Film
Michael Hamburger - Ein englischer Dichter aus Deutschland
Michael Hamburger zählt zu den großen europäischen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Als Sohn jüdischer Eltern flieht er in den 1930er-Jahren vor den Nazis aus Deutschland nach England.
- Datum:
- Verfügbar in
- D / CH / A
- Verfügbar bis:
- bis 22.02.2027
Der Lyriker und Essayist wurde 1924 in Berlin geboren. Die Familie emigrierte nach der Machtergreifung Hitlers nach England. Den Kontakt zur deutschen Sprache hat Hamburger aber nie aufgegeben, und so ist er zum wichtigsten Vermittler deutscher Dichtung in England geworden, der Goethe, Hölderlin, Brecht, Celan, Grass, Enzensberger unter andere übersetzt hat und mit zahlreichen deutschen Schriftstellern eng befreundet war.
Als zu Hamburgers 80. Geburtstag im Jahr 2004 in den deutschen Feuilletons große Würdigungsartikel erschienen, nahm der Dokumentarist Frank Wierke persönlichen Kontakt zu ihm auf, nachdem er sich schon länger mit Hamburgers Lyrik beschäftigt hatte. Einem ersten Besuch folgten weitere, bei denen Wierke als Ein-Mann-Team auch filmen durfte. So entstanden Beobachtungen im Cinema-direct-Stil vom Alltag eines Schriftstellers, der nichts Professorales an sich hat, sondern sich ebenso sehr als Dichter wie als Gärtner verstand. Während Hamburger seinen Gast durch sein Haus und den großen Garten führte, erzählte er von seiner Familie, von biografischen Rissen, von Freunden, von verschwundenen Apfelsorten, die in seinem Garten noch wachsen, vom Altern und davon, wie Gedichte entstehen.
Wierke dokumentiert mit Feingefühl über anderthalb Jahre hinweg das Leben eines wichtigen Zeitzeugen, der neben vielen anderen Auszeichnungen 1987 die Goethe-Medaille erhielt. Dabei kreist der Film um die Frage: Wie entsteht ein Gedicht?, ohne dass der Dichter selbst darauf eine Antwort geben kann. Wierke jedoch findet Spuren des eigentlich nicht Fassbaren in dem Gewebe aus alltäglichem Lebensrhythmus, dem Garten im Wandel der Jahreszeiten, dem Schreiben, den Apfelbäumen zur Erntezeit und dem alten Haus voller Dokumente und Gegenstände, die Erinnerungen wecken. Wenige Monate nach Fertigstellung des Films starb Michael Hamburger am 7. Juni 2007 in seinem Haus in Suffolk.
Der Film wurde 2007 auf der Duisburger Filmwoche gezeigt.