Kultur
Ephraim Kishon (nicht nur) für Österreicher
Ephraim Kishons letztes Buch trug den Titel: "Kishon für Österreicher - und alle, die es gerne wären" - der Schlusspunkt seiner jahrzehntelangen besonderen Beziehung zu Österreich.
- Produktionsland und -jahr:
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- Datum:
- Sendetermin
- 28.11.2026
- 21:55 - 22:40 Uhr
Der Holocaustüberlebende, gebürtige Ungar und spätere Israeli feierte ausgerechnet im deutschen Sprachraum seine größten Erfolge. Nicht zuletzt aufgrund der Übersetzungen des Wiener Schriftstellers Friedrich Torberg, der seinen Büchern einen unverwechselbaren Ton gab.
Millionenfach verkauft
Quelle: POPUP TV
Ephraim Kishon war einer der erfolgreichsten Autoren seiner Zeit. Seine Bücher wurden millionenfach gelesen, seine Theaterstücke auf Bühnen in aller Welt gespielt, seine Filme, für die er Drehbuch schrieb und Regie führte, wurden internationale Erfolge.
Vor allem im deutschsprachigen Raum entwickelte sich eine außergewöhnliche Beziehung zwischen Kishon und seinem Publikum: Von rund 43 Millionen weltweit verkauften Büchern entfielen mehr als 30 Millionen auf deutschsprachige Ausgaben. Doch wie wurde ausgerechnet ein Holocaustüberlebender in den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren zu einem der beliebtesten Autoren in Deutschland und Österreich?
Vielleicht, weil Kishon von Menschen erzählte, die seinem Publikum erstaunlich vertraut waren. Seine Figuren kämpfen mit Bürokraten und Behörden, mit Waschmaschinen, Kindern, Ehepartnern und den kleinen Katastrophen des Alltags.
Vertraute Lebenswelten - mit Humor erzählt
Quelle: POPUP TV
Israel erscheint bei ihm nicht als abstrakter politischer Schauplatz, sondern als Lebenswelt ganz normaler Menschen - mit all ihren Schwächen, Absurditäten und liebenswerten Eigenheiten. Über dieses Israel konnte und durfte man lachen. Gerade im komplizierten Verhältnis zwischen Israel, Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg bekam dieser Humor eine besondere Bedeutung. Kishons Geschichten ermöglichten eine Form der Annäherung, die ohne Pathos auskam.
Seine Satiren waren leicht, pointiert und selten bösartig - und gerade darin lag ihre Kraft. Eine zentrale Rolle für Kishons Erfolg im deutschen Sprachraum spielte der Wiener Schriftsteller Friedrich Torberg. Er übertrug Kishons Texte nicht einfach nur ins Deutsche, sondern gab ihnen einen unverwechselbaren Ton. Torberg selbst war überzeugt, den "israelischen Humor" Kishons in einen "jüdischen Humor" übertragen zu haben, der insbesondere in Österreich und Deutschland verstanden wurde.
Besondere Beziehung zu Friedrich Torberg - und zu Österreich
Aus der Zusammenarbeit entstand eine außergewöhnliche literarische Beziehung - und eine Freundschaft, in der nach gemeinsamen Lesungen ebenso leidenschaftlich über Literatur wie über den Sinn und Unsinn der Welt diskutiert wurde.
Als Ephraim Kishon am 29. Jänner 2005 in seinem Haus im schweizerischen Appenzell starb, arbeitete er noch mit großer Begeisterung an einem Buch, dessen Titel diese besondere Beziehung auf den Punkt brachte: "Kishon für Österreicher - und alle, die es gerne wären".
Genau hier setzt die Dokumentation von Gabriele Flossmann an. Sie erzählt Leben, Werk und Wirkung Ephraim Kishons bewusst auch aus österreichischer Perspektive - und geht zugleich der Frage nach, warum sein Humor bis heute funktioniert. Ein Film über einen großen Satiriker, einen europäischen Lebensweg und die besondere Beziehung zwischen Ephraim Kishon und Österreich - und über die Frage, warum wir mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod noch immer über dieselben menschlichen Schwächen lachen können.