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Baum steht im leeren Innenhof eines Bauernhofs

Gesellschaft

Höfesterben: "Es liegt an der Politik"

Der normale, kleine Bauer ist eine aussterbende Spezies. Ob diese Entwicklung noch aufzuhalten ist, darübr sprach das Wirtschaftsmagazin makro mit dem Agrarökonom Sebastian Rahbauer.

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Das Höfesterben nimmt immer weiter zu. Gab es 1970 noch über eine Million Betriebe, ist es heute nur noch ein Viertel. Nur mehr große landwirtschaftliche Betriebe erzielten Gewinne, sagt der Agrarökonom und Landwirt Sebastian Rahbauer. Folglich steigt die Dominanz großer Agrarkonzerne: Je weniger Höfe es gibt, desto größer werden jene, die übrig bleiben.

Besonders die europäische Subventionspolitik macht vielen Landwirten das Leben schwer. Ein Großteil der Summe wird auf die Flächen verteilt. So bekommen Kleine wenig und Große viel Unterstützung. Außerdem, so Rahbauer, hingen die Perspektiven in der Landwirtschaft entscheidend von den Verbrauchern ab.

Zur Person

  • Portraitaufnahme von Sebastian Rahbauer

    Agrarökonom und Landwirt

makro: Wie muss man sich heute als Landwirt aufstellen? Was muten wir den Landwirten zu?

Sebastian Rahbauer: Deutsche Landwirte stehen in Konkurrenz zum Weltmarkt. Doch die Produktionskosten für landwirtschaftliche Produkte sind in Deutschland überdurchschnittlich hoch. Zudem verursachen steigende gesetzliche und gesellschaftliche Anforderungen Kosten für die Landwirte.

Die Folge sind sinkende Gewinnmargen für landwirtschaftliche Produkte. Dadurch werden kleinere Höfe unrentabel und zur Aufgabe gezwungen. Die übrigen Landwirte müssen ihre Betriebe permanent vergrößern um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Einkommen zu sichern.

makro: Welche Folgen hat diese Situation für die Verbraucher?

Sebastian Rahbauer: Nur mehr große landwirtschaftliche Betriebe mit intensiver Ackerwirtschaft und Tierhaltung können nachhaltig Gewinne erzielen. Jedoch entsprechen solche Strukturen oft nicht den gesellschaftlichen Erwartungen der Verbraucher.

Damit Landwirte hohe Erwartungen an Biodiversität, Tier- und Umweltschutz erfüllen können, müssen die Verbraucher höhere Preise für Lebensmittel bezahlen. Andernfalls wird mit der Intensivierung der Landwirtschaft auch die Auswahl an heimischen Lebensmitteln im Supermarkt sinken, weil die Produktion weniger rentabler Agrarprodukte ins Ausland verlagert wird.

makro: Sie sind selbst Landwirt. Was hat Sie dazu bewogen, in solchen Zeiten diesen Weg einzuschlagen?

Sebastian Rahbauer: Ja, ich bin selbst Landwirt und führe zusammen mit meinem Vater einen Betrieb in der Nähe von Landshut. Ich bin auf dem Betrieb aufgewachsen und habe sehr früh die Entscheidung getroffen den Betrieb weiterzuführen. Trotz der schwierigen Situation in der Landwirtschaft gibt es für mich keinen schöneren Beruf. Die abwechslungsreiche Arbeit mit Tieren in der Natur lässt mich über einige Schattenseiten hinwegsehen.

makro: Welche Perspektiven sehen Sie in der Landwirtschaft? Wie sieht die Zukunft in der Landwirtschaft aus?

Sebastian Rahbauer: Die Perspektiven in der Landwirtschaft hängen sehr stark von den Verbrauchern ab. Ich halte es für eine positive Entwicklung, dass sich viele Verbraucher kürzlich stärker mit der Herkunft und Produktion ihrer Lebensmittel auseinandersetzen. Die zukünftige Entwicklung der deutschen Landwirtschaft hängt nun davon ab, ob diese Menschen auch bereit sind für Qualität und Regionalität mehr Geld zu bezahlen. Wenn ja, muss sichergestellt werden, dass dieser Mehrpreis auch bei den Landwirten ankommt.

makro: Haben kleine und mittlere Höfe noch eine Chance auf dem Markt?

Sebastian Rahbauer: Es liegt an der Politik, das Fortbestehen kleinerer Betriebe auf dem Markt zu ermöglichen. Dazu müssen Maßnahmen ergriffen werden, von denen kleinere Betriebe profitieren. Denkbar wäre eine Umverteilung der Agrarsubventionen zugunsten kleiner Betriebe.

Ansonsten haben kleinere Betriebe nur dann eine Chance auf dem Markt, wenn es Ihnen gelingt, sich von den größeren Betrieben abzuheben. Über die Qualität ist das jedoch auch nur möglich, wenn dadurch ein Mehrpreis erzielt werden kann.

Das Interview führte Susanne Becker.

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