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Film

Ab 18! - Die Tochter von ...

Als Micaela drei Jahre war, wurde ihre Mutter entführt. Ihre Kindheit in Argentinien war geprägt von der Suche nach ihr. Mit 19 Jahren lebt Micaela erstmals allein - ohne Polizeischutz.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2019
Datum:
Verfügbar in
D / CH / A
Verfügbar bis:
bis 05.11.2020

In Argentinien gilt der Fall ihrer Mutter Marita Verón als Politikum: eine junge Frau, die von Menschenhändlern verschleppt wurde, und bis heute verschwunden ist.

Micaela suchte von Kindheit an nach der Mutter, angetrieben von ihrer kämpferischen Großmutter. Wie lebt man ein Leben, in dem man in erster Linie "die Tochter von" ist? Micaelas Großmutter Susana Trimarco wurde in Argentinien zur nationalen Ikone und zur Mitbegründerin einer stetig wachsenden Frauenbewegung. Micaela dagegen muss ihren Weg erst noch finden. Dazu gehört auch, ihre Heimatstadt Tucumán sowie das Haus und die Einflusssphäre der übermächtigen Verwandten zu verlassen.

Ein Neuanfang gelingt ihr in der argentinischen Universitätsstadt Córdoba, wo die 19-Jährige erstmals allein und ohne Personenschutz lebt. Die junge Frau, deren Gesicht immer wieder in den Nachrichten war, möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und sich nicht mehr nur über die Opferrolle identifizieren müssen. Ihre Freundin Mica wie auch ihr Hund Charly, vor allem aber das Erstarken der feministischen Bewegung in Argentinien, geben ihr dabei den nötigen Halt.

Die Regisseurin und Produzentin Verena Kuri wurde 1979 in Deutschland geboren und studierte Filmregie an der Universidad del Cine (FUC) in Buenos Aires. Ihr erster Spielfilm, "Una Hermana", wurde 2016 auf den Filmfestspielen in Venedig gezeigt. Ihr zweiter Spielfilm, "Far from us", feierte 2019 Weltpremiere im Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Der Filmemacher Joakim Demmer ist in Schweden geboren und aufgewachsen. 1995 studierte er Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Sein Abschlussfilm "Tarifa Traffic" (2003), eine 3sat-Koproduktion über die Flüchtlingssituation vor der Küste Spaniens, lief auf zahlreichen Festivals und wurde mehrfach preisgekrönt. Sein letzter Kino-Dokumentarfilm "Dead Donkeys Fear No Hyenas" (2016) über Landraub und fehlgeleitete Entwicklungshilfe in Äthiopien lief unter anderem beim COP:DOX in Kopenhagen, dem Sheffield Doc/Fest, dem Münchner Dokumentarfilmfestival und der IDFA (Internationales Dokumentarfilmfest Amsterdam).

Stab

  • Regie - Joakim Demmer, Verena Kuri

Die eigene Stimme finden

Interview mit Joakim Demmer und Verena Kuri, den Autoren des "Ab 18!"-Dokumentarfilms "Die Tochter von…"

Wie kam der Kontakt mit Eurer Protagonistin, Micaela, zustande?

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Der Filmemacher Joakim Demmer

Wir kannten die Geschichte von Micaelas Familie aus den argentinischen Medien. Über einen guten Freund erhielten wir Kontakt zu ihrer Großmutter Susana Trimarco, die schnell zu einem Gespräch bereit war. Micaela selbst hatte jedoch zunächst große Vorbehalte und wollte nichts von uns wissen. Sie hatte in ihrem Leben bereits viele schlechte Erfahrungen mit Medien gemacht und sich infolgedessen immer weiter von ihrer Rolle als "öffentliche Person" distanziert. Micaela wollte deshalb zunächst auf gar keinen Fall wieder über die Vergangenheit sprechen. Wir waren uns daher lange nicht sicher, ob es uns überhaupt gelingen würde, ihr Vertrauen zu gewinnen. Erst als Micaela verstand, dass wir sie in die Entwicklung des Films einbeziehen wollten, änderte sich die Situation. Unsere Gespräche zogen sich dann über Monate hinweg, und bald schon kam es zu einem tagtäglichen Austausch. Es gab viel Redebedarf von beiden Seiten. Darüber bauten wir langsam Vertrauen auf, und das wurde zur Voraussetzung für den gemeinsamen Dreh.

Wie viel Mut musste die junge Frau sammeln, um sich in einem Dokfilm zu präsentieren? Bis vor kurzem stand sie  ja noch unter Polizeischutz.

Kurz zuvor war Micaela aus Túcuman, wo ihre Großmutter immer noch lebt,  nach Córdoba gezogen, und dies hatte bereits viel verändert. Ihre Entscheidung, dort nun ohne Polizeischutz zu leben, war sehr wichtig für sie und hatte ihr ein neues Gefühl der Selbstermächtigung gegeben. Sie fand die Möglichkeit, fortan anders mit ihrer Angst umzugehen und sich nicht weiter zu verstecken. In ihrer Heimatstadt wäre das nicht möglich gewesen - wenn sie ihre Großmutter dort besucht, geht dies nach wie vor nur mit Polizeischutz. Durch die neue Erfahrung wurde Micaela klar, dass auch der Film ihr dabei würde helfen können, einen anderen Umgang mit dem Erlebten zu finden. Das hat sie schließlich dann auch ermutigt mitzumachen.

Was waren die größten Schwierigkeiten während des Drehs?

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Die Filmemacherin Verena Kuri

Micaela wollte im Film auf keinen Fall nur "die Tochter bzw. Enkelin von…" sein. Dennoch war ihr natürlich klar, dass wir genau aus diesem Grund auf sie aufmerksam geworden sind und dieser Aspekt ihres Lebens auch in den Film würde einfließen müssen. Dies führte von Seiten Micaelas immer wieder zu einer ambivalenten Haltung gegenüber dem Projekt. Uns war es wichtig, genau dies auch in den Film einfließen zu lassen. Von Anfang an, konkret im Prolog, wollten wir die inneren Konflikte Micaelas abbilden und das Widersprüchliche selbst somit auch zum Motor des Films machen. Es bedurfte unsererseits einer ständigen inhaltlichen Reflexion und kritischen Selbstüberprüfung, um zwar Micaelas Bedürfnis nach Grenzen der Intimität vor den Augen der Öffentlichkeit zu wahren und zugleich einen persönlichen und authentischen Einblick in ihre Gefühlswelt zu ermöglichen. Diese Gratwanderung ist mit viel Verantwortung gegenüber unserer Protagonistin verbunden, und wir fragen uns immer noch, ob wir es geschafft haben, dieser Herausforderung gerecht zu werden.

Wie geht Micaela in ihrem Freundeskreis mit ihrer "Berühmtheit" um?

Mica hat einmal gesagt: "Ich bin Maritas Tochter und Susanas Enkelin, und das ist eine Einschränkung. Aber da ich nicht mehr davon abhänge (…) fange ich an, ich zu sein".

Mica wird von ihren Freunden "Inti" genannt, und viele Bekannte in Córdoba kennen ihren echten Namen nicht.  Den Spitznamen hat sie damals von ihrer Mutter bekommen. Der Name schützt sie vor der Öffentlichkeit, und sie wird nicht automatisch mit Marita Verón und Susana Trimarco in Verbindung gebracht. Ihre engen Freunde verstehen, dass es für Micaela schwierig ist, sich von ihrer Geschichte zu distanzieren, sich selbst zu finden und dabei ihre Vergangenheit nicht zu verleugnen.

Wird diese "Berühmtheit" auch weiterhin ihr Leben bestimmen?

In ihrem bisherigen Leben war Micaela immer nur die Tochter von "der Entführten", "der Gesuchten" oder "der Hure".  Sie ist auch die Enkelin einer Großmutter, die einen unaufhörlichen Kampf gegen den Menschenhandel führt und Hunderte von Frauen befreite. Sie lebte in dieser Situation seit ihrer frühen Kindheit und begleitete ihre Großmutter bei deren Suche auf Schritt und Tritt. Ihre Mutter Marita Verón ist vor 17 Jahren verschwunden, und es gab über die Jahre hinweg mehrere Ausgrabungen, Knochenanalysen, Dutzende Anrufe und Geldanfragen von Personen, die angeblich wussten, wo sich Marita befindet, aber sie wurde nie gefunden.

Micaela versucht all dem nun vorerst aus dem Weg zu gehen, um, wie sie selbst sagt, nicht verrückt zu werden. Die Hoffnung ist, dass dieser Film für sie ein Instrument bedeuten kann, mit dem sie ihre eigene Stimme findet, ihre eigene Erzählung formuliert.

(Interview: Nicole Baum)

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