Eine Frau mit schwarzem Hut läuft an einem weissen Gebäude entlang

Dokumentation

Eugenie Schwarzwald - Pionierin der Moderne

Als unangepasste Querdenkerin behauptete sich Eugenie Schwarzwald mit unermüdlicher Willenskraft und viel Charisma in einer absoluten Männerdomäne - dem Bildungswesen des 20. Jahrhunderts. - Preisgekrönte Doku!

Produktionsland und -jahr:
Datum:
Sendetermin
21.04.2024
10:40 - 11:30 Uhr
Verfügbar in
D / CH / A

Als revolutionäre Schulgründerin machte sie Mädchen den Zugang zur Bildung möglich. Die "Schwarzwald Schule" war die erste Schule in Österreich, an der Frauen maturieren konnten. Erzählt man die Geschichte der Schule, erzählt man auch die Geschichte der aufregenden Wiener Moderne... Kokoschka, Loos, Wellesz - allesamt prägende Persönlichkeiten dieser Zeit, die Eugenie als Lehrer gewinnen konnte. In der Dokumentation von Alex Wieser wird die Geschichte dieser außergewöhnlichen Frau zum ersten Mal erzählt.

Ein Mann steht vor einer Schultafel
Christoph Thim als Arnold Schönberg
Quelle: ORF/V-set/Benjamin Paya

Die junge Eugenie Schwarzwald will im Wien des Fin de Siècle den vom damaligen Bildungssystem massiv benachteiligten Mädchen bessere Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft ermöglichen. Im Alter von nicht einmal 30 Jahren kauft sie kurzerhand eine Schule und engagiert als Lehrer u. a. Oskar Kokoschka, Arnold Schönberg oder Adolf Loos.

Auf behördliche Sabotage ihrer revolutionären Pädagogik-Konzepte reagiert sie nicht frustriert, sondern kämpferisch. Wie kommt es, dass Schwarzwald heute so Wenigen ein Begriff ist?

Regisseurin Alex Wieser bereitet dieser Pionierin der Moderne die Bühne und erzählt vom Widerstreit zwischen k .u. k.-Konservatismus und den reformerischen Kräften jener Zeit.

"Genies sind im österreichischen Lehrplan nicht vorgesehen!" Antwort aus dem Unterrichtsministerium auf Eugenie Schwarzwalds Verteidigung Oskar Kokoschkas
Zwei Mädchen sitzen nebeneinander in einer alten Holzschulbank
Schülerinnnen der Schwarzwaldschule (Spielszene)
Quelle: ORF/V-set/Benjamin Paya

Das war die Replik aus dem Unterrichtsministerium, als Eugenie Schwarzwald wortreich, aber vergeblich gegen die behördliche Entfernung von Oskar Kokoschka aus ihrer Schule ankämpfte und seine Genialität hervorhob. Der junge verquälte und bettelarme Künstler konnte keine Lehramtsberechtigung vorweisen und pflegte Marotten, wie Mädchen Buntstifte in die Hand zu geben und sie nach ihrer Meinung zu fragen.

Künstlerische Betätigung wurde damals Frauen nicht zugestanden und außerdem: Sie könne ja der Gebärfähigkeit schaden. Es ist erstaunlich, wie sich Schwarzwald von behördlicher Beton-Mentalität nicht abbringen ließ und ihre Ideen konsequent weiterverfolgte.

Sie betrieb in ihrem Schulgebäude mehrere Bildungseinrichtungen, in der Volksschule etwa saßen Mädchen wie Buben in einer Klasse. Sie setzte auf Ko-Edukation, weil diese "Mädchen klüger und Knaben gesitteter" machen würde.

Dabei wurde in Wien nicht einmal ihr in der Schweiz erworbener akademischer Titel anerkannt. So kam es, dass sie einen von ihr engagierten Lehrer als Schuldirektor einsetzen musste. Ein Strohmann, denn natürlich zog sie im Hintergrund weiter die Fäden. Von ihren Freunden wurde sie nur noch "Fraudoktor" genannt - immer in einem Wort geschrieben.

Ein Mann mit Schnurrbart
Adolf Loos, gespielt von Benjamin Turecek
Quelle: ORF/V-set/Benjamin Paya

Legendär sind die Feste, die Eugenie Schwarzwald gemeinsam mit ihrem Ehemann in ihrem Salon ausrichtete: Zum einen, weil absolutes Alkoholverbot bestand, zum anderen, weil sich dort "toute Vienne", jedenfalls die Avantgarde der Stadt, einfand. Schwarzwald ging es nicht um das Einsammeln von Prominenz, sondern von Talenten, die sie miteinander vernetzte. Zu organisieren und zu helfen war ihr in die DNA eingeschrieben. Ein inniges Verhältnis pflegte sie zu Adolf Loos, der bei ihr unterrichtete und Inneneinrichtungen gestaltete. Er sollte auch ihr Lebenswerk architektonisch umsetzen: ein Schulzentrum auf dem Semmering.

Schwarzwald spielte außerdem eine Rolle, als es zum skandalösen Prozess gegen Loos kam: Er hatte zwei acht-bzw. zehnjährige Mädchen nackt gemalt und missbraucht. Der Architekt verantwortete sich mit einem "sittlichen Aufnahmetest", den er für Schwarzwalds Schule durchgeführt habe. Eugenie war erschüttert und wies diese Darstellung zurück, verteidigte den Pädophilen dennoch als großen Künstler.

Das geplante große Schulzentrum am Semmering sollte nie Realität werden, das Nazi-Regime kam dem zuvor. Der Jüdin Eugenie Schwarzwald gelang - schon schwer von einer Krebserkrankung gezeichnet - die Flucht. 1940 starb sie in Zürich.

Eine Dokumentation von Alex Wieser.

Auszeichnung:

Die Dokumentation "Eugenie Schwarzwald - Pionierin der Moderne" wurde im April 2024 mit dem Franz-Grabner-Preis für humanistisches Dokumentarfilmschaffen im Bereich Fernsehen und Kino als beste TV-Doku ausgezeichnet.

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