Film

Ab 18! - Joe Boots

Ein junger US-amerikanischer Kriegsveteran hat im Irak gekämpft und versucht nach seiner Rückkehr, mit seinem Trauma zurecht zu kommen.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 27.09.2023

Das preisgekrönte Dokumentarfilm-Porträt aus der 3sat-Reihe "Ab 18!" zeigt den Ex-Soldaten in sehr persönlichen Interviews, in denen er von seiner Motivation berichtet, in den Krieg zu ziehen, und wie er mit dem dort erfahrenen Trauma umgeht.

Unter dem Eindruck der Terroranschläge des 11. September 2001 entschließt sich Joe, zum Militär zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist er 17 Jahre alt und verlässt die Highschool mit großen Zukunftsträumen. Als er aus der Grundausbildung zurückkommt, geben ihm seine Freunde den Spitznamen Joe Boots. Schon kurze Zeit später schickt man ihn zum Einsatz in den Irak.

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Pittsburgh muss er feststellen, dass ihn seine Erfahrungen im Krieg nicht mehr loslassen. Joe erzählt ohne Scheu von seinem Trauma: wie er die Kontrolle über sein Leben verliert und vergeblich nach Hilfe sucht. Denn seine Wunden sind unsichtbar.

Der Film verwebt Joes Erzählungen mit Bildern, die die brüchige heile Welt Amerikas zeigen. Dabei kommen für den Dokumentarfilm eher untypische Verfremdungstechniken wie Steadycam und Slow-Motion zum Einsatz. Sie erlauben es, Joes innere Konflikte sinnlich erfahrbar zu machen.

Die ZDF/3sat-Koproduktion "Ab 18! - Joe Boots" gewann 2017 den im Rahmen der Duisburger Filmwoche vergebenen Jugendfilmpreis "Große Klappe", den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis 2018 in der Kategorie Bester Kurzfilm und 2019 den Preis als Bester Dokumentarfilm bei den Bamberger Kurzfilmtagen. "Joe Boots" ist eine Ergänzung zu Florian Barons langem Dokumentarfilm "Stress" über fünf junge Kriegsveteranen aus Pittsburgh, der 2018 beim Festival DOK Leipzig den Förderpreis der DEFA-Stiftung gewann.

Interview mit Regisseur Florian Baron

Posttraumatischer Stress bei Ex-Veteranen ist ein weit verbreitetes Problem. Was reizt dich an diesem Sujet?

Porträtaufnahme von Florian Baron, der ein weißes Oberhemd trägt und mit verschränkten Armen in die Kamera schaut.
Florian Baron

Unter einem Kriegsveteranen habe ich mir immer einen alten Mann vorgestellt. Bei uns denkt man ja am ehesten an den Zweiten Weltkrieg. Ich habe längere Zeit in Pittsburgh gelebt und durch Zufall Leute in meinem Alter kennengelernt, die schon im Irak oder Afghanistan im Einsatz waren. Da ist mir klar geworden, dass dieses Problem leider auch meine Generation betrifft.

Ich fand es zu Beginn spannend, herauszufinden, warum diese Leute sich entschieden haben, in den Krieg zu ziehen - weil ich das nie entscheiden musste und mir das in gewisser Weise fremd ist. In meinen Gesprächen mit den Veteranen wurde klar, dass sie alle Schwierigkeiten damit haben, sich nach dem Krieg in der heilen Heimat zurechtzufinden. Mir wurde bewusst, dass es für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist, was im Kopf eines traumatisierten Menschen vorgeht. Deswegen hat es mich gereizt, eine Filmsprache zu finden, die diese Innenwelt sinnlich erfahrbar macht.

Wie hast du Joe kennengelernt? Und wie kommt man als Filmemacher einem Menschen so nahe, dass er sich in dem Maße öffnet, wie Joe es tut?

Joe habe ich über einen Bekannten kennengelernt. Unser erstes Treffen war sehr kurz: Ich habe ihm von dem Projekt erzählt und gefragt, ob ich ihn für den Film interviewen könnte. Wir haben davor keine Beziehung aufgebaut, und ich selbst habe im Interview seine Geschichte zum ersten Mal gehört. Ich glaube, es begegnen ihm nicht viele Menschen, die so ganz genau wissen wollen, wie es ihm im Krieg ergangen ist.

Was war für dich die größte Herausforderung beim Dreh?

Joe hat Schwierigkeiten, mit Druck und Stress umzugehen - verständlicherweise, das ist Teil seines Traumas. Die begrenzte Zeit, die wir zum Drehen hatten, war somit das größte Problem. Wir mussten einsehen, dass wir nicht wirklich planen konnten und haben uns bei jeder Möglichkeit eingeklinkt. So haben wir Joes Rhythmus spüren gelernt und den Dreh darum strukturiert.

"Joe Boots" ist ein visuell sehr avancierter und ungewöhnlicher Film, der die Pfade des rein beobachtenden Dokumentarfilms bewusst verlässt. Warum braucht der Film die Form, die er hat?

Mir war es wichtig, dem Trauma so nah wie möglich zu kommen, und da sich das nur begrenzt in beobachtbaren Bildern manifestiert, steht Joes Stimme und seine Erzählung im Zentrum des Films. Ich wollte nicht den Krieg zeigen, sondern in der vermeintlich heilen Welt der USA nach Bildern suchen, die Assoziationen in Verbindung mit Joes Erinnerungen und der Beschreibung seines Traumas zulassen. Das Mittel der Zeitlupe ist deshalb so wichtig für den Film, weil völlig alltägliche Szenen entrückt wirken. Der Zuschauer bekommt ein Gefühl für eine veränderte Wahrnehmung und das Fremdheitsgefühl der Veteranen.

Hat Joe den Film bereits gesehen? Wenn ja: Wie war seine Reaktion?

Leider konnte ich ihm den Film nicht persönlich zeigen, aber ich war am Telefon, während er den Film das erste Mal gesehen hat. Ich wollte ihn nicht mit dem Film allein lassen. An zwei Stellen hat er gelacht, zum Ende hin war er doch sehr gerührt. Die Dreharbeiten und den fertigen Film sieht er auch als Teil seines Heilungsprozesses. Die Bewältigung seines Traumas hat für ihn viel damit zu tun, dass er darüber spricht, was in ihm vorgeht und den Kreis der Eingeweihten langsam erweitert. Mit dem Film ist seine Geschichte natürlich viel öffentlicher geworden.

Interview: Daniel Schössler, 2017

Stab

  • Regie - Florian Baron
  • Autor - Florian Baron
Film -

Ab 18! - Joe Boots (engl. Originalfassung)

Ein junger US-amerikanischer Kriegsveteran hat im Irak gekämpft und versucht nach seiner Rückkehr, mit seinem Trauma zurecht zu kommen.

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