Film

Aware - Reise in das Bewusstsein

Die Bewusstseinsforschung wird zur Cross-over-Welt: Mittlerweile verfolgen Hirnforscher dieselben Spuren wie Mystiker, Buddhisten und Psychedelika-Experten. - Eine bildgewaltige Reise.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2020
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 25.10.2022

Sechs Forscher treten im Film in einen fiktiven Austausch: der Hirnforscher Christof Koch, der Mönch Matthieu Ricard, der Drogenforscher Roland Griffiths, die Biologin Monica Gagliano, der Philosoph Richard Boothby und die Maya-Heilerin Josefa Kirvin Kulix.

Alle sechs eint die leidenschaftliche Suche nach dem Kern des menschlichen Bewusstseins und seinen verschiedenen Formen und Ebenen in der Innen- und Außenwelt. Die einen sprechen von der totalen Reinheit, die anderen von der absoluten Vernetzung.

Durch die Verwebung dieser einerseits konträren, anderseits sich ergänzenden Ansätze entwickelt sich "Aware - Reise in das Bewusstsein" stufenweise vom Wissenschaftsfilm zur visuellen Meditation. Die Netzwerke des Bewusstseins spiegeln sich in großen Kinobildern von Verwobenheit und Allverbundenheit in der Natur, die von der Erbse zur Qualle über Wale und Elefanten bis in den Kosmos reichen. Der Zuschauer wird dazu eingeladen, mit diesen namhaften Forschern in einen nahezu grenzenlosen Bewusstseins-Ozean einzutauchen, lang gehegte Überzeugungen zu überprüfen oder sich zumindest überraschen zu lassen.

"Aware - Reise in das Bewusstsein" wurde beim Menschenrechtsfilmfestival in Bolivien ausgezeichnet als Bester internationaler Film. Zuvor gewann der Film den Publikumspreis der Online-Sektion beim Dokumentarfilmfestival "Millenium Docs against Gravity" in Polen sowie den Feature Competition Jury Prize beim Illuminate Film Festival 2021, Sedona, USA, und den Audience Award "Create the Future" beim Maui Film Festival.

Frauke Sandig und Eric Black arbeiten seit 2000 als Autorenpaar zusammen. Mit ihrem letzten großen Dokumentarfilm, den sie 2011 für ZDF/3sat realisierten, "Herz des Himmels, Herz der Erde" waren sie mit großem Erfolg auf internationalen Festivals von Leipzig bis Thessaloniki vertreten. Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Vorgängerfilm "Frozen Angels" (ZDF/Das kleine Fernsehspiel) über Reagenzglas-Babys hatten sie es sogar in die Vorauswahl des Oscar-Wettbewerbs geschafft.

Der gebürtige Amerikaner Eric Black studierte Fotografie an der University of California. Frauke Sandig arbeitet als Redakteurin bei der Deutschen Welle in Berlin.

Interview mit Frauke Sandig und Eric Black

Wie ist die Idee zu "Aware" entstanden?

Frauke Sandig: Die intensive Begegnung mit den Maya in Chiapas und Guatemala bei der Arbeit an unserem letzten Film "Herz des Himmels, Herz der Erde" war eine wichtige Quelle der Inspiration für unsere Beschäftigung mit dem Bewusstsein in der Natur. Die Spiritualität der Maya, in der alles in der Natur lebendig und beseelt ist, steht im Gegensatz zum westlich-kapitalistischen Weltbild, das die Natur als Objekt sieht, das es auszubeuten gilt. So hat unsere Reise mit "Aware" begonnen.

Porträtaufnahme von Filmemacherin Frauke Sandig; sie trägt ein Tuch um Kopf und Hals, das teils ihr Gesicht verdeckt; sie hat eine modische Brille auf und lächelt; im Hintergrund ist ein Kameramann von hinten zu sehen, der einen Anorak trägt und sich die Kapuze übergezogen hat.
Frauke Sandig bei Dreharbeiten
Quelle: Frauke Sandig

Wir haben dann mehrere Jahre recherchiert, gelesen, Konferenzen und Retreats besucht und verschiedene Konzepte überlegt und wieder verworfen. Durch Recherche im Internet haben wir die meisten der Protagonistinnen und Protagonisten gefunden - und dann Bücher von ihnen und über sie gelesen. Uns hat fasziniert, dass das Bewusstsein der wohl einzige große Forschungsgegenstand ist, dem man sich sowohl von außen wie auch von innen nähern kann - durch Hirnforschung und Meditation, durch die Erforschung psychedelischer Substanzen und deren Einnahme, durch wissenschaftliche Experimente mit Pflanzen und intuitive Kommunikation mit ihnen ... Wichtig war für uns, möglichst unterschiedliche Perspektiven - wissenschaftliche und spirituelle - miteinander zu konfrontieren und in Beziehung zu setzen.

Am Anfang des Films steht die Parabel von den blinden Gelehrten und dem Elefanten. Beschreibt diese Parabel auch Ihren eigenen Ausgangspunkt?

Eric Black: Die Metapher war ein Versuch in unserer ersten Projektbeschreibung, ein Bild für das zu schaffen, was wir vorhatten - lange nachdem wir angefangen hatten zu recherchieren, aber noch bevor wir unsere Protagonistinnen und Protagonisten gefunden hatten. Die Geschichte ist sehr schön, und sie machte sofort klar, was wir vorhatten. Es ist, wie Sie sagen: Sie steht am Anfang des Films.

Nachdem wir unsere Protagonistinnen und Protagonisten kennengelernt und viel Zeit mit ihnen verbracht hatten, ging die Metapher allerdings nicht mehr ganz auf. Wir hatten bewusst sechs Protagonistinnen und Protagonisten mit radikal unterschiedlichen Traditionen und Herangehensweisen zum Bewusstsein ausgewählt und gingen davon aus, dass ihre Sichtweisen des Bewusstseins sich ebenso radikal unterscheiden würden. Wir dachten, dass sich erst, wenn wir alles zusammenführen würden, eine vage Kontur in diesem Mosaik abzeichnen würde.

Was uns dann am meisten überrascht hat, war, wie ähnlich sich ihre Sichtweisen und ihre Erfahrung des Bewusstseins waren. Ob ein Naturwissenschaftler, der ein Team von 300 Hirnforschenden leitet, ein buddhistischer Mönch oder ein weltberühmter Wissenschaftler an der Johns-Hopkins-Universität, der mystische Erfahrung unter dem Einfluss einer organisch-chemischen Substanz erforscht: Ihre Sichtweisen überschnitten sich in einem erstaunlichen Ausmaß.

Wie haben Sie Ihre Protagonistinnen und Protagonisten ausgewählt?

Frauke Sandig: Wir haben Protagonistinnen und Protagonisten gesucht, die fest in der Wissenschaft verankert sind, aber dennoch eine gewisse Offenheit für Spiritualität und andere Blickwinkel haben. Was wir nicht wollten, waren rein esoterische oder rein materialistische Perspektiven, da das unserer Meinung nach nur die allgemein bekannten polarisierten Positionen bedienen würde. Alle waren von Anfang an sehr offen für eine Zusammenarbeit mit uns. Wir hatten ursprünglich überlegt, auch die Erforschung des Bewusstseins von Tieren stärker im Film zu thematisieren, fanden aber dann die Pflanzenforschung das überraschendere und neuere Feld.

Josefa Kirvin Kulix haben wir schon in "Herz des Himmels, Herz der Erde" kennengelernt. War es von Anfang an klar, dass sie auch Protagonistin in "Aware" sein würde?

Frauke Sandig: Es gab von Anfang an die Idee, dass die Geisteswelt der Maya und das uralte Wissen der indigenen Völker im Allgemeinen auch in "Aware" eine Rolle spielen sollten. Dass Josefa sich in ihrer spirituellen Annäherung intensiv mit dem Bewusstsein von Pflanzen beschäftigt, machte sie zu einer idealen "Partnerin" von Monica, die sich den Pflanzen auf wissenschaftlichem Weg nähert, sich dabei aber auch sehr von Träumen und indigenen Anschauungen inspirieren lässt.

Was waren Ihre dramaturgischen und visuellen Ideen, um aus einem so komplexen Thema einen so spannenden, auch berührenden Film zu machen?

Frauke Sandig: Die grundlegende dramaturgische Idee war tatsächlich die Parabel von den sechs blinden Gelehrten, die sich einem Elefanten aus verschiedenen Perspektiven annähern und immer nur einen Teilbereich beschreiben können. Unsere Hoffnung war, dass sich in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer daraus ein individuelles Mosaik des Elefanten zusammensetzen würde. Und wir wussten, dass die Natur mit aller Bildgewalt die Rolle einer eigenständigen Protagonistin bekommen sollte. Wichtig war uns auch, dass die Protagonistinnen und Protagonisten nicht nur Expertinnen und Experten sind, sondern auch innere, sehr persönliche Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dem Thema haben.

(Quelle: Presseheft zum Film)

Stab

  • Regie - Eric Black, Frauke Sandig
  • Autor - Eric Black, Frauke Sandig
  • Kamera - Eric Black
  • Schnitt - Franziska von Berlepsch, Rune Schweitzer

Weiterer Dokumentarfilm von Frauke Sandig und Eric Black

Film -

Herz des Himmels, Herz der Erde

Eine Reise in die Traumlandschaften des mexikanischen Chiapas und nach Guatemala, Heimat von 9 Millionen Maya. Der Film begleitet junge Maya in ihrem Alltag und ihren Zeremonien.

  • Regie - Eric Black Frauke Sandig
  • Autor - Eric Black Frauke Sandig
  • Kamera - Eric Black
  • Schnitt - Franziska von Berlepsch, Rune Schweitzer

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