Film
Fremde Kinder: Businessman
Stasio lebt in Oberschlesien. Er ist eines der vielen Kinder des Landes in den Nullerjahren, die auf den Straßen betteln gingen, um damit die arbeitslosen Eltern zu unterstützen.
- Datum:
- Verfügbar in
- D / CH / A
- Verfügbar bis:
- bis 22.02.2027
Der 11-jährige Stasio ist humorvoll, clever und kann sehr gut lügen.. Blutige Horror-Filme liebt er über alles - besonders aber seine Mutter, für die er "nicht nur lügen, betteln, sondern auch töten würde". Andere Menschen behandelt er so, wie sie sich ihm selbst gegenüber auch verhalten: abweisend oder eben freundlich.
Als Bettler zu gelten, dafür würde Stasio sich schämen. Deshalb sieht er sich lieber als eine Art "Geschäftsmann": Seriös ausgestattet mit einer Krawatte um den Hals und mit einem Handy in der Hand, kauft er billige Postkarten, mal mit Blumen, mal mit dem Papst drauf, und verkauft sie zum fünffachen Preis an die Touristen. Stasios ganzes Leben spielt sich praktisch auf der Straße ab. Nach Hause geht er nur, um zu schlafen und seiner arbeitslosen Mutter Geld zu geben.
Stasios Leben ist geprägt vom so genannten "unzivilisierten Kapitalismus", der sich in den Nullerjahren in Polen breit gemacht hatte. Das Wesen des Jungen ist Ausdruck dieses Wandels und macht auf ein wichtiges gesellschaftliches Problem im "Neuen Europa" aufmerksam: auf das moderne Gesicht der Armut.
Der polnische Filmemacher Stanislaw Mucha ("Mit Bubi heim ins Reich", 2000; "Die Mitte", 2004), Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg, begleitet den kleinen "Businessman" und beobachtet seinen harten Alltag.
Vor dem "Fremde Kinder"-Beitrag realisierte Stanislaw Mucha für 3sat bereits den Dokumentarfilm "Absolut Warhola", der zahlreiche Preise erhielt und vom Verband der deutschen Filmkritik als bester Dokumentarfilm des Jahres 2001 ausgezeichnet wurde. Ebenfalls mit Beteiligung von 3sat entstand Muchas Spielfilmdebüt "Hoffnung" nach einem Drehbuch des Kieslowski-Koautoren Krzysztof Piesiewicz.
"Businessman" war ein Beitrag der 3sat-Dokumentarfilmreihe "Fremde Kinder", die sich Jungen und Mädchen bis zu 14 Jahren aus allen Ländern der Welt in ihren oftmals schwierigen Lebenssituationen widmete.
Der Film wurde 2006 auf der Duisburger Filmwoche gezeigt.