© ZDF, Jürgen Naber
Katrin Bauerfeind
Katrin Bauerfeind
Bauerfeind liest
... und zwar alles, was Unterhaltung bringt
Lesen, quatschen und Spaß haben, heißt die Devise. Vom literarischen Werk bis zur Gebrauchsanleitung ist alles dabei, wenn Katrin Bauerfeind,TV-Moderatorin und Autorin, im Berliner ewerk mit ihren Gästen die Seiten aufschlägt. Ein Abend zwischen Comedy und Literatur, Lesung und Late-Night-Show. Mehr dazu verrät sie im Interview ...
Frau Bauerfeind, welches Buch lesen Sie gerade?
"Sick in the Head - Conversations About Life and Comedy" von Regisseur Judd Apatow. Der ist bekennender Comedy-Nerd und hat für dieses Buch sehr interessante Gespräche mit seinen Lieblingscomedians geführt. Von Louis CK über Jim Carrey bis Sarah Silverman.

Hätte es eine Chance, in Ihre neue Sendung zu kommen? Was muss ein Buch denn dafür mitbringen? Vor allem Humor?
Klar, so ziemlich alles hat eine Chance, in der Sendung vorzukommen. Es müssen auch nicht zwingend Bücher sein. Von Gebrauchsanweisungen und Tagebüchern bis Hatemails und Liebesbriefen kann alles vorgelesen werden, Hauptsache, es ist unterhaltsam. Wir planen ja eine Show. Eine Mischung aus Comedy-Readings, Talk und Kindergeburtstag mit Niveau. Vorlesen ist nicht länger analogen Eltern vorbehalten, die versuchen, ihre Kleinen ohne Internet ruhigzustellen, oder Autoren, die in staubigen Buchhandlungen vor hüstelndem Publikum sitzen. Vorlesen ist Fun, hip und längst eine eigenständige Kunstform.

Verraten Sie uns doch, was uns in dieser Sendung erwartet. Bekommt das "Literarische Quartett" jetzt Konkurrenz?
Ich lade zu einem Thema wie "Frauen", "Macht" oder "Essen" jeweils zwei großartige Kollegen ein, die ihre Lieblingstexte dazu mitbringen, und dann geht's los: Wir lesen, quatschen und haben Spaß. Es darf, wie gesagt, alles vorkommen, von Goethe bis Tinder.

Sie haben mal geschrieben, dass Männer keine Bücher kaufen, geschweige denn welche lesen. Wollen Sie jetzt etwas dagegen unternehmen?
Die Statistik besagt, dass Männer keine Bücher kaufen. Männer lesen anscheinend nicht so gern. Ich habe da keinen missionarischen Ehrgeiz. Ich will auch nicht den Buchhandel retten. Aber vielleicht ist den Männern bislang einfach auch nur noch nicht das Richtige vorgelesen worden.

Müssen Sie Optimistin sein, wenn Sie in Zeiten von Facebook, Instagram und Snapchat eine Leseshow auf die Bühne bringen?
Bei 3sat denkt man berufsbedingt wahrscheinlich bei Lesen immer gleich an dicke Bücher und Kultur, in einem eher abschreckenden Sinn. Bei mir geht's aber um alles, was man lesen kann, und gerade das Netz ist doch voll von Texten aller Art. Neulich habe ich eine Umfrage unter jungen Leuten gemacht und gefragt, ob sie noch lesen, und einer hat mir geantwortet: "Ja, sicher lese ich. Ziemlich viele WhatsApp-Nachrichten!" Am Ende kommt's auf die Auswahl an, zack, schon ist man wieder superhip und superattraktiv für die People unter 50!

In Ihren Büchern schreiben Sie von sehr lebensnahen Alltagssituationen und davon, wie man sich als Frau da hindurchnavigiert. Dann haben Sie sicherlich selbst schon mal einen Ratgeber gelesen. Verraten Sie uns, welchen?
Mein aktuelles Buch heißt "Hinten sind Rezepte drin - Geschichten, die Männer nie passieren würden", und es ist eine Sammlung von lustigen Kurzgeschichten. Obwohl wir schon 2017 haben, sind mir noch ein paar merkwürdige Dinge aufgefallen. Zum Beispiel: Wenn ein Mann mit einem technischen Gerät, sagen wir, einem Drucker nicht klarkommt, ist für ihn auf jeden Fall das Gerät defekt. Wenn dagegen der Frau der Lockenstab kaputtgeht, dann überlegt sie, ob ihre Haare vielleicht eine Zumutung für's Gerät waren. Ich kenne Frauen, die sich über ein versalzenes Essen im Restaurant nicht beschweren, um dem Koch keine Umstände zu machen. Andererseits habe ich von einigen Männern schon gehört: "Ich lass im Restaurant prinzipiell die erste Flasche Wein zurückgehen, damit direkt mal alle wissen, mit wem sie es zu tun haben." Da könnten Frauen manchmal ein wenig forscher werden, aber unabhängig davon ist mein Buch das Gegenteil von einem Ratgeber.

Sie haben mal gesagt, dass Sie sich nicht gerne einer bestimmten Art von Feminismus zuordnen lassen möchten, und wenn überhaupt dem Humorfeminismus. Was heißt das - und gibt es weibliche Vorbilder?
Feminismus und Katholizismus ähneln sich ja oft in Sachen Humorlosigkeit. Was schade ist. Das Frauenthema zumindest steht völlig zu Unrecht in der unlustigen Ecke. Ich bin ja mit "Hinten sind Rezepte drin" auf Tour, und dann kommen Männer nach dem Auftritt und sagen: "Sogar ich als Mannhab' gelacht", als wäre es irgendwie ein Wunder, wenn man als Mann Witze einer Frau gut findet. Vorbilder in dem Sinne habe ich nicht, aber es gibt wahnsinnig viele tolle und lustige Frauen da draußen. Carolin Kebekus zum Beispiel.

Was ist für Sie guter Humor? Hat Humor auch Grenzen?
Mir hat kürzlich ein Amerikaner erklärt, die Deutschen seien deshalb nicht lustig, weil sie immer Recht haben wollen. Ich widersprach. Dann sehe ich kurz darauf im Fernsehen eine Frau, die auf die Frage, mit wem sie lieber mal einen Tee trinken würde - Petry oder Putin -, sagt: "Mit keinem von beiden würde ich Platten auflegen wollen!" Da lacht der Moderator erst herzlich über die Pointe und sagt dann: "Äh, Sie meinen doch sicher CDs!? Platten hat man ja eigentlich gar nicht mehr!" Das war's dann mit der guten Stimmung. Der Ami hatte Recht, und für mich sind bei diesem Beispiel definitiv die Grenzen des guten Humors erreicht.

Wir kennen witzige und schlagfertige Menschen auf der Bühne, die privat aber eher schüchtern und zurückhaltend sind. Wie ist das bei Ihnen, Frau Bauerfeind?
Bei mir ist es genau andersrum. Ich bin öffentlich eher schüchtern und zurückhaltend und privat sehr lustig und aufgedreht. Sollten irgendwann Privatvideos von mir auftauchen, bin ich tatsächlich erledigt.

Sie sind nicht nur Entertainerin, Comedian und Buchautorin, sondern auch Schauspielerin. Wie gelingt Ihnen der Spagat?
Das frage ich mich auch manchmal: Wie kann man in so vielen Dingen so gut sein? Spaß! Für mich ist es absolut kein Spagat, man drückt sich nur auf verschiedene Arten aus. Meistens ist es eine Ergänzung oder eine Weiterentwicklung.

"Lasst euch nicht vorschreiben, wie Ihr auszusehen habt!", so beginnen die ersten vier Gebote von Brigitte, dem weiblichen Gott in Ihrem Buch "Hinten sind Rezepte drin". Und sie enden mit der Aufforderung "Kümmert euch gefälligst um das, was wichtig ist!" Was ist denn wichtig, Frau Bauerfeind?
Passen Sie auf, die Frauenquote im Vatikan liegt noch unter der von den meisten DAX-Konzernen. Nämlich bei null Prozent. Alle Weltreligionen sind von Männern erfunden worden, und ich dachte, es wird Zeit für die weltweit erste Frauenreligion. Nur fair, oder? Und bei allem Spaß geht’s am Ende jedenfalls für mich nicht darum, ob wir Achselhaare haben sollten oder ob das irgendwer ekelhaft findet. Es geht auch nicht um ein paar Dellen am Hintern oder Falten. Schuhe, Make-up, Haare, der ganze Tinnef, das können tolle Hobbys für Frauen sein, genauso wie für Männer Fußball, Bierchen und Grillen. Aber am Ende kann das nicht wichtiger sein als die Frage, wann wir gleichberechtigt in Führungsetagen sitzen oder für den gleichen Job das gleiche Geld bekommen.

Sendung
© ZDF und Jürgen Naber Bauerfeind - Die Leseshow
Eine Mischung aus Comedy-Reading und Late-Night-Show - aus dem ewerk in Berlin.