Film

Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen

Von der Fülle des Lebens: Vier junge Mütter reflektieren ihren Lebensweg und ihre Entscheidung, sehr früh ein Kind bekommen zu haben.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2025
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 17.01.2027
FSK
FSK 12
von 20 bis 6 Uhr
Ton
AD

Jetzt ist ihr Nachwuchs so alt wie sie, als sie ihre Kinder zur Welt brachten. Zeit, zurückzublicken - und nach vorn. In dem Dokumentarfilm "Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen" erzählen die jungen Mütter ihre Geschichten: Wie es war, früh Verantwortung zu tragen.

Fabienne, Lisa, Laura und Steffi sind 2008 sehr jung Mutter geworden. Mit 14 Jahren wurden sie ungewollt schwanger und haben sich entgegen aller Ratschläge für das Kind entschieden. Keine leichte Entscheidung damals. Nun sind sie 28, fest verankert im Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Sie erzählen von ihren harten Kämpfen, von bitteren Trennungen, neuen Lieben, aber auch von schmerzhaften Verlusten, der Freude über Geschwisterkinder und ihrer beruflichen Entwicklung. Es sind ganz "normale" junge Frauen - und gleichzeitig außergewöhnlich in ihrer Offenheit und Authentizität.

Auch die Kinder, die die Kamera schon im Bauch ihrer Mütter begleitet hatte und die nun 14 Jahre alt sind, kommen im Film zu Wort. Die Protagonistinnen der Langzeitdokumentation reflektieren darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau und Mutter zu sein. Während "Teeniemütter" in den Medien oftmals problematisiert werden, zeigt der Film die Stärke dieser Frauen und ihre positive Einstellung zum Muttersein.

Die Langzeitdokumentation von Cornelia Grünberg ist ein berührendes Porträt der Frauen und ihrer Familien, das durch die Offenheit seiner Protagonistinnen und Protagonisten besticht - vor allem aber durch die große Nähe, die die Regisseurin zu ihnen herzustellen vermag.

Teil einer Trilogie

2012 stellte Cornelia Grünberg ihren Dokumentarfilm "Vierzehn - Erwachsen in neun Monaten" über vier Mädchen, die mit 14 Jahren ungewollt schwanger geworden waren und trotz aller Schwierigkeiten ihre Kinder zur Welt brachten, auf der Berlinale vor. 2014 folgte der Film "Achtzehn - Wagnis Leben", in der die nun volljährigen Mütter das Sorgerecht erhielten und damit die volle Verantwortung für ihre Sprösslinge. Mit "Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen" hat Cornelia Grünberg 2025 den dritten Teil der Trilogie in die Kinos gebracht.

Cornelia Grünberg studierte Regie- und Drehbuch an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (dffb). 1994 schloss sie ihr Studium als Regisseurin und Autorin ab. Seitdem ist sie als freie Autorin und Regisseurin für das Kino und das Fernsehen tätig. 1999 war sie mit "Zwei in einem Boot" Gast der Berlinale. Von 2001 bis 2014 war Cornelia Grünberg freie Dozentin für Camera Acting und Filmgeschichte an der Filmschauspielschule Berlin. 2012 war sie mit "Vierzehn - Erwachsen in neun Monaten" ebenfalls Gast der Berlinale.

Interview mit Filmemacherin Cornelia Grünberg

Filmemacherin Cornelia Grünberg
Filmemacherin Cornelia Grünberg

Ihr erster Film "Vierzehn - Erwachsen in neun Monaten" mit den vier Protagonistinnen ist nun schon einige Jahre her. Was war Ihre damalige Motivation, einen Film über sogenannte Teenie-Mütter zu machen, und wie sind Sie auf die vier Protagonistinnen gekommen?

Die Idee zu dem Film entstand ursprünglich durch den Roman "Rückwärts ist kein Weg - Schwanger mit 14" von Jana Frey, der 2005 erschienen ist. Darin wird die Geschichte der 14-jährigen Lilli erzählt, die sich verliebt, erste sexuelle Erfahrungen macht, schwanger wird und plötzlich eine existenzielle Entscheidung treffen muss.

Und genau dieser Moment hat mich besonders berührt: Eine junge Frau wird ungeplant schwanger und muss eine tiefgreifende Entscheidung über ihr eigenes Leben und das Leben eines ungeborenen Kindes treffen. Zwischen ihren Ängsten, Wünschen und Zukunftsvorstellungen und der Verantwortung für ein neues Leben abwägen zu müssen, hat mich zutiefst bewegt. Dass Lilli erst 14 Jahre alt ist, keinerlei Lebenserfahrung hat und nicht ahnen kann, was auf sie zukommt, verstärkt die Dimension des Momentes ihrer Entscheidung in der fiktionalen Geschichte "Rückwärts ist kein Weg" dramatisch.

2008 ergab sich dann die Möglichkeit, mich diesem Thema dokumentarisch zu nähern. Das war eine neue und spannende Herausforderung: Als Spielfilmregisseurin musste ich mich auf eine Arbeitsweise einlassen, bei der ich nicht wusste, was passieren würde und wie sich eine Geschichte entwickeln könnte.

Von Anfang an war mir deshalb wichtig, keinen Film über sogenannte Teenie-Mütter zu machen, sondern jungen Frauen selbst Raum zu geben, ihre Erfahrungen und ihre Entscheidungen zu erzählen. Ich wandte mich an Organisationen, die bundesweit Schwangerschaftskonfliktberatung anbieten, und bat sie, den Kontakt zu sehr jungen Frauen herzustellen, die dort Beratung suchten.

Ein klassisches Casting hat es also nicht gegeben. Die vier Mädchen, die später zu den Protagonistinnen von "Vierzehn - Erwachsen in neun Monaten" und schließlich der Trilogie "14-18-28" wurden, waren diejenigen, die bereit waren, sich auf eine solche dokumentarische Begleitung ihres Lebens einzulassen.

Erst im Laufe der Arbeit an "Vierzehn" entstand die Idee, die jungen Frauen, ihre Kinder und ihre Lebenswege über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Daraus entwickelte ich die Trilogie "14-18-28".

Nach dem Film haben Sie Kontakt gehalten und dann den Film "Achtzehn - Wagnis Leben" gedreht. Welche Entwicklungen haben Sie am meisten bewegt oder beeindruckt?

Das Konzept für "Achtzehn - Wagnis Leben" und "Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen", die Protagonistinnen so lange zu begleiten bis ihre Kinder so alt sind, wie sie selbst bei deren Geburt waren, hatte ich bereits vor der Welturaufführung von "Vierzehn - Erwachsen in neun Monaten" auf der Berlinale 2012 entwickelt. Die Dreharbeiten zu "Achtzehn" begannen 2011, ein Jahr nach dem Abschluss der Dreharbeiten von "Vierzehn".

Obwohl wir die ganze Zeit über Kontakt gehalten hatten, hat mich bei den Dreharbeiten zu "Achtzehn" vor allem berührt, wie stark sich die jungen Frauen in dieser relativ kurzen Zeit verändert hatten. Mit 15 lebten sie bereits in einer völlig anderen Welt als ihre Altersgenossinnen. Oft hatte ich das Gefühl, mit viel älteren Frauen zu sprechen: Sie waren sehr reflektiert und verantwortungsbewusst und hatten Erfahrungen gemacht, die sie sehr früh erwachsen werden ließen.

Fabienne kämpfte monatelang um das Überleben ihres Sohnes. Laura musste sich gegen eine Schwiegermutter behaupten, die ihr die Tochter wegnehmen wollte, und gleichzeitig Mutter sein und ihr Abitur machen. Steffanie verlor ihren Sohn an ihre Mutter und musste sich als Minderjährige ein eigenes Leben aufbauen, bevor sie ihn mit 18 Jahren zu sich holen konnte. Und Lisa sah sich nach dem Umzug ihrer Familie nach Hawaii mit einem völlig neuen, für sie sehr schwierigen und gewaltvollen Umfeld konfrontiert.

Was mich am meisten bewegt hat, war zu erleben, wie diese Erfahrungen den Blick der jungen Frauen auf sich selbst und auf das Leben verändert hatten. Sie waren durch ihre Lebensumstände gezwungen, sehr früh Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig waren sie natürlich immer noch junge Frauen, die ihren eigenen Weg erst finden mussten.

Gerade diese Gleichzeitigkeit hat mich beeindruckt: Sie waren Mütter, mussten Entscheidungen von großer Tragweite treffen und sich gegen widrige Umstände behaupten, während sie selbst noch dabei waren, erwachsen zu werden.

Erschüttert hat mich auch, wie wenig gesellschaftliche Unterstützung und Wertschätzung sie für das bekamen, was sie in so jungen Jahren leisteten. In ihrer Mutterrolle wurden sie oft nicht ernst genommen. Ärzte, Anwälte und Beamte sprachen häufig über ihre Köpfe hinweg. Das mitzuerleben, war schmerzlich.

Der zeitliche Abstand zu Ihrem neuen Film "Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen" ist dann etwas länger geworden. Was waren für Sie die größten Herausforderungen und Überraschungen während der Zeit des Kontakthaltens?

Den Kontakt zu den Frauen zu halten, war für mich eigentlich keine Herausforderung. Ich habe sie ein- bis zweimal im Jahr besucht, Interviews geführt und fotografiert. Manchmal haben wir auch einfach zusammen gekocht oder sind spazieren gegangen. Wann immer es sich ergeben hat, haben wir gemeinsam Kinoveranstaltungen mit den ersten beiden Teilen der Trilogie und anschließenden Filmgesprächen organisiert, überwiegend für ein junges Publikum im Rahmen der SchulKinoWochen von "Vision Kino".

Überrascht hat mich vielmehr, dass die Herausforderungen, mit denen die Frauen bereits in den ersten Jahren konfrontiert waren, nicht weniger wurden. Sie konnten nicht irgendwann durchatmen und ein ruhigeres, unbeschwerteres Leben beginnen. Das gesellschaftliche Stigma, das minderjährigen Müttern anhaftet, blieb bestehen.

Fabienne hat mit Bravour eine Berufsausbildung abgeschlossen und trotzdem keine Arbeit gefunden, in der sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren konnte. Laura hat als einzige Frau ihres Jahrgangs das Studium zur Bauingenieurin erfolgreich abgeschlossen und wurde anschließend an ihrem Arbeitsplatz diskriminiert. Steffanie musste den Tod ihres zweiten Kindes verkraften und gleichzeitig um die Einschulung ihres Sohnes kämpfen. Lisa machte wiederholt Gewalterfahrungen und geriet mit 21 Jahren in eine existenzielle Krise. Trotzdem fand sie die Kraft weiterzumachen, auch für ihre Kinder.

Das Überraschendste für mich war deshalb letztlich etwas anderes: Sie haben nie aufgegeben! Sie haben immer weitergemacht, sich selbst und ihre Kinder beschützt und tun das bis zum heutigen Tag.

Diese Beharrlichkeit und dieser Lebenswille haben mich über die vielen Jahre hinweg immer wieder beeindruckt. Sie haben mich auch darin bestärkt, das Projekt mit "Achtundzwanzig" zu vollenden.

"Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen" kam im Oktober 2025 in die Kinos. Seitdem reisen Sie mit Ihrem Film und sind bei vielen Screenings persönlich vor Ort. Welche Erfahrungen machen Sie bei diesen Vorführungen und Gesprächen mit dem Publikum?

Nach dem Kinostart habe ich begonnen, gemeinsam mit den Organisationen und Institutionen, die das Projekt von Anfang an unterstützt haben, Sondervorführungen mit anschließendem Filmgespräch zu organisieren. Das mache ich bis heute.

Die Erfahrungen bei diesen Vorführungen sind für mich eine große Überraschung und zugleich eine enorme Bestätigung. Das Publikum reagiert ausgesprochen positiv, emotional und wertschätzend auf den Film. Besonders viele ältere Menschen, vor allem Frauen, erzählen mir, dass sie sich durch "Achtundzwanzig" in ihrer eigenen Lebensleistung gesehen und gewürdigt fühlen. Ich erlebe immer wieder, wie sehr die Stärke und Kraft, die die Protagonistinnen im Laufe ihres Lebens entwickelt haben, auch das Publikum berührt.

Manche Zuschauer beschreiben den Film sogar als "heilsam". Andere sagen, sie wünschen sich, dass möglichst viele Menschen "Achtundzwanzig" sehen, weil der Film aus ihrer Sicht etwas zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen kann. Natürlich sind das individuelle Reaktionen. Aber wenn sich solche Rückmeldungen wiederholen, zeigt mir das, dass der Film Menschen erreicht, zum Nachdenken anregt und Gespräche auslöst.

Auch die Reaktionen jüngerer Zuschauer finde ich interessant. Viele erzählen mir, dass sie die Protagonistinnen dafür bewundern, wie sie mit den Herausforderungen ihres Lebens umgegangen sind, auch dann, wenn diese sehr schwer waren. Die Frauen und ihre Kinder werden von vielen als Vorbilder dafür wahrgenommen, wie man auch unter schwierigen Umständen seinen eigenen Weg gehen kann.

Was mich außerdem immer wieder freut: Die Zuschauer lachen und weinen, fühlen sich gut unterhalten und sagen mir häufig, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt belehrt fühlen. Viele sind überrascht, wie schnell die zwei Stunden vergangen sind.

Für mich zeigen diese Vorführungen sehr deutlich: Der Film findet sein Publikum. Die Herausforderung für mich besteht darin, Film und Publikum zusammenzubringen und dafür die entsprechenden Räume zu schaffen.

Mit Ihren drei Filmen haben Sie nun eine Trilogie vollendet. Haben Sie dennoch vor, Ihre Protagonistinnen weiter zu begleiten?

Privat ja, filmisch nein. Ich habe die vier Frauen und ihre Kinder über fast zwei Jahrzehnte begleitet. Auch wenn der persönliche Kontakt natürlich bleiben wird, ist die filmische Reise für mich mit "Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen" nun abgeschlossen.

Interview: Katya Mader

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