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Unsere wilde Schweiz
Diese Reihe ist eine Expedition durch die wilde Schweiz. In vier Filmen begeben wir uns auf die Bühne der Natur, suchen nach den grossen und kleinen Dramen, die sich in der Tier- und Pflanzenwelt abspielen, erkunden den Ursprung althergebrachter Mythen und Sagen über emsige Zwerge und schaurige Drachen. Und wir erzählen Geschichten von Menschen, die mitten in dieser Natur leben und arbeiten.

Das Oberengadin 1/4

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Die Landschaft um die Engadiner Seenplatte bietet mehrere Superlative: die höchste Schifffahrtslinie Europas, die grösste Steinbockpopulation der Schweiz, die ältesten Zirbelkiefern Graubündens.

Auf dem Weg dorthin geht es 200 schroffe Höhenmeter den Malojapass nach oben - nur abwärts geht es vorerst nicht. Stattdessen gibt es ein Hochplateau mit vier eindrucksvollen Seen inmitten einer bombastischen Bergwelt mit steil aufragenden Gipfeln.

Obwohl das Wetter es nicht vermuten lässt, bestehen die Engadiner darauf, die Schnittkante zwischen Afrika und Europa zu sein. So verblüffend das klingt, plattentektonisch gesehen stimmt es. Hier stossen die afrikanische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinander. Als sie sich einst entschlossen zu kollidieren, haben sie die Berge aufgeschoben, und es kam zu der sogenannten Blattverschiebung, die noch heute dafür sorgt, dass es hinter dem Malojapass erst sechs Kilometer später wieder ins Tal geht. Dazwischen liegen die vier Seen. Mit ihren knapp 10 000 Quadratkilometern Fläche sind sie von grosser Bedeutung für den Wasserhaushalt, für das Klima und auch als reichhaltige Ökosysteme.

Rund um die Seen und auf den höher gelegenen Bergwiesen, Hochmooren oder Gipfelfelsen tummelt sich alles, was in der Alpenflora und -fauna Rang und Namen hat: Enzian und Edelweiss, Steinbock und Murmeltier, jahrhundertealte Zirbelkiefern. So kurz der Sommer hier ist, so gewaltig weiss er sich zu inszenieren: eine Symphonie aus Farben und Formen. Orgien aus dem plötzlich explodierenden Grün der Almen, gesprenkelt mit der weiss schäumenden Gischt schmelzwasserführender Wildbäche.

Auch in Sachen Wetter wird an einem Tag schon mal das ganze Repertoire aufgefahren: Sonnenstrahlen im Morgennebel, gleissendes Mittagslicht, abgelöst von plötzlich aufziehenden spektakulären Wolkenformationen und wildem Gewitter. Alles zusammen ein Naturschauspiel, das schon Philosophen, Dichter und Maler beflügelte, die die Oberengadiner Seenplatte immer wieder bereisten und in dessen Licht und Farben sie Inspiration und Frieden fanden.


Das Vanil Noir 2/4

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Nahe der Heimat des berühmten Gruyère-Käses thront das Juwel der Voralpen: der Vanil Noir. Er gilt nicht als einer der höchsten Berge der Schweiz, besticht aber durch die wilde Schönheit.

Mit seiner aussergewöhnlich vielfältigen Flora und der reichhaltigen Fauna formt der 2389 Meter hohe Gipfel an der Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Waadt das Herz eines Naturschutzgebietes. Ein Geheimtipp für Wanderer und Naturliebhaber.

Der Biologe Gregor Kozlowski präsentiert seltene Pflanzenarten wie den Drachenkopf, den Alpenmohn oder den kleinsten Baum der Welt, die Krautweide. Naturschützer, aber auch Almwirte, kämpfen für den Erhalt der prachtvollen Bergwiesen. Der Film führt in das Tal der Schmetterlinge und an verborgene Ruheplätze der schwarzen Kreuzotter, der Vipera Berus. Gewaltige, von der Eiszeit geprägte Felsformationen prägen die Landschaft. In einer Höhle wird das Karstphänomen deutlich.

Wildhüter Patrick Romanens nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf seine Steinbocksuche. Die Population mit gut 200 Tieren hat er stets im Auge und erklimmt dafür die höchsten Lagen. Der nicht ungefährliche Aufstieg auf den Vanil Noir lohnt: Ein atemberaubendes Panorama und eine nur noch selten anzutreffende Stille lassen die Zeit vergessen - weit oben, wo auch die Bounets Rodzos, die Kobolde, wohnen. Sie sind es, die all die Schönheit geschaffen haben. Davon ist jedenfalls Bergführer und Legendenspezialist Cyrille Cantin überzeugt und mahnt ganz in ihrem Sinne zum Erhalt der noch intakten Natur.


Der Aletschgletscher 3/4

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Der Aletsch ist der grösste Gletscher der Alpen: ein Eisgigant von magischer Schönheit. Seine einmalige Lage begeistert besonders Forscher und Künstler. Jetzt kämpft man gegen das Abschmelzen.

Der Klimawandel macht dem Gletscher gewaltig zu schaffen: Der Eispanzer schrumpft jedes Jahr rund 50 Meter in der Länge und zwölf Meter in der Höhe. Sein Verschwinden bedroht nicht nur Landwirtschaft und Tourismus, sondern die gesamte Flora und Fauna.

Der Masseverlust ist so dramatisch, dass als Erklärung eine natürliche Wetterschwankung allein nicht ausreicht.

"Herr der Ringe"-Schöpfer John Tolkien fand am Aletschgletscher Inspiration für seine literarischen Welterfolge. Noch vor 150 Jahren erflehten die Anwohner göttlichen Beistand, damit der Eisstrom nicht weiter wüchse. Heute schrumpft der Eispanzer jedes Jahr rund 50 Meter in der Länge und 12 Meter in der Höhe. Der Masseverlust ist so dramatisch, dass als Erklärung eine natürliche Wetterschwankung allein nicht ausreicht.

Kurzfristig beschert das im Überfluss vorhandene Schmelzwasser dem Vieh auf den sich ausdehnenden Almen üppiges Futter. Viele Pionierpflanzen nehmen den vom Eis freigegebenen Lebensraum in Besitz. Doch Bergführer Dominik Nellen sieht die Heimat seiner tierischen Lieblinge rapide zusammenschmelzen: Der Gletscherfloh ist die einzige Tierart, die dauerhaft auf dem Gletscher überleben kann.

Naturschützer und Wissenschaftler reagieren auf die Herausforderung: Revierförster Peter Aschilier erprobt Methoden zum Schutz des Bergwaldes bei zunehmender Trockenheit. Der Fotograf und Biologe Carsten Brügmann dokumentiert die Anpassung von Orchideen an schwierige Umweltbedingungen. Die Wildbienenspezialistin Sabrina Gurten erforscht die Verschiebung der Lebensräume bestimmter Arten in die Höhe, deutliches Indiz der Klimaveränderung im Alpenraum. Pro-Natura-Aktivist Laudo Albrecht sieht auch das Überleben der Murmeltiere am Aletsch massiv gefährdet. Förster Christian Theler errichtet regelrechte „Totholzburgen“, um Hirschkäfern die Fortpflanzung zu erleichtern. Ihr Engagement hilft den ausserordentlich vielfältigen Tier- und Pflanzenarten, den Klimawandel am Aletschgletscher zu überleben.


Das Verzascatal 4/4

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Das Verzascatal mit seinen pittoresken Dörfern und dem smaragdgrünen Fluss, der sich durch eine einzigartige Felslandschaft schlängelt, gilt als eines der schönsten Täler südlich der Alpen.

Es ist ein raues, wildes Tal, mit mächtigen Wasserfällen und seltenen Tieren. Durch seine Abgeschiedenheit konnte es sich bis heute viel von seiner Ursprünglichkeit bewahren. Obwohl der Tourismus immer wichtiger wird pflegen die Bewohner weiterhin die alten Traditionen.

Das Herz des unter Naturschutz stehenden Tals ist die Verzasca. Von der Quelle auf dem 2800 Meter hohen Pizza Barone bis zur Mündung in den Lago Maggiore bahnt sich das kristallklare Wasser mal reissend, mal in natürlichen Becken ruhend seinen Weg durch bizarre Steinformationen. Die von der Strömung glatt polierten Klötze aus Quarz und Granit gleichen Kunstwerken der Natur.

Bei Lavertezzo fliesst die Verzasca unter der Ponte dei Salti hindurch. Die mittelalterliche Steinbrücke ist einer der meistbesuchten Orte in den Tessiner Alpen. Auf beiden Seiten des Flusses schmiegen sich malerische Dörfer mit ihren typischen Steinhäusern, den Rustici, an die steilen Berghänge.

Am Ende des Tals steht die imposante Staumauer des Lago de Vogorno. In James-Bond-Film „Goldeneye“ stürzte sich 007 hier in die Tiefe. Seitdem haben es ihm mehr als 10 000 wagemutige Bungee Springer nachgemacht.

In der Bolle di Magadino mündet die Verzasca in den Lago Maggiore. Das Naturreservat ist eines der letzten intakten Feuchtgebiete der Schweiz und Lebensraum für unzählige Vögel und Amphibien.

Die Dokumentation zeigt in eindrucksvollen Bildern die landschaftliche Schönheit des Verzascatals. Sie erzählt von den Tieren und Pflanzen entlang des Flusses. Und sie stellt Menschen vor die sich um die Erhaltung dieser einzigartigen Natur bemühen: Die Hirtin, die vom Aussterben bedrohte Nera-Verzasca-Ziegen züchtet, den Zoologen, der die Unterwasserwelt der Verzasca erkundet, und den Umweltschützer, der als einziger Mensch das wohl schönste Flussdelta der Schweiz mit dem Boot befahren darf.


Sendedaten
Folge 1: Das Oberengadin

Do. 05.07.18, 21.40 Uhr

Mo. 16.07.18, 20.15 Uhr

So. 29.07.18, 13.50 Uhr

Mo. 30.07.18, 02.40 Uhr



Folge 2: Das Vanil Noir

Mi. 04.07.18, 21.45 Uhr

Mo. 16.07.18, 21.05 Uhr

So. 29.07.18, 14.40 Uhr

Mo. 30.07.18, 03.30 Uhr



Folge 3: Der Aletschgletscher

Mo. 23.07.18, 20.15 Uhr

So. 29.07.18, 15.35 Uhr

Mo. 30.07.18, 04.20 Uhr



Folge 4: Das Verzascatal

Do. 12.07.18, 21.45 Uhr

Mo. 23.07.18, 21.05 Uhr

So. 29.07.18, 16.25 Uhr

Mo. 30.07.18, 05.10 Uhr