, der den damaligen ORF-Landesintendanten von der Idee eines Prosa-Wettbewerbs überzeugen konnte.
Quelle: ORF
Dass ausgerechnet Marcel Reich-Ranicki, der sie wenige Jahre zuvor als "gefallene Dichterin" bezeichnet hatte, dem Wettbewerb den Ruf eines "Literaturgerichtshofs" verlieh, gehört zu den bemerkenswerten Wendungen dieser Geschichte. Der Film blickt nicht nur zurück, er fragt auch nach der Wirkung des Wettbewerbs: auf Sprache, Gesellschaft und das Leben der Autorinnen und Autoren.
Zu Wort kommen Preisträgerinnen und Preisträger wie Natascha Gangl, Ferdinand Schmalz und Nava Ebrahimi, der Büchner-Preisträger und erklärte Bachmann-Preis-Fan Clemens J. Setz, Literaturkritikerinnen und -kritiker wie Klaus Kastberger, Philipp Tingler, Laura de Weck und Brigitte Schwens-Harrant.
Quelle: ORF
Zeitzeugen kommen zu Wort wie der Bruder der Dichterin, Heinz Bachmann, oder Ulrike Fink, Witwe des Wettbewerbsgründers, die einen tiefen Einblick hinter die Kulissen der Entstehung des Bachmann-Preises gibt. Kritisiert wird natürlich auch, das ist der Film dem Charakter der Veranstaltung schuldig. Philosoph Franz Schuh ist ein erklärten Gegner des Bachmann-Preises und übernimmt argumentationsbegabt die Rolle des Advocatus Diaboli. Warum ihm manche Quellen allerdings eine eigene Teilnahme an den Literaturtagen zuschreiben, kann er sich auch nicht erklären.