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Dokumentation

Grüne Insel im Taifun - Taiwan

Die Insel Taiwan hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 23.06.2019

Ständig umstürmt vom bekannt launenhaften Chinesischen Meer und regelmäßig erschüttert von einer hochaktiven geologischen Nahtstelle hat die Insel Taiwan eine bewegte Geschichte hinter sich. Überall auf der Insel sind Rauchsäulen, heiße Quellen und Schlammvulkane ein unübersehbarer Hinweis auf die Mächte, die diese Berge erschaffen haben. Bis heute wird sie jedes Jahr einige Millimeter gehoben, wenn die Kontinentalplatten darunter aneinander gepresst werden.

Yu-Shan, der Jade-Berg, ist der höchste unter Taiwans gezackten Gipfeln und reicht bis auf fast 4.000 Meter. Die dort beheimatete, weitgehend unbekannte Tierwelt der grünen Insel im Chinesischen Meer erstmals zu porträtieren ist das Ziel dieser Naturdokumentation von Nick Upton und Michael Schlamberger.

Stürmische menschliche Besiedelung

affen im wasser
Makakenfamilie im Wasser
Quelle: ORF

Zu Erdbeben und Taifunen kam in den vergangenen Jahrzehnten noch eine überaus stürmische menschliche Besiedelung und Industrialisierung. In nur 50 Jahren verdreifachte sich die Bevölkerung Taiwans auf 23 Millionen Menschen. Doch in den schwer zugänglichen Bergregionen im Zentrum der Insel konnte sich eine enorm vielfältige Tierwelt erhalten. Taiwan versammelt unterschiedlichste Klimazonen und Lebensräume auf engstem Raum - von Mangroven-Küsten und Regenwald bis zu eisbedeckten Gipfeln. Solch abwechslungsreiches Terrain hat die entsprechenden Bewohner: Taiwan beherbergt spezielle Arten von Kragenbären und Makaken, Schuppentiere, Muntjaks, Sikahirsche, Waldziegenantilopen und Bengalkatzen, die ausgedehnte Wälder mit Sonnendachsen und Mangusten, Gleithörnchen und Greifvogelarten teilen.

Trotz dichtester Besiedelung hohe Arten- und Lebensfülle

adler
Indischer Schlangenhabicht
Quelle: ORF

In den Gebirgsregionen der Tropeninsel konnten sogar Kälteliebhaber überdauern: Salamander, Wühlmäuse und giftige Lanzenottern wurden nach dem Ende der Eiszeit auf Bergkuppen isoliert - ihre nächsten Verwandten leben heute weit entfernt im Himalaja. Auch eine einzigartige Spezies von Lachsen ist ein Relikt der Eiszeit. Durch die erwärmten Wasserwege im Tiefland wurde den wanderlustigen Fischen der Zugang zum Ozean abgeschnitten. Heute leben die Formosa-Lachse ausschließlich in den kühlen Bergbächen Taiwans. Solche Lebensfülle mag überraschen. Handelt es sich bei Taiwan doch kaum um eine vergessene Wildnis, sondern um eine der am dichtest besiedelten Gegenden der Welt: Mehr als 20 Millionen Menschen leben auf einer Fläche von 400 mal 140 Kilometer.

Kultur der Ureinwohner bis heute erhalten

Einst war es deutlich einsamer auf der Insel im Chinesischen Meer, bis vor rund 6.000 Jahren die ersten Einwanderer vermutlich aus Indonesien oder Malaysia die Insel besiedelten. Die Ureinwohner betätigten sich mit großem Enthusiasmus als Kopfjäger - vor allem untereinander -, aber auch für Besucher war Taiwan bis vor 60 Jahren keine ungefährliche Gegend. Bis heute ist die Kultur der Ureinwohner mit ihren Zeremonien, kunstvollen Tätowierungen und Gesängen erhalten.

Taiwan und seine Tiere überstanden die erste Welle menschlicher Besiedelung weitgehend unbeschadet. Doch vor rund 400 Jahren schwappte eine weit bedrohlichere Woge über die Insel. In den Ebenen mussten die Wälder Reisfeldern Platz machen, als Zehntausende chinesische Familien vom Festland einwanderten. Schon bald dominierte der Reis die flachen Inselgebiete. Mit wachsendem chinesischem Einfluss machten sich auch ausgedehnte Bambusplantagen breit. Die ansässige Tierwelt wurde zunehmend vertrieben, doch ein paar Arten gewöhnten sich an die neue Situation und lernten, davon zu profitieren.

Da sich die Bambusstümpfe schnell mit Regenwasser füllen, eröffnet der Zuwachs an Bambushainen einem bemerkenswerten kleinen Tier neue Möglichkeiten - einer Ruderfroschart, die ihre Eier oberhalb der Wasserlinie an die Innenwand des Bambusstamms klebt. Sobald das Weibchen mit der Eiablage fertig ist, macht es sich aus dem Staub. Der Nachwuchs ist aber keineswegs sich selbst überlassen, denn der Froschvater bleibt zum Schutz vor Fressfeinden zurück. Wenn der Nachwuchs einmal geschlüpft ist, geht die Aufgabe des Männchens zu Ende. Dann kehrt die Mutter wieder. Sie findet auf wundersame Weise den Weg zurück in den Baumstumpf, in dem sie sich vermehrt hat, und legt nun weitere, diesmal unbefruchtete Eier, die ihre Jungen ernähren sollen. Es sei denn, das Froschweibchen kreuzt den Weg einer Chinesischen Baumviper, der größten Gefahr für Frösche im Bambuswald.

Das bewaldete Herz der Insel als Tierrefugium

nagetier
Taiwanesisches Gleithörnchen
Quelle: ORF

In den vergangenen paar hundert Jahren, während die menschliche Bevölkerung Taiwans wuchs, wurde das bewaldete Herz der Insel nicht nur für Makaken und Muntjaks zum Rettungsanker. Kragenbären haben in den Hochgebirgswäldern ebenso ein Refugium gefunden wie Schuppentiere und Larvenroller. In diesen friedlichen Bergen liegen auch die Quellen vieler Flüsse, die das Ziel gigantischer Tierwanderungen sind. Millionen junge Grundeln ziehen flussaufwärts, um hier zu laichen - vorbei an menschlichen und gefiederten Fischern, über Felsen und Stromschnellen, bis sie nach rund 100 Kilometern das Ende ihrer Reise erreicht haben. Sie laichen schließlich in den abgeschiedenen Gebirgsbächen, wohin ihnen nur wenige Fischer folgen können.

Seit einem halben Jahrhundert wird Taiwan intensiv vom chinesischen Festland aus besiedelt - die Neuankömmlinge haben auf der "schönen Insel“ eines der weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaftssysteme aufgebaut. Einige Tiere haben sich mit der Zivilisation arrangiert, aber die meisten haben sich in die schwer zugänglichen Bergregionen zurückgezogen. Doch sie schützt nicht nur die steile Topografie mit feuchten Bergwäldern. Auch ständige Erdbeben sorgen dafür, dass die wenigen Straßen mit erschreckender Regelmäßigkeit zerstört werden. Die Kräfte der Natur, die hier so unberechenbar wie kaum anderswo walten, haben die Wildnis im Zentrum der Insel bewahrt und werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass dieses einzigartige Refugium von menschlichem Zugriff verschont bleibt.

Ein Fünftel der Insel heute unter Naturschutz

In den vergangenen Jahren kommt hinzu, dass die natürlichen Reichtümer Taiwans vermehrt geschätzt - und geschützt - werden. War die Tierwelt Taiwans vor etwa 20 Jahren selbst in den entlegensten Wäldern gefährdet wie nie zuvor, geht es seit damals jedoch bergauf. Ein Fünftel der Insel steht heute unter Naturschutz. Zehntausende Zugvögel und Hunderttausende Schmetterlinge rasten in geschützten Tälern, und in Gefangenschaft gezüchtete Formosa-Lachse werden wieder in den Flüssen ausgesetzt, sodass sich der Bestand in fünf Jahren verzehnfacht hat. Mehr Wissenschafter als je zuvor erforschen nun die abgelegenen Gebirgsregionen Taiwans und entdeckten erst vor kurzer Zeit eine Reihe von neuen Arten - darunter einen Marder, einen Maulwurf und vier Fledermausarten.

Ein Tier suchen die Wissenschafter bisher allerdings vergeblich - den Nebelparder: Als die Wälder Taiwans unter Druck gerieten, wurde die scheue Katze extrem rar. Ihr Schicksal ist bis jetzt ungewiss, doch dank der Schutzmaßnahmen, die langsam greifen, sieht die Zukunft für Taiwans Tierwelt wieder rosiger aus. Wenn der Nebelparder überlebt hat, wird vielleicht auch er bald wieder durch die Wälder der "schönen Insel“ ziehen.

Extreme Drehbedingungen

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Leopardenkatze
Quelle: ORF

Als Regisseur Nick Upton vor mehr als zwei Jahren mit den ersten Recherchen begann, stieß er unter den beratenden Wissenschaftern auf wenig Optimismus, die meinten, dass eine Reihe von Arten entweder zu selten oder zu scheu wären, um sie überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Die dichten, steilen Bergwälder, in denen die meisten Arten leben, waren voll von Schlangen und Stechmücken, Schutz vor dem häufigen stürmischen Wetter gab es so gut wie keinen, doch an harte Bedingungen und scheue Tiere gewöhnt hielt Upton an seinem Plan fest. An die warnenden Worte der Wissenschafter sollte er sich jedoch noch oft erinnern. Insgesamt verbrachten er und die Kameramänner Philip Lovel und Rolando Menardi sechs Monate auf Taiwan.

Sie mussten feststellen, dass es sich auf den engen Bergstraßen Taiwans nur langsam und vor allem gefährlich reist. Steinschlag, Vermurungen und für ungeübte europäische "Greenhorns“ ungewohnt flotter Gegenverkehr machten die Anreise zum Drehort zum Abenteuer. Im Anschluss daran folgten in der Regel stundenlange Fußmärsche durch unwegsames Terrain und mühsame Flussdurchquerungen mit auf dem Rücken festgeschnalltem Equipment. Dazu kam das launische Wetter: Während eines Filmtrips saß das Team eine gute Woche länger als geplant im Hochgebirge fest. Ein Taifun, gefolgt von dichtem Nebel, hatte die Rückkehr des Helikopters verhindert. Ein paar Stunden klaren Wetters ermöglichten es schließlich, das Team zu befreien, bevor die Vorräte zur Neige gingen.

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Taiwan's Pazifik-Ostküste
Quelle: ORF

Das Wetter bot in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Im Flachland Taiwans waren Temperaturen von 40 Grad Celsius, 100 Prozent Luftfeuchtigkeit und nicht enden wollende Regenstürme keine Seltenheit, während Minusgrade im Hochgebirge die Arbeit extrem erschwerten. Hier schwankten auch die Sichtverhältnisse binnen weniger Minuten zwischen 100 Kilometer und ein paar Meter. Selbst Taifune auf der Taifun-Insel zu filmen, geriet zum Problem: Mehrmals raste das Team aus dem Landesinneren an die Küste, um die Auswirkungen eines Taifuns auf Film zu bannen, doch oft verwandelte sich der Sturm nach ihrer Ankunft im Handumdrehen in eine leichte Brise. Insgesamt überstand das Team um Nick Upton während der Dreharbeiten, die auch durch den Ausbruch von SARS erschwert wurden, nicht nur drei Taifune, sondern auch zwei Erdbeben von der Stärke 6,5 auf der Richter-Skala. Als Upton und Kameramann Lovel aus dem Hotel auf die Straße flüchteten, ernteten sie allerdings nur milde Blicke der Taiwanesen. Schließlich bringt ein so leichtes Wackeln nur Europäer aus der Fassung.

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