Dokumentation
Die rote Erzherzogin
Elisabeth Marie Petznek wurde 1883 als Tochter von Kronprinz Rudolf geboren. Um Otto zu Windisch-Graetz heiraten zu dürfen, legt sie ihren erzherzoglichen Rang nieder.
- Produktionsland und -jahr:
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- Datum:
- Sendetermin
- 13.10.2026
- 22:25 - 23:15 Uhr
Erzsi, so ihr Spitzname, fährt Automobil, raucht und kümmert sich wenig um das, was die Wiener Gesellschaft von ihr hält. Sie engagiert sich bei den Sozialdemokraten, heiratet in zweiter Ehe einen Funktionär. Elisabeth Marie Petznek geht als "rote Erzherzogin" in die Geschichte ein.
Mehr zum Inhalt:
Geboren wird Elisabeth Marie am 2. September 1883 in Schloss Laxenburg, als erste Enkelin von Kaiser Franz Joseph in direkter Linie. Kronprinz Rudolf nennt seine Tochter zärtlich Erzsi.
Fünf Jahre später erschießt er sich in Mayerling. Dem Kind sagt man, der Vater sei bei einem Jagdunfall gestorben. Die Wahrheit erfährt Erzsi erst als junge Frau.
1902 tut sie das Unerhörte. Um Otto zu Windisch-Graetz heiraten zu dürfen, einen Prinzen ohne Thron, legt sie ihren erzherzoglichen Rang nieder.
Viele Alleinentscheidungen
Quelle: PAMMER FILM
Es ist die erste große Entscheidung, die sie allein trifft. Vier Kinder kommen zur Welt, die Ehe zerbricht über die Jahre. Erzsi fährt Automobil, raucht, kümmert sich wenig um das, was die Wiener Gesellschaft von ihr hält.
1918 bricht ihre Welt zusammen. Nach mehr als sechshundert Jahren endet die Herrschaft der Habsburger, der Adel wird abgeschafft. Für die meisten ihrer Familie ist das eine Katastrophe, für Erzsi wird es eine Befreiung.
Der Weg in die Sozialdemokratie ist kein Sprung, sondern ein langer Gang: Die Annäherung beginnt in den Revolutionsjahren, der formelle Beitritt erfolgt Jahre später. Auf ihrem Gut Schönau bei Bad Vöslau macht sie ihre Überzeugung praktisch, richtet einen Kindergarten für Arbeiterkinder ein, unterstützt die Roten Falken, öffnet den Schlosspark für Kinder, die sonst nie einen Garten hätten.
Vom Erzhaus in die Sozialdemokratie
Der Film hält einen Widerspruch offen, statt ihn aufzulösen: Ob sie eine Überzeugungs-Sozialistin war oder eine wohltätige Aristokratin, darüber wird bis heute gestritten. In Schönau versammelt sie zugleich Medien und Magier um sich und hält Séancen ab. Der Spiritismus ist die große Mode der Zeit, für viele gebildete Menschen eine neue Wissenschaft. Bei Erzsi trifft er auf eine Biografie, in der die Toten kein Randthema sind. Wer alle verloren hat, sucht überall nach den Verstorbenen. 1934 wird die Partei, für die sie sich entschieden hatte, verboten, 1938 marschiert die Wehrmacht ein. Der nächste Bruch geht quer durch die Familie: Erzsis Sohn Rudi wendet sich dem Nationalsozialismus zu. Als er 1939 stirbt, wird sein Begräbnis vor der Karlskirche zur NS-Inszenierung, mit aufgefahrener NSKK-Formation. Mittendrin die Mutter im Trauerschleier, die sitzen bleibt, während die anderen den Arm heben.
Halt hat sie nach Ende der Monarchie bei Leopold Petznek gefunden, einem sozial-demokratischen Lehrer und Funktionär aus einfachsten Verhältnissen. 1948 heiraten die beiden. Als er 1956 stirbt, zieht sie sich fast vollständig zurück. Rund fünfhundert Gemälde und Kunstgegenstände schenkt sie der Republik Österreich, mit strengen Auflagen: nichts versteigern, nichts ins Ausland. Ihre Kinder enterbt sie weitgehend. Am 22. März 1963 stirbt Elisabeth Petznek im 80. Lebensjahr. Während ihre Geburt mit Salut-Schüssen in der gesamten Donaumonarchie begrüßt wurde, sind bei ihrem Begräbnis kaum fünfzig Menschen anwesend, der prominenteste Gast ist der damalige Außenminister Bruno Kreisky.
Ein Film Wolfgang Winkler.