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Die Literaturtage hinterlassen insgesamt einen positiven Eindruck – besonders abseits der grossen Bühnen.
Die Literaturtage hinterlassen insgesamt einen positiven Eindruck – besonders abseits der grossen Bühnen.
Auf den Gassen zwischen den Zeilen
Die Solothurner Literaturtage haben zum vierzigsten Mal stattgefunden. Seit gestern Abend sind sie vorbei – Zeit für einen Rückblick auf drei Tage Überforderung, Fussball und ein Missverständnis.
Angefangen hat alles auf bescheidenen zwei Bühnen im Jahr 1979. Seitdem hat sich das dreitägige Literaturfest zu einem veritablen Grossanlass gemausert, der weite Teile von Solothurns Altstadt in Beschlag nimmt.

190 Veranstaltungen mit 70 teilnehmenden Autorinnen und Übersetzern – und rund 18’000 Besucherinnen und Besucher kamen dieses Jahr. Das sind 2000 mehr als letztes Jahr.

Frustration ist vorprogrammiert
Das Programm war wie schon in den letzten Jahren dicht getaktet. Bis zu sieben Veranstaltungen, die parallel liefen – da ist eine gewisse Überforderung oder Frustration vorprogrammiert. Gleichzeitig macht diese Fülle die Solothurner Literaturtage einzigartig. Wohin man sich bewegt, fast immer gibt es in Rufweite etwas zu entdecken.

Diese Ambiguität ist auch typisch für die diesjährigen Literaturtage. Auch im Hinblick auf die Frage, was sich in den letzten 40 Jahren verändert hat. Das ist einerseits viel: Es gibt mehr Schauplätze, mehr Veranstaltungsformate, mehr internationale Gäste, und dieses Jahr erstmals ein ausgelasseneres Abendprogramm. Trotzdem beschleicht einen mehr als einmal der Eindruck, dass auch vieles beim Alten geblieben ist.

Die alte Garde zieht noch immer
Der Stamm der grossen älteren Namen – Peter Bichsel, Hansjörg Schneider, Franz Hohler, Anna Felder – ist immer noch intakt und zieht nach wie vor die meisten Menschen an. Aktuelle Themen und weniger bekannte Autorinnen und Autoren fanden eher weniger Echo beim Publikum.

Dass die alte Garde immer noch zieht, hat wohl auch mit dem hohen Altersschnitt im Publikum zu tun. Oft genug liegt er deutlich über 50. Die Organisation macht aber auch Anstrengungen, das Programm und das Publikum zu verjüngen. Neuerungen im Abendprogramm, das erstmals auch etwas leichtere Muse versprach, sind ein Schritt in die richtige Richtung.

Endlich mit der Arbeit anfangen
Das Verhältnis zwischen Teilnehmenden der ersten Generation und den Newcomern war Thema bei zahlreichen Jubiläumsgesprächen. Exemplarisch dafür zwei Voten:

"Für mich sind die Literaturtage eine Konstante, die sich in der Ewigkeit immer wiederholt."

Anna Felder, Jg. 1937

"Es ist gut, dass es die grossen, alten Erzählungen so nicht mehr gibt. Wenn die entfallen, kann man endlich anfangen, zu arbeiten."

Yael Inokai, Jg. 1989

Fröhliche Stimmung überall
Echte Knallerthemen gab es dieses Jahr keine. Es kam zwar zu ansatzweise politischen Diskussionen, zum Beispiel über die Stimme der Verlierer in der Literatur. Doch leider waren Podium und Moderation oft genug nicht in der Lage, wirklich pointiert zu relevanten Themen Stellung zu beziehen.

Trotzdem hinterlassen die Literaturtage einen positiven Eindruck. Nicht zuletzt wegen dem, was abseits der grossen Bühnen geschah: auf den Gassen, gewissermassen zwischen den Zeilen. Fröhliche Stimmung überall.

Gemeinsame WG-Erfahrungen
Immer wieder gab es Momente mit Erinnerungspotenzial: Wenn man mit Hemd und Brille unterwegs ist und für einen Schriftsteller gehalten wird. Wenn man eine Gruppe junger Autorinnen und Autoren angeheitert über ihre gemeinsamen WG-Erfahrungen plaudern hört.

Wenn man sieht, wie Pedro Lenz und Bänz Friedli fieberhaft versuchen, den Fussball ins gegnerische Tor zu befördern. Oder wenn man einfach beobachtet, wie sich das Who-is-Who der Schweizer Literaturszene zwischen Landhaus und Restaurant Kreuz gebärdet.

Das Missverständnis des Wochenendes übrigens: Hansjörg Schneider hört anstatt "Rimbaud" "Rambo". Hören Sie selbst.
Hansjörg Schneider an den Solothurner Literaturtagen 2018, 0:32 min

Dieser Artikel erschien bereits auf srf.ch/Kultur.

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