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Gesellschaft

Precht: Verändert Corona unsere Gesellschaft? Richard David Precht im Gespräch mit Andreas Reckwitz,

Nach Corona wird alles anders sein als vorher – diese Annahme hört man derzeit oft. Doch stimmt sie? Was genau verändert sich, wenn die Pandemie überwunden sein wird?

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2020
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 31.05.2025
Ton
UT

Wie Corona die Gesellschaft, die Wirtschaft und das Verhalten der Menschen in Zukunft beeinflussen wird, darüber spricht Richard David Precht mit dem Soziologen Prof. Dr. Andreas Reckwitz, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Nichts wird mehr so sein wie vor Corona, meinen viele – und manche fürchten es. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen sind derzeit noch nicht absehbar. Eine besondere Herausforderung müsse das Risikomanagement der Regierungen bestehen, meint Andreas Reckwitz, der von Politikern und Politikerinnen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gelesen wird. Beim Abwägen zwischen allgemeinem Gesundheitsschutz und dem Grundrecht des Einzelnen auf freie Entfaltung stehe man immer vor einem schwer lösbaren Dilemma. Und wie groß wird der Einfluss der Wissenschaft auf die Politik in Zukunft sein, fragt Reckwitz.

Der Fortschrittsglaube, der unser System bisher immer höher und immer weiter tragen sollte, stoße durch die Corona-Krise endgültig an seine Grenzen, sagt Richard David Precht. Das Vertrauen und die Zuversicht in stetiges Wachstum, Globalisierung und eine deregulierte Wirtschaft schwinde. Ein Kontrollverlust der Systeme werde spürbar und verunsichere vor allem die hoch entwickelten Gesellschaften. Zudem werfe die Corona-Krise den Menschen auch auf seine biologische Existenz zurück. Wir sind zerbrechlich und merken jetzt wieder, dass wir doch mehr mit den Tieren verwandt sind als mit unseren Smartphones, kommentiert Precht.

Möglicherweise, so Andreas Reckwitz, wird sich unser Fortschrittsbegriff durch die aktuellen Ereignisse ja auch verändern, hin zu einem Fortschritt des Weniger, der Nachhaltigkeit und der Besinnung auf das Wesentliche. Zugleich müsse man aber auch an die sozialen und wirtschaftlichen Verheerungen der Pandemie denken. Reckwitz prognostiziert, dass dem Staat in Zukunft wieder mehr regulierende Verantwortung zufallen wird.

Wird Corona am Ende lehren, fragt Precht, wieder mehr als Gesellschaft zu fühlen und weniger als egoistisches Individuum? Wird es vor allem der Politik gelingen, notwendige Kurskorrekturen rechtzeitig in Angriff zu nehmen? Precht und sein Gast Andreas Reckwitz konstatieren, dass durch diese biologische Katastrophe nun endgültig begreifbar sei, dass nun auch der Klimakrise mit dem dringend erforderlichen Ernst begegnet werden müsse. Oder schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung aus, und die Gesellschaft wird eine Zeit der Abschottung, Selbstbezogenheit und eines grassierenden Populismus erleben?

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