Hanfpflanze
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Die Hanfpflanze wird vor allem in Indien, im Iran und in Afghanistan angebaut.
Cannabis gegen Krebs
Wissenschaftliche Hinweise mehren sich: Cannabis wirkt auf Tumore
Cannabisöl soll Krebs heilen. Auch deutsche Schmerzpatienten können seit 2017 Cannabis auf Rezept in der Apotheke bekommen - allerdings nur als Blüten oder Extrakt.
Blüten und Extrakt werden grundsätzlich wie alle anderen verschreibungspflichtigen Medikamente behandelt, sind allerdings nicht identisch mit dem Öl. Erste wissenschaftliche Studien deuten an, dass der psychoaktive Inhaltsstoff der Hanfpflanze, das THC, tatsächlich das Tumorwachstum bremsen kann. Doch was bedeutet dies für die Krebsforschung?

Erfolgsgeschichten im Internet lassen Patienten hoffen
Im Internet wimmelt es von Geschichten über Heilung durch ein Cannabisöl.
Im Internet wimmelt es von Geschichten über Heilung durch ein Cannabisöl.
Renate leidet an einem inoperablen Hirntumor. Ihre Prognose ist sehr schlecht, aber weder sie noch ihre Tochter wollen das hinnehmen. Nach langem Suchen im Internet hat sich Renate ein Cannabismedikament verschreiben lassen. Ihre Hoffnung basiert auf einem regelrechten Hype, der sich in der letzten Zeit wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet: Cannabis heilt Krebs! Internetforen und Facebookgruppen sind voll von anekdotischen Erfolgsgeschichten. Die Israelin Natalie hat - wie viele andere Krebspatienten - Chemotherapie und Bestrahlung abgebrochen und setzt alles auf die heilende Wirkung eines Cannabisöls. Woher kommt der Hype um dieses Öl und was steckt dahinter?

Kanadier will etliche Menschen mit Cannabisöl geheilt haben
David Meiri aus Israel untersucht die Wirkung von Cannabis auf Tumorzellen.
David Meiri aus Israel untersucht die Wirkung von Cannabis auf Tumorzellen.
Erste Hinweise führen zu Rick Simpson. Der Kanadier behauptet, seinen eigenen Hautkrebs mit Cannabisöl geheilt zu haben. Angeblich hat er etlichen Menschen das Leben gerettet: Tausende hätten das Öl nach seinem Rezept hergestellt und überlebt. Doch Beweise gibt es dafür nicht. Stattdessen finden sich erste Hinweise auf die Wirksamkeit in der Wissenschaft. Der Rostocker Pharmakologe Burkhard Hinz hat es geschafft, mit einem Cannabismolekül Tumorzellen regelrecht zum Platzen zu bringen. Der Biologe David Meiri aus Israel untersucht gerade die Wirkung von verschiedenen Cannabissorten auf Tumorzellen. Warum tötet eine Cannabiskonzentration Brustkrebszellen - und zeigt keine Wirkung auf Pankreaskrebs?

In Israel bekommen 24.000 Patienten Cannabis verschrieben
Der Spanier Manuel Guzman hat die weltweit erste Studie an Patienten durchgeführt und nachgewiesen, dass THC das Tumorwachstum bremst. In Israel wird Cannabis in Mengen verschrieben wie nirgendwo sonst auf der Welt. 24.000 Patienten bekommen es mittlerweile auf Rezept, 40 Prozent davon haben Krebs. Doch durch Cannabis geheilte Patienten findet man dort nicht. Auch in Deutschland gibt es Fallbeispiele: Sven Gottschling behandelt an der Kinderklinik in Homburg den elfjährigen Luca mit einem THC-haltigen Medikament. Luca leidet an einem inoperablen Gehirntumor. Für ihn und seine Mutter ist es ein "Wundermittel", denn es hilft gegen das ständige Erbrechen und die Spastiken, die der Tumor auslöst.

In einer ersten Bilanz fragen die Autoren der Wissenschaftsdoku: Was kann Cannabis als Krebsmedikament und wo sind seine Grenzen?

Sendedaten
"Cannabis gegen Krebs" am Donnerstag, 26. Oktober 2017 ab 20.15 Uhr in 3sat

Erstausstrahlung: 28.01.2016
Info
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© reuters
nano
© dpa
Glossar
Cannabis sativa
Cannabis sativa gehört zur Gattung der Hanfgewächse. Botaniker unterscheiden zwischen gewöhnlichem Hanf (C. sativa) und dem indischen (C. sativa var. indica).