Ein Polizist holt einen Flüchtling vom Zaun in Melilla herunter © reuters
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Der Zaun in Melilla wurde 2005 modernisiert - dennoch schaffen es Flüchtlinge immer wieder drüber.
Ein Schutzwall für Europa
Der Zaun in Melilla ist das Symbol für die Festung Europa
Europa wird in den nächsten Jahren seine Grenzverteidigung ausbauen. Mauern und Zäune waren gestern. Sind Hightech-Systeme die Zukunft?
Es würde mindestens 2000 Milliarden Euro kosten, die 7721 Kilometer Landesgrenzen des Schengen-Raums einzuzäunen und zu sichern. Doch können Mauern und Hochsicherheitszäune Europa vor illegaler Einwanderung, Kriminellen und Terroristen schützen?

Der Zaun der spanischen Exklave Melilla in Nordafrika ist mehr als sechs Meter hoch und elf Kilometer lang. 2005 wurde er für 33 Millionen Euro modernisiert: Nun sind es insgesamt drei Barrieren, geneigt und mit speziellem Gitter verstärkt, was es unmöglich machen sollte, mit Fingern oder Füßen Halt zu finden. Mehr als 300 Polizisten bewachen ihn nur auf spanischer Seite. Allein die Wartungskosten belaufen sich auf 154.000 Euro pro Kilometer Zaun pro Jahr.

Der Zaun in Melilla ist Europas deutlichstes Signal an die Außenwelt, dass es für sich bleiben will. Doch manchen gelingt der Sprung über den Zaun dennoch. Alle paar Wochen stürmen sie los. Manchmal zu Hunderten, weil sie nur so die Grenzpolizisten überrumpeln können. Mehr als 1000 haben es allein an einem Tag im Mai 2014 versucht, 400 kamen durch.

Wenn Laub und Wassertropfen mit Flüchtlingen verwechselt werden
2007 entwickelten die US-Amerikaner auf Initiative des damaligen Präsidenten George W. Bush die elektronische virtuelle Barriere SBI, Secure Border Initiative: Radarüberwachung, Kameras, Bewegungsdetektoren. Doch 2010 wurde das Projekt durch den amerikanischen Rechnungshof geprüft und für zu teuer und technisch nicht ausgereift befunden: Die Radargeräte seien zu empfindlich - lösten Alarm aus, sobald Regentropfen auf die Kameras gerieten. Bewegungsmelder verwechselten das vom Winde verwehte Laub von Sträuchern mit heimlichen Immigranten. Und sie konnten Tiere von Menschen nicht unterscheiden.

Um die 3200 Kilometer lange Grenze zu sichern, würden die Arbeiten 320 Jahre dauern und circa 40 Milliarden Dollar kosten, berechneten die Prüfer vom Rechnungshof. 2011 wurde SBI aufgegeben. Das Projekt hatte den Steuerzahler bis dahin mehr als eine Milliarde Dollar gekostet und hat dabei nur 85 Kilometer abgedeckt.

Absolute Kontrolle von Landesgrenzen kann es nicht geben
An den Beispielen aus den USA und Spanien wird deutlich, dass es keine absolute Kontrolle von Landesgrenzen geben kann, egal wie hoch der Aufwand betrieben wird. Aber es ist ein lukratives Geschäft für die Unternehmen, die die Sicherheitstechnik liefern. Weil Europas Außengrenzen zu mehr als 42.000 Kilometern auch im Mittelmeer verlaufen, kommen Patrouillenboote, Drohnen und Satelliten inklusive Software hinzu, um Daten über Migranten zu sammeln. Das hält nur die Ärmsten der Armen davon ab, nach Europa einzureisen. Für alle anderen treibt es die Kosten der Schlepper in die Höhe und das persönliche Risiko, auf der Flucht umzukommen.

Sendedaten
Erstausstrahlung
Ein Schutzwall für Europa
Donnerstag, 4. Mai 2017
20.15 Uhr in 3sat
Rückblick: Kulturzeit
Grenzen schützen!
Festung Europa - ja oder nein? Für den Demografie-Experten Reiner Klingholz steht die Grenzsicherung im Vordergrund: "Es geht weniger darum, eine Festung aufzubauen", sagt er, doch jeder souveräne Staat sei beauftragt, "seine Grenzen zu schützen, damit nicht jeder sie unkontrolliert passiert".
US-Haushaltsstreit beigelegt
Kein Geld für die Mauer
Grenzsicherung ist teuer. Beispiele wie Melilla und Brasilien zeigen: Mauern und Zäune kosten viele Millionen. Donald Trump steht mit seinem Versprechen vor einem Geldproblem.
Glossar
Mauern, Zäune und Sperranlagen weltweit
Als im Jahr 1989 die Berliner Mauer fiel, gab es weltweit 16 Sperranlagen. Heute sind 65 Mauern oder Zäune in Planung oder bereits errichtet.
Nach-Lese
Der Sprechertext der Wissenschaftsdoku zum Nachlesen (PDF)