"Mir platzt der Kopf - Leben mit Migräne": Birte greift sich mit beiden Händen an die Stirn.

Gesellschaft

37°: Mir platzt der Kopf

Birte möchte Ärztin werden, doch die Migräne hindert sie am Lernen. Robert fürchtet, die Migräne könnte ein Karrierekiller sein, und verheimlicht sie. Melanie musste ihr Leben umkrempeln.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2023
Datum:
Sendetermin
07.02.2023
00:00 - 00:30 Uhr

Von außen ist Migränikern nichts anzusehen, doch die Erkrankung kann das Leben zur Hölle machen. Heftige Attacken mit unerträglichen Kopfschmerzen, Wahrnehmungsstörungen und starker Übelkeit können sie tagelang außer Gefecht setzen.

Migräne zählt laut Weltgesundheitsorganisation zu den Krankheiten, die die Lebensqualität am stärksten einschränken. Rund neun Millionen Deutsche leiden unter dieser neurologischen Erkrankung. Doch das Schlimmste ist oft nicht die Erkrankung selbst, es sind die gesellschaftlichen Vorurteile, das Unwissen, die Ignoranz.

Birte (33) aus Berlin will sich durch die Migräne nicht davon abhalten lassen, ihren Traum zu verwirklichen: Sie will Ärztin werden. Weil sie schon in der Schule mit ihrer Migräne auf Unverständnis stieß und entsprechend schlechte Noten hatte, hat sie zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und studiert jetzt Medizin – neben Arbeit und Familie. Wenn sie Migräne hat, kann sie sich kaum konzentrieren. Das bedeutet: Die Anwesenheitspflicht an der Uni ist für sie doppelter Stress. Den Stoff muss sie dann oft abends nachholen.

Was sie neben ihren gesundheitlichen Problemen aber am meisten belastet, ist das Unverständnis, auf das sie sogar unter Medizinern stößt. Laut einer Umfrage der Deutschen Kopfschmerzgesellschaft geben 60 Prozent der Hausärzte an, nicht genügend über Migräne zu wissen. Selbst unter Neurologen ist das Unwissen verbreitet. Weil sie sich zu oft "blöde Tipps" anhören musste, redet Birte nur selten von ihrer unsichtbaren Erkrankung und versucht, sich mithilfe von Medikamenten durchzuschlagen.

Robert (28) aus Berlin heißt in Wirklichkeit anders. Er will unerkannt bleiben. Denn er fürchtet, dass es ihm seine Karriere verbauen würde, wenn seine Chefs erfahren, wie schlimm seine Migräne in Wirklichkeit ist. Derzeit ist er im Probehalbjahr für ein renommiertes internationales Wirtschaftsprüfungsunternehmen tätig. Während er sich vier Tage im Monat offiziell krankmelden muss, schleppt er sich weitere sieben bis zehn Tage trotz Migräne durch den Arbeitsalltag. Dann beeinträchtigen ihn nicht nur die Schmerzen.

Während einer Attacke ist die Reizweiterleitung fehlgesteuert, und er kann kaum denken. Weil er Angst hat, in einer Gesellschaft, die rund um die Uhr Einsatzfähigkeit verlangt, als nicht leistungsfähig zu gelten, versucht er, die wahren Ausmaße der Migräne für sich zu behalten. Doch wie lange wird das gut gehen?

Melanie (50) aus München hat seit Februar 2019 chronische Migräne. Früher hat sie als Teamleiterin in der Geschäftsentwicklung eines großen weltweit agierenden Elektronikkonzerns Karriere gemacht. Jetzt ist sie in Frührente und muss lernen, ihre schwere Erkrankung zu akzeptieren. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die angeboren ist. Die genaue Ursache kennt man zwar immer noch nicht, aber man weiß, dass diese, anders als lange angenommen, weder psychosomatisch noch psychisch ist.

Die Attacken werden durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Trigger ausgelöst, wie zu wenig oder auch zu viel Essen, Trinken, Schlaf oder Stress, durch Alkohol sowie durch Hormon- oder Wetterschwankungen. Heilen wird Melanies Erkrankung wahrscheinlich nicht mehr, aber die 50-Jährige versucht, sie durch Medikamente oder angepasstes Verhalten besser in den Griff zu bekommen.

"37°" geht der Frage nach, wie ein gutes Leben mit Migräne angesichts der gesundheitlichen Beeinträchtigung und des gesellschaftlichen Stigmas gelingen kann.

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