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Burnout und Boreout - beides sind Fehlbelastungen
Thema zur Sendung "Tödliche Langeweile"
Der vierte Tag des Selbstversuchs beginnt. Nachdenklich ist Stefan auf dem Weg in sein Einzelbüro. Noch zwei weitere Tage ohne Arbeit liegen vor ihm. Wenigstens weiß er, wann die Trostlosigkeit ein Ende haben wird.
Stefan Witte:
"Meine Stimmung ist eher schlecht, ich habe extrem wenig Lust jetzt acht Stunden in diesem Raum zu verbringen und nichts zu tun zu haben. Mir ist es auch heute Morgen sehr, sehr schwer gefallen aus dem Bett zu kommen und diesen Weg hierher anzutreten. Ich habe ganz kurz überlegt, ob ich das Ganze abbrechen soll."

Stefans letzte Kräfte werden geweckt. Er fängt an zu basteln. Englische Wissenschaftler fanden heraus, dass ein vorübergehender Leerlauf oder kurze monotone Tätigkeiten Regionen im Gehirn aktivieren, die bei geistiger Anstrengung ausgeschaltet sind. Danach ist man kreativer.

Lupe
Seit Beginn seines Selbstversuches vor vier Tagen fehlt auch Stefan Anerkennung und Wertschätzung im Beruf. Da er keine Aufgabe hat, kann er auch kein Lob ernten. Bei den meisten ist Resignation die Folge. Stefan hingegen weiß, der Selbstversuch neigt sich seinem Ende zu. Am frühen Nachmittag wird ihm auch noch seine letzte Ablenkungsmöglichkeit genommen.

Stefan Witte:
"Ich fühle mich ziemlich alle, ziemlich platt und leer vom Nichtstun, vom Rausstarren, vom lethargisch herumsitzen. Hätte ich nicht gedacht, hätte ich nicht vermutet, dass das so anstrengend sein kann. Ich verspüre leichte Kopfschmerzen und bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich morgen eigentlich wieder ins Büro kommen soll. Ja, ich bin kurz davor diesen Selbstversuch abzubrechen, ganz ehrlich. Ich weiß überhaupt nicht, was ich morgen hier soll."

Der fünfte Tag des Selbstversuchs beginnt: Der Gang ins Büro fällt Stefan offensichtlich schwer. Zweiunddreißig Stunden hat er es jetzt schon in dem Einzelbüro ausgehalten - ohne sinnvolle Beschäftigung. Stefan aktiviert seine letzten Ressourcen - und misst den Raum aus. Mehr bleibt ihm zum Zeitvertrieb nicht.

Alleine mit sich und seinen Gedanken
Lupe
Michaela Brohm, Motivationsforscherin:
"Boreout und Burnout, beides sind Fehlbelastungen, beides sind Fehlbelastungen die in der einen Richtung zu Überforderung und in der anderen zu Unterforderung führen. Und diese Fehlbelastungen führen eben zu sehr ähnlichen Symptomen und das ist das Interessante. Ob man gestresst ist oder ob man sich sehr stark langweilt, man kann die gleichen Symptome zeigen: Lustlosigkeit, Frustration, Müdigkeit und letztendlich dann in einer starken Steigerung Depression auch."

Ohne Aufgabe und ohne Arbeitsmaterialien ist Stefan jetzt ganz allein mit sich und seinen Gedanken. Dass alle seine Reaktionen auf Video aufgezeichnet werden, hat er nach fünf Tagen fast vergessen. Eine willkommene Abwechslung bietet ihm das mittägliche Essen. Wie Stefan ergeht es tausenden Patienten in Krankenhäusern und Bewohnern von Altenheimen. Die Mahlzeiten sind kurze Unterbrechungen der Monotonie.

Stefan Witte:
"Das Highlight es Tages habe ich jetzt hinter mir und das war das Mittagessen."

Die Minuten am letzten Versuchstag ziehen sich wie klebriger Honig. Stefan schläft. Stefan grübelt.

Stefan Witte:
"Ich habe fast die Hälfte des letzten Tages geschafft und jetzt ist meine Stimmung komplett auf dem Nullpunkt. Ich habe das Gefühl, ich habe keine Reserven mehr, um noch länger dieses Experiment, diesen Selbstversuch weiter durchzuführen. Es reicht mir einfach und ich will hier nur noch raus."

Stefan bricht den Versuch ab. Am Mittag des fünften Tages ist seine Geduld am Ende. Tapfer hat er bis hierher durchgehalten. Für viele, die in ähnlichen Arbeitssituationen wie Stefan verharren müssen, ist aufgeben keine Option.

Sendedaten
23.07.2015, 20.15 Uhr

Erstsendung: 25.09.2014
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