Lucy ist das bekannteste Fossil von Australopithecus afarensis. Lucy gehörte zu den ersten Gattungen, die den aufrechten Gang wie beim modernen Menschen aufwiesen.
Unterwegs im Auftrag der Evolution
Neil Shubin hat eine Mission: Er will sogenannte Brückentiere der Evolution finden. Einmal im Jahr hält es den Leiter des Instituts für organische Biologie und Anatomie an der Universität von Chicago nicht mehr in den kleinen Räumen seines Labors.
Dann macht er sich in die entlegensten Regionen der Welt auf, um nach Überresten von Lebewesen vergangener Erdzeitalter zu suchen. Er will Fossilien finden, die uns die fehlenden Teile im großen Puzzlespiel der Evolution liefern können. Tiere, die halb Fisch, halb Amphibie oder halb Reptil, halb Vogel sind, die die Merkmale verschiedener Gruppen in sich vereinen und als Bindeglieder zwischen verschiedenen Tierarten, Klassen oder gar Tierstämmen fungierten. Und das ist richtige Detektivarbeit - heute genauso wie im 19. Jahrhundert, als Charles Darwin die Evolutionstheorie begründete.

An den grundlegenden Dingen einer Expedition hat sich seither aus Shubins Sicht nicht viel verändert: Allerdings stehen Shubin heute bestes geologisches Kartenmaterial und moderne technische Hilfsmittel für die Umsetzung seiner Vorhaben zur Verfügung, ganz anders als das bei Charles Darwin der Fall war.

Sensationsfund Tiktaalik
iktaalic ist der erste Fisch, der an Land ging.
Wenn die Geschichte des Lebens auf der Erde ein schrittweiser Wandel der Organismen von einfachen Einzellern bis zu hochkomplexen Pflanzen und Lebewesen ist, muss es auch Brückentiere geben, die diesen ständigen Wandel untermauern. Eines dieser faszinierenden Brückentiere ist das australische Schnabeltier: ein lustig anzusehendes Säugetier mit Schnabel und Schwimmhäuten. Es ist ein Beleg für den Übergang von Eier legenden Reptilien zu den lebendgebärenden Säugetieren. Entdeckt wurde es schon einige Jahre, bevor Darwin seine evolutionsbiologischen Forschungen betrieb, und es bereitete den Naturwissenschaftlern 1799 ziemliches Kopfzerbrechen: Als man das Fell des Schnabeltiers zur Untersuchung nach London sandte, hielten die englischen Anatomen es zunächst sogar für einen Scherz, von geschickten Präparatoren zusammengebaut. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist der Quastenflosser. Dieser Fisch aus den Tiefen des Indischen Ozeans galt mit seinen muskulösen Flossen lange Zeit als Paradebeispiel für eine mögliche Übergangsform vom Leben im Wasser zum Leben an Land.

Inzwischen ist das Fossil entdeckt, das den evolutionären Übergang von den Fischen zu den Landwirbeltieren belegen soll. Gefunden hat es Neil Shubin, und seine Entdeckung war in der Wissenschaft eine echte Sensation: Der sogenannte Tiktaalik ist halb Fisch, halb Amphibie. Vor 375 Millionen Jahren war dieser modifizierte Fisch, der bis zu zweieinhalb Meter groß werden konnte und dessen Name in der Sprache der Inuit so viel bedeutet wie "Großer Süßwasserfisch", vermutlich das erste Wirbeltier, das einen Fuß auf die Erde setzte.

Die Suche geht weiter
Im südafrikanischen Karoo Becken untersuchen Roger Smith (links) und Neil Shubin das Fossil eines Raubtiers aus der Perm-Periode.
Mit der Entdeckung des Tiktaalik sind einige Fragen der Evolutionsbiologie beantwortet. Doch zur Ruhe setzen können sich Forscher wie Neil Shubin deswegen noch lange nicht: "Jedes Bindeglied, das wir finden, lässt zwei neue Lücken im Fossilienbericht entstehen und wirft neue Fragen auf", sagt er. So gesehen, erscheint die Evolutionsforschung heute wie vor 150 Jahren als großes unvollendetes Werk, das nimmermüde Biologen in die Fremde zieht - immer auf der Suche nach neuen fossilen Fundstücken.

Die Wissenschaftsdoku nimmt uns mit auf eine Reise von Afrika bis zum Nördlichen Polarkreis, um uns in drei Teilen die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Körpers zu erzählen.

Doku-Reihe zum Thema
Die Wissenschaftsdoku nimmt uns mit auf eine Reise von Afrika bis zum Nördlichen Polarkreis, um uns in drei Teilen die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Körpers zu erzählen.
Teil 1
Der Fisch in uns
28. September 2017, 16.45 Uhr
Teil 2
Das Reptil in uns
28. September 2017, 17.35 Uhr
Teil 3
Der Affe in uns
28. September 2017, 20.15 Uhr
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scobel: Das große Artensterben
Juchtenkäfer blockieren die Fällung von Bäumen. Die Zauneidechse gerät in Misskredit, weil sie die Baupläne von Großbahnhöfen durchkreuzt. Wieviel sind wir bereit auszugeben für den bedrohten Pandabären?