Wissen

Männlich – toxisch? – Männer und ihre Rollenbilder

Längst überwunden geglaubte Rollenbilder sind wieder auf dem Vormarsch, insbesondere bei jungen Männern. Moderatorin Stephanie Rohde spricht mit ihren Gästen über die Ursachen und Folgen.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2026
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 21.05.2031

Viele heranwachsende junge Männer haben ein Identitätsproblem. Auf der Suche nach Vorbildern werden sie vermehrt auf Social-Media-Kanälen fündig, wo eine gefährliche Riege von Männlichkeitserklärern ein autoritäres Männer -und traditionelles Frauenbild glorifiziert.

Traditionelle Rollenbilder vs. neue Männlichkeitskonzepte

Dieser Backlash traditioneller Rollenbilder ist kein Zufall und nicht nur das Ergebnis normaler soziokultureller Prozesse innerhalb der Gesellschaft: Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass er vielfach politisch motiviert und gesteuert ist. Sogenannte Alpha-Male-Narrative transportieren rechtspopulistische bis rechtsextreme Ideologien mit den entsprechenden Deutungsmustern – mit allem, was nach dieser Vorstellung dazugehört: körperliche Kraft und Stärke bis hin zur Akzeptanz von Gewalt als Normalität.

Wie ein neues Männerbild entstehen kann

In diesem Zusammenhang gehört auch das lange vorherrschende Frau-Mann-Schema, nicht selten verbunden mit der Legitimation von Gewalt gegenüber Frauen. Gleichzeitig entwickelt sich aber ein wissenschaftliches und gesellschaftliches Interesse an neuen Vorstellungen von Männlichkeit jenseits traditioneller Normen und stattdessen geprägt von emotionaler Intelligenz, Gefühlen, Gleichberechtigung und ganz neuen Identitätsformen.

Wie lassen sich die gegensätzlichen Prozesse und Entwicklungen erklären? Wie kann es gelingen, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem sich innovative Formen männlicher Identität entwickeln können – ohne dass die Diskussion ideologisch oder politisch instrumentalisiert wird? Welche Rolle spielt das Selbstverständnis der Frauen dabei? Über diese und andere Fragen diskutiert Stephanie Rohde mit ihren Gästen.

Die Gäste

Prof. Dr. Esther Lehnert ist Sozialwissenschaftlerin an der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Sie forscht und lehrt zu Rechtsextremismus, Antisemitismus und antifeministischen Ideologien. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt an der Schnittstelle von Genderforschung und Extremismusforschung. Hier gilt ihr Interesse u.a. dem Zusammenhang zwischen Geschlechterbildern, Männlichkeitsnormen und Antifeminismus als zentralen Bindegliedern radikaler und demokratiefeindlicher Bewegungen. Esther Lehnert zeigt, dass Fragen zu Geschlecht und Geschlechterrollen keine Randthemen sind, sondern Schlüssel zum Verständnis gesellschaftlicher Machtverhältnisse, Gewalt und politischer Radikalisierung. Sie verbindet ihre wissenschaftliche Arbeit mit politischer Bildungsarbeit und Demokratieförderung.

Dr. Dieter Lukas ist Evolutionsbiologe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und erforscht das Verhalten sowie die Sozialgeschichte des Menschen- Schwerpunkte: u.a. Fürsorge, Konkurrenz und Kooperation. Dieter Lukas untersucht, wie sich soziale Strukturen über Jahrtausende entwickelt haben und welchen Einfluss sie auf die heutigen Geschlechterrollen haben. Seine Forschung zeigt, dass Dominanz, Aggression oder Führungsanspruch keine naturgegebenen Konstanten sind, sondern evolutionär vielfältige und variable Strategien darstellen. Auch die häufig polarisierend diskutierten biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen betrachtet Lukas differenziert auf der Grundlage aktueller Forschung.

Björn Süfke ist Psychologe. Er ist einer der profiliertesten Beobachter moderner Männlichkeitsbilder. Seit vielen Jahren arbeitet er in der Beratungsstelle man-o-mann in Bielefeld mit Männern, die zwischen Leistungsdruck, emotionaler Zurückhaltung und neuen Rollenerwartungen ihren Platz in einer sich wandelnden Gesellschaft suchen. Süfke analysiert, wie gesellschaftliche Vorstellungen von „Männlichkeit“ psychisch wirken. Er diese Erfahrung mit dem Blick auf die Einflüsse von Kultur und Gesellschaft und macht sichtbar, wie Männer heute zwischen alten Prägungen und neuen Ansprüchen stehen. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, darunter die Bücher Männerseelen und Männer: Was es heute heißt ein Mann zu sein.

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