"ZDF.reportage: Azubi-Krise -  Handwerker schlagen Alarm": Ausbilder Markus Mittelsdorf und sein Lehrling Carlos stehen in einem Werkraum vor der CNC-Fräse.

Gesellschaft

Azubi-Krise

Drei von zehn Lehrlingen brechen ihre Ausbildung ab – ein neuer Höchststand. Die Azubi-Krise trifft vor allem das Handwerk, denn viele Betriebe kämpfen gleichzeitig verzweifelt um Nachwuchs.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Sendetermin
10.08.2026
11:45 - 12:20 Uhr

Warum kriselt es so stark zwischen Handwerksbetrieben und Auszubildenden? Steckt ein Generationenkonflikt hinter den Azubi-Krise? Die "ZDF.reportage" begleitet junge Menschen von der Schule ins Arbeitsleben und zeigt, wo Erwartungen und Realität auseinandergehen.

"Ich will endlich mal wieder eine Azubi-Erfolgsgeschichte", sagt Patrick Spohner (36), Inhaber einer Schlosserei in Frankfurt am Main. Mit dem Nachwuchs läuft es nicht immer gut. Ein Azubi hat kürzlich abgebrochen, und der neue Lehrling ist oft zu spät gekommen, hatte immer wieder Fehlzeiten. Mittlerweile klappt es etwas besser. Inhaber Patrick Spohner ist der Meinung, dass frühere Generationen "sich so etwas früher nicht erlaubt hätten – man ist halt einfach zur Arbeit gegangen". Dennoch muss Spohner seinen Lehrling unbedingt halten, denn neue Azubis findet er derzeit kaum. Es herrscht Fachkräftemangel.

Bernd Clemens (54) ist Ausbildungsberater der IHK Schweinfurt. Er wird gerufen, wenn Konflikte eskalieren. Zwei- bis dreimal pro Woche besucht er Betriebe, vermittelt zwischen Ausbildern und Lehrlingen – mit stetig wachsender Fallzahl. Viele Azubis brechen ab, sobald es schwierig wird. Pauschale Vorwürfe gegen die Jugend hält Clemens jedoch für falsch: "Die können sich quasi aussuchen, in welchen Betrieb sie gehen und sagen sich dann bei den ersten Schwierigkeiten: Warum soll ich mir das antun?"

Gerne erzählt er von seiner eigenen Ausbildung: "Das war vor 35 Jahren. Ich musste die ersten Monate nur feilen, bis mir die Hände bluteten". Heute weiß er: Genau diese Grundlagen machen ihn sicher im Beruf. "Aber ich hätte mir da auch gewünscht, man hätte mir den Sinn dieser Aufgabe besser erklärt."

Einer seiner Fälle ist Carlos, Lehrling bei Retrofit Plastic im unterfränkischen Oberstreu. Anfangs war der Betrieb froh über Nachwuchs, doch nach wiederholter Unpünktlichkeit folgten zwei Abmahnungen. Seit Clemens vermittelt, läuft es etwas besser – pünktlicher ist Carlos geworden, auch wenn Fehlzeiten bleiben. Alternativen hat der kleine Betrieb kaum.

Der Generationenkonflikt zeigt sich auch bei Ecem (17) aus Bedburg bei Köln. "Ich habe mich zu Tode gelangweilt, wurde respektlos behandelt, und wurde eigentlich gar nicht ausgebildet. Stattdessen sollte ich die Klos putzen", sagt sie. Nach einem Jahr kündigt sie. Jetzt macht sie Fachabitur, den Führerschein und sucht eine neue Lehrstelle – auf Drängen ihrer Mutter, die mahnt: "Du findest sonst später keinen Job!"

Nico (21) und Nikita (23) aus Landsberg in Sachsen-Anhalt dagegen haben ihren Platz gefunden. Bei der Gerüstbauerfirma Prinzing ist die Arbeit hart und der Ton rau. "Ich habe ADHS und brauche die Bewegung und die Herausforderung", sagt Nikita. Für beide passt der Job – und ihr Chef hofft, dass sie bleiben. Denn zwei Jahre lang brachen Azubis ab oder wechselten den Beruf. "Es wollen sich immer weniger junge Menschen die Hände schmutzig machen, alle wollen Youtuber werden, aber so läuft es nicht."

Die "ZDF.reportage" beleuchtet die aktuelle Azubi-Krise und zeigt, wie Ausbildungsabbrüche im Handwerk langfristig verhindert werden können.

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