Immer gut im Bild: Rapper Luvre (links) mit seinem Kollegen Tony beim Dreh.

Film

Ab 18! - Luvres Release

Sein Debütalbum handelt vom Leben an Berlins Stadtrand, in der Hochhaussiedlung Gropiusstadt. Davor hatte Luvre47 nur eine kleine Fangemeinde. Aber nun kommt der Rapper richtig heraus.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Sendetermin
24.06.2024
23:55 - 00:30 Uhr
Verfügbar in
D / CH / A
FSK
FSK 12
von 20 bis 6 Uhr

In einer eingängigen Mischung aus Wut und Melancholie erzählt Luvre von der eigenen Karriere als Schulabbrecher, von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und anderen Delikten, die einige seiner Kumpels damals ins Gefängnis, ihn jedoch zur Musik brachten.

Die Regisseurin Simone Catharina Gaul begleitet den jungen Berliner, der mittlerweile bei einem großen Musiklabel unter Vertrag ist, von den Studioaufnahmen bis zur großen Release-Party in Anwesenheit der Mutter. Sie streift mit ihm durch die markanten Häuserschluchten, die mit der U-Bahn nur zehn Minuten vom trendigen Neukölln liegen, auch wenn in der Trabantenstadt ein deutlich anderer Wind weht.

Durch den einst hohen Anteil an Sozialwohnungen von 90 Prozent war hier bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren ein Rückzugsort für all die Familien entstanden, die sich im Rest der Stadt die Miete nicht leisten konnten. Seit den 1980er-Jahren hatte er sich zum "sozialen Brennpunkt" entwickelt, den Christiane Felscherinow 1978 bereits in ihrem Bestseller "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" beschrieben hatte.

Doch Luvre sieht diese Gemengelage auch als Chance: "Hier lernt man Zusammenhalt. Das Beste aus dem zu machen, was einem gegeben ist", sagt Luvre abgeklärt mit Ende 20. In seinen Künstlernamen "Luvre47" hat er die alte Postleitzahl des Bezirks als Reverenz an seinen Stadtteil aufgenommen.

Simone Catharina Gaul ist Regisseurin für Dokumentarfilme und Journalistin für "Zeit Online". Nach einer deutsch-französischen Schulzeit schrieb sie viele Jahre für die "Stuttgarter Zeitung" und studierte Romanistik und Politik in Stuttgart und Paris. Anschließend studierte sie Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg mit Schwerpunkt Dokumentarfilm.

Ihr Diplomfilm "Bintou" wurde in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" für den "First Steps Award" nominiert und lief weltweit auf zahlreichen Festivals. Premiere feierte er 2014 auf dem "Hot Docs"-Festival in Toronto. "Die neuen Kinder von Golzow" feierte 2017 auf dem "DOK Leipzig" Premiere und hat mehrere Preise gewonnen. Simone Catharina Gaul hat eine kleine Tochter und lebt in Berlin.

3sat zeigt den Dokumentarfilm "Luvres Release" im Rahmen der Reihe "Ab 18!", in der Regisseurinnen und Regisseure mit außergewöhnlichen filmischen Handschriften Geschichten vom Erwachsenwerden erzählen.

Interview mit Filmemacherin Simone Catharina Gaul

Wie sind Sie auf Luvre gestoßen, und was hat Sie an ihm fasziniert?

Porträt Simone Catharina Gaul
Simone Catharina Gaul

Wir haben uns bei einer Recherche für ein anderes Projekt kennengelernt. Erwartet hatte ich: einen ‎Rapper, der auf die Bühne drängt, der sich darstellen will. Stattdessen wirkte Lu sehr ruhig, reflektiert, ‎zurückhaltend. Mich hat seine nachdenkliche Art interessiert, wie er von sich und seiner Geschichte ‎erzählt hat. Eine Geschichte der Straße, mit vielen Drogen und brutalen Erlebnissen, mit Freunden im ‎Knast und Eltern, die nicht mehr weiterwissen. Für Lu ist klar: Wenn es mit der Musik nicht klappt, gibt ‎es nicht mehr viele Möglichkeiten. Und genau diese Geschichte wollte er nun in seinem ersten Album ‎verarbeiten. Ein Album, von dem viel abhängt, beruflich, aber auch privat. Da wollte ich gern dabei ‎sein.

War es schwierig, ihm näher zu kommen?

Lu ist es gewohnt, öffentlich über einen Teil seiner Gedanken zu sprechen. Er erzählt seine Geschichte ‎in seinen Songs und dreht Videos für Youtube und Social Media - allerdings mit Leerstellen und ‎Fragezeichen, denn zu nah will er die Öffentlichkeit eigentlich gar nicht an sich ranlassen. Für uns war ‎genau das die Herausforderung. Wir wollten hinter die Kunstfigur Luvre47 blicken und an den ‎Gedanken und dem Leben des echten Lu teilhaben. Für unseren Film bedeutete das vor allem: ‎Geduld. Lange dabei sein, viel Zeit miteinander verbringen. Wir durften schlussendlich sehr nah dabei ‎sein, was ihm, glaube ich, manchmal zwar nicht so ganz geheuer war, was er aber toleriert hat. Wir ‎hatten eine gute gegenseitige Vertrauensbasis. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Was ist in Ihren Augen das Besondere an seiner Verortung in Berlin-Gropiusstadt?

Gropiusstadt ist eine Hochhaussiedlung am südlichen Rand von Berlin. Es ist eine Gegend, in der ‎viele arme Menschen leben, die Innenstadt fühlt sich sehr weit weg an. Und natürlich hat das Viertel Lu ‎und seine Freunde geprägt. Es hat seinen Blick auf die Gesellschaft und seine Wahrnehmung von ‎Ungleichheit und Ungerechtigkeit geschärft. Davon erzählt er auch in seinen Texten. Gleichzeitig ist es ‎diese Welt, die er, indem er in seinen Songs von ihr erzählt, zu seinem Geschäftsmodell gemacht hat. ‎Das zeigt sich auch visuell in seinen Musikvideos, die oft zwischen den Häuserblocks spielen. "Wir ‎drehen hier, weil wir von hier sind", sagt Lu. Das Viertel hat ihm und seinen Freunden in ihrer Jugend ‎teilweise schwer zugesetzt, aber jetzt, als junge Erwachsene, erobern sie sich die Räume zurück und ‎‎"machen was draus".

Kann man seine Musik als Gangster-Rap verstehen, oder was wäre die genaue Bezeichnung?

Musikjournalist*innen verorten ihn gern im "Berliner Untergrund-Rap". Sie schreiben dann ‎von Graffiti-Rap oder Straßen-Rap, letzteres trifft es vermutlich als Oberbegriff am besten. ‎Aber Luvres Musik ist vielseitig. Er spielt mit den Genres und bringt auch mal ein poppiges ‎Stück wie "Kein Bock" mit Paula Hartmann. Er sagt, er möchte sich nicht festlegen, er will ‎frei bleiben in seiner Musik und das machen, worauf er Lust hat.

Luvre und auch sein Freund und Kollege Tony wollen nicht mit bürgerlichem Namen genannt ‎werden. Ist das als Koketterie mit der Welt der wirklichen Gangster zu verstehen, die nicht ‎identifiziert werden wollen, und/oder geht es auch um Vermarktung?

Ein bisschen von allem würde ich sagen. Es ist jedenfalls üblich in der Branche, dass ‎Künstler*innen ihre Identitäten nicht preisgeben. Das ist für manche einfach Teil ihrer Kunst, ‎Teil der Marke. Ja, da stecken auch Anspielungen auf die Welt der Gangster mit drin, ‎manche von ihnen zeigen sich auf Fotos und in Videos nur verpixelt. Im Fall von Luvre liegt ‎es aber auch daran, dass er als Privatperson nicht in der Öffentlichkeit stehen möchte - als ‎Künstler das aber rund um die Uhr tut.

Interview: Nicole Baum (2022)

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