Das Bild zeigt eine Wand des Ingeborg Bachmannparks, die aus hellem Beton besteht. Darauf ist ein stilisiertes, schwarzes Relief einer Gesichtsprofilansicht, das an Ingeborg Bachmann erinnert. Rechts neben dem Relief befindet sich ein schwarzer Tragbeutel, der mit einer grauen Zeichnung eines Gesichts und roten Texten geschmückt ist. Darunter steht die Zahl "50". Über dem Relief und der Tasche ist das Logo „ORF K“ in einem schlichten, modernen Design angebracht. Der Boden vor der Wand besteht aus kleinen, hellen Steinen und es sind einige grüne Pflanzen zu erkennen.

Kultur

Un-zumutbar?! - 50 Jahre Ingeborg-Bachmann-Preis

Im Süden Österreichs fliegen seit 50 Jahren allsommerlich durchaus die Fetzen - wegen Literatur. 17 Stunden wird live auf 3sat gelesen und kritisiert, seit nunmehr 37 Jahren.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
28.06.2026
12:10 - 13:00 Uhr

Die Tage der deutschsprachigen Literatur, besser bekannt als Ingeborg-Bachmann-Preis, sind radikal und quer zum Zeitgeist. In einer Welt, die kaum mehr andere Meinungen zulässt, wird der Diskurs seit 50 Jahren beharrlich zelebriert.

Ingeborg Bachmann in Rom
Ingeborg Bachmann in Rom
Quelle: ORF/Heinz Bachmann

Zugegeben: Genau das gilt für viele als "unzumutbar", die mit Literatur im Fernsehen wenig anfangen können und den Wettbewerb lieber heute als morgen eingestellt sähen.

Und tatsächlich war angesichts knapper Kassen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr als einmal davon die Rede, das Klagenfurter Wettlesen in der Versenkung verschwinden zu lassen. Trotzdem hat es der Bachmannpreis geschafft, 50 Jahre lang als eigenwillige Nische auf der großen Bühne zu bestehen. Es stellt sich nur die Frage: wie?

Das Bild zeigt eine Ansicht von vertikalen, gestreiften Stäben, die abwechselnd in Schwarz und Weiß gehalten sind. Auf den Stäben sind Muster zu sehen, die schemenhaft die Konturen eines Gesichts darstellen. Diese Muster wirken künstlerisch und abstrahierend. Im Hintergrund erkennt man einen leicht unscharfen, hellen Gebäudeteil, der mit Fenstern ausgestattet ist und eine grüne Wiese mit einigen Kräutern im Vordergrund, die den Boden um die Stäbe herum bedeckt. Das gesamte Bild vermittelt eine moderne und kreative Atmosphäre.
Totale Ingeborg Bachmann-Park/ORF Kärnten.
Quelle: ORF

Dem geht Barbara Frank in ihrer Fernseh-Dokumentation nach. Ingeborg Bachmanns Satz "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar" steht wie ein Motto über dem Wettbewerb, in dem es um weit mehr als Rangplätze geht.

Es wird behauptet und untermauert, gestritten und argumentiert. Seltener wird nachgegeben in dem Arena-gleichen Setting im ORF-Studio Klagenfurt. Was hat dieses 50 Jahre alte Literatur- und Diskussionsformat heute noch zu sagen - in einer Welt, die von Schlagworten, Kurzatmigkeit und Quotendenken geprägt ist?

Das Bild zeigt einen Mann, der in einem Friedhofsbereich steht. Er trägt einen Hut und hat einen gestreiften Schal um den Hals. Seine Kleidung ist dunkel und er hält ein kleines, rechteckiges Objekt in der Hand, vermutlich ein Handy.   Im Hintergrund sind viele verwitterte Grabsteine und mehrere graue, unidentifizierbare Strukturen sichtbar. Um den Mann herum befinden sich gelbgrüne Blätter und einige braune Äste, was darauf hindeutet, dass es Herbst ist. An seiner rechten Seite ist eine wenig erkennbare Statue eines Engels zu sehen, die aus Metall besteht und eine abgenutzte Oberfläche hat. Der Gesamtton des Bildes ist durch einen nebligen, grauen Himmel und eine gedämpfte Lichtstimmung geprägt, die eine melancholische Atmosphäre erzeugt.
Ferdinand Schmalz, „Ingeborg Bachmannpreis 2017“ und „Klagenfurter Redner“ 2024 am Grab von Gert Jonke am Wiener Zentralfriedhof (1. Bachmannpreisträger 1977).
Quelle: ORF

Bemerkenswert ist, dass der Wettbewerb 1977 explizit mit einer Frau im Mittelpunkt gegründet wurde, Ingeborg Bachmann. Zu dieser Zeit war sie vor allem als Lyrikerin anerkannt.

Die vorwiegend Herren der Gruppe 47 hatten eine Weile davor abgedankt. Bachmann war wenige Jahre vor der Gründung des Wettbewerbs in Rom unter ungeklärten Umständen gestorben.

Dass es einen "Ingeborg Bachmann-Preis" gibt, ist vor allem dem Kulturjournalisten Humbert Fink zu verdanken, der den damaligen ORF-Landesintendanten von der Idee eines Prosa-Wettbewerbs überzeugen konnte.

Das Bild zeigt eine Person, die auf einem abgeernteten Feld spaziert. Die Landschaft ist von sanften Hügeln und Bäumen umgeben, die im Hintergrund sichtbar sind. Der Himmel ist klar und es scheint sonnig zu sein. Die Person trägt eine lange, blaue Jacke mit einem Kapuzenpulli darunter und hat dunkle Hosen an. Ihr Haar ist lang und lockig, und sie trägt eine Sonnenbrille. Die Umgebung ist ruhig und ländlich, mit Streifen aus erhobenem Ackerboden und einigen Bäumen im Hintergrund.
Natascha Gangl, „Ingeborg Bachmannpreis 2025“ in Klöch/Steiermark.
Quelle: ORF

Dass ausgerechnet Marcel Reich-Ranicki, der sie wenige Jahre zuvor als "gefallene Dichterin" bezeichnet hatte, dem Wettbewerb den Ruf eines "Literaturgerichtshofs" verlieh, gehört zu den bemerkenswerten Wendungen dieser Geschichte. Der Film blickt nicht nur zurück, er fragt auch nach der Wirkung des Wettbewerbs: auf Sprache, Gesellschaft und das Leben der Autorinnen und Autoren.

Zu Wort kommen Preisträgerinnen und Preisträger wie Natascha Gangl, Ferdinand Schmalz und Nava Ebrahimi, der Büchner-Preisträger und erklärte Bachmann-Preis-Fan Clemens J. Setz, Literaturkritikerinnen und -kritiker wie Klaus Kastberger, Philipp Tingler, Laura de Weck und Brigitte Schwens-Harrant.

Das Bild zeigt einen älteren Mann mit Brille, der in einem Raum sitzt. Er trägt einen schwarzen Blazer über einem weißen Hemd. Der Mann hat graue, leicht zerzauste Haare und einen Bart. Er blickt direkt in die Kamera und hat die Arme vor sich verschränkt. Hinter ihm sind große Fenster mit hellen Fensterrahmen zu sehen, durch die natürliches Licht scheint. Das Licht erhellt den Raum und wirft sanfte Schatten. Im Hintergrund sind unscharf gespannte, hellgelbe Wände zu erkennen. Der Gesamteindruck des Bildes vermittelt eine nachdenkliche, ernste Atmosphäre.
Franz Schuh, Philosoph und Wettbewerbsgegner.
Quelle: ORF

Zeitzeugen kommen zu Wort wie der Bruder der Dichterin, Heinz Bachmann, oder Ulrike Fink, Witwe des Wettbewerbsgründers, die einen tiefen Einblick hinter die Kulissen der Entstehung des Bachmann-Preises gibt. Kritisiert wird natürlich auch, das ist der Film dem Charakter der Veranstaltung schuldig. Philosoph Franz Schuh ist ein erklärten Gegner des Bachmann-Preises und übernimmt argumentationsbegabt die Rolle des Advocatus Diaboli. Warum ihm manche Quellen allerdings eine eigene Teilnahme an den Literaturtagen zuschreiben, kann er sich auch nicht erklären.

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