Gesellschaft
Verlorene Heilkraft - Europas fatale Penicillin-Abhängigkeit
Penicillin ist auch 100 Jahre nach seiner Entdeckung das wichtigste Antibiotikum der modernen Medizin und wird bei Operationen sowie Krebs- und Infektionsbehandlungen eingesetzt.
- Produktionsland und -jahr:
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- Datum:
- Sendetermin
- 14.10.2026
- 20:15 - 21:00 Uhr
Das medizinische Wundermittel ist eine genuin europäische Erfindung und Entwicklung, droht nun aber durch die Globalisierung der "Alten Welt" verloren zu gehen. Ohne asiatische Lieferungen könnte ein großer Teil der modernen Heilkunst in Europa unmöglich werden.
Die Entdeckung des Penicillins und die daraus resultierende Entwicklung der Antibiotika war abgesehen von hygienischen Maßnahmen und Impfungen wohl die größte medizinische Revolution überhaupt. Ohne Antibiotika keine modernen Operationen, keine aufwändige Krebsbehandlung, ohne Antibiotika viel mehr Spitalsaufenthalte und Todesfälle. Die erfolgreiche Bekämpfung von Keimen hat weite Teile der klinischen Medizin erst möglich gemacht und Antibiotika - immer noch speziell Penicilline - sind eine der wichtigsten Säulen des Gesundheitswesens überhaupt.
Im Bild oben die Entdeckung des oral verfügbaren Penicillins durch Ernst Margreiter und Hans Brandl, zwei Tiroler Forscher.
Resistenzen werden mehr
Quelle: Christian Kugler Filmproduktion
Aber wie lange werden die europäischen Entdecker diese Superkraft noch zur Verfügung haben? Resistenzen könnten diese medizinische Waffe stumpf oder sogar wirkungslos machen. Der leichtfertige Einsatz in der Humanmedizin und in der Tiermast führen dazu, dass immer mehr Keime unempfindlich werden gegen die vorhandenen Antibiotika.
Neue Entwicklungen aus der Pharmazie können hier gegensteuern und gerade Penicillin ist trotz seines "Alters" relativ unempfindlich gegen Resistenzbildungen. Eine andere Bedrohung ist wohl viel größer: Europa, der Kontinent, auf dem das Penicillin entdeckt wurde und der lange die Forschung im Bereich der Antibiotika dominiert hat, ist (wie in vielen anderen Bereichen) vom innovativen Produktionsstandort zum bloßen Konsumparadies verkommen.
Nur noch eine Produktionsstätte für Penicillin in Europa
Quelle: Christian Kugler Filmproduktion
Beim Verbrauch pro Kopf liegen viele europäische Länder auf Spitzenplätzen und dennoch gibt es nur eine einzige verbliebene Produktionsstätte in Europa, die Penicillin herstellen kann, ohne auf asiatische Lieferketten zumindest bei den unabdingbar nötigen Rohstoffen angewiesen zu sein.
Die letzte Produktionsstätte auf dem Kontinent im kleinen Tiroler Ort Kundl wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg als erste Penicillinfabrik des Kontinents errichtet. Heute stellen die globalen Entwicklungen auf dem Pharmamarkt und vor allem der Aufstieg Chinas die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens in Frage. Es brauchte bereits einen Schulterschluss mit der Politik, um den Standort zu erhalten.
Für die Entdeckung des Penicillins 1928 wurde der schottische Arzt Alexander Fleming mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor Fleming publizierte der Wiener Chirurg Theodor Billroth zur "keimtötenden Wirkung des Pilzes Penicillium", seine Forschungen gerieten aber in Vergessenheit. Der erste Mensch wurde 1941 damit behandelt. Ein Polizist in England, ein Europäer, also. Und jetzt? Verliert der Kontinent die Kontrolle über eine der schärfsten medizinischen Waffen überhaupt? Christian Kugler vereint in seinem Film die spannende Historie, hochrelevante Gegenwart und eine höchst unsichere Zukunft für die moderne europäische Medizin.