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Der Meisterfälscher kehrt zurück!
Wolfgang Beltracchi porträtiert ...
Keine Frage: Er ist ein Meisterfälscher. 35 Jahre lang, bis zur Verhaftung 2010, hat Wolfgang Beltracchi sein aussergewöhnliches Talent eingesetzt, um Bilder im Stil anderer zu malen.
Wolfgang Beltracchi führte die ganze Kunstwelt hinters Licht. Kaum ein Meister war vor ihm sicher. Etwa 100 Maler hat er nachgeahmt: Expressionisten, Impressionisten, auch alte Meister. Und das so brilliant, dass er damit Millionen verdiente. Beltracchi sagt von sich, er könne jeden Maler nachmachen.

Dann flog er auf - wegen eines falschen Pigments. Die von ihm verwendete Farbe gab es zur «Lebenszeit» des gefälschten Werks noch nicht. Es war der grösste Kunstfälscher-Skandal aller Zeiten. Nun malt Wolfgang Beltracchi fünf Porträts im Stil bestimmter Künstler.

Nun geht die preisgekrönte Serie «Der Meisterfälscher» in die zweite Runde. Die Gäste der zweiten Staffel sind Niccel und Emil Steinberger, Katarina Witt, Hape Kerkeling, Annette Dasch und last but not least Otto Waalkes.

Niccel und Emil Steinberger
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Nach der Haft zieht es Beltracchi 2015 nach Südfrankreich. In seiner Wahlheimat Montpellier porträtiert er nun den Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger und dessen Frau Niccel im Stil Joaquin Sorollas.

Sorolla war Anfang des 20. Jahrhunderts der bestverkaufende Maler Europas. Renoir oder Monet kann man neben ihm getrost vergessen. Zumindest was den finanziellen Erfolg betrifft, war der Spanier damals allen überlegen. Wenn er ein Bild verkaufte, konnte er dafür den Gegenwert einer stattlichen Villa kassieren, sagt die Legende.

Man nannte Joaquín Sorolla den «Maler des Lichts», weil er wie kein Zweiter die zauberhaften Lichtstimmungen unter der südlichen Sonne zur Geltung brachte.

Portrait mit Mückenstich
Emil Steinberger und seine Frau Niccel treffen Beltracchi in Montpellier. Hier lebte die Familie Beltracchi schon vor der Verhaftung 2010 auf einem grossen Landgut. Dort entstanden die Fälschungen. Für die Malession mit Emil und Frau kehrt Beltracchi auf das Anwesen zurück. Heute ist das Gelände verwaist, verwahrlost, verwittert.

Im hohen Gras des ehemals feudalen Gartens findet die Portraitsitzung mit Emil und Niccel Steinberger statt - draussen, weil das Licht für die Kunst von Sorolla das Wichtigste ist. Damit kommt es zu einer Premiere: Erstmals malt Beltracchi im Freien und nicht im Geheimen, im Dachstock oder im Atelier. Und diese Premiere hat es in sich: Wind, Mücken und ständig wechselnde Lichtverhältnisse können auch den grössten Meister aus der Ruhe bringen.
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Katarina Witt
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Während der Porträtsitzungen zwischen Meisterfälscher Beltracchi und Eisprinzessin Witt kommen sich zwei Welten näher: jene der Kunst und jene des Kunstlaufs.

Der Maler und sein Modell - sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Wolfgang Beltracchi, der ewige Hippie, und Katarina Witt, die disziplinierte Sportlerin. Doch im Laufe der Zeit zeigt sich, was sie verbindet: eiserne handwerkliche Disziplin.

Beltracchi malt in dieser Folge im Stile von Tamara de Lempicka, der Königin der Art-Deco-Malerei, die nicht nur durch ihre Bilder auffiel, sondern auch durch ihren aussergewöhnlichen Lebensstil. Schon früher hatte Beltracchi Bilder von Tamara de Lempicka imitiert. Wie viele es sind und wo sie sich befinden - das bleibt das Geheimnis des Malers.

Zwei Tage sitzt Katarina Witt dem Maler Modell. Gelegenheit für ausführliche Gespräche, in denen es nicht zuletzt um die Körperlichkeit geht. Wie idealisierend soll das Porträt werden? Soll es das Aussehen beschönigen oder doch realistisch darstellen? Die Gespräche kreisen um das Aussehen: nicht frei von ein wenig Eitelkeit.

Hape Kerkeling
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In dieser Folge porträtiert der «Meisterfälscher». Wolfgang Beltracchi den deutschen Humoristen und Schriftsteller Hape Kerkeling in seiner italienischen Wahlheimat Umbrien.

Er stellt ihn im Stil von Henri de Toulouse-Lautrec dar, dem Maler aus adligem Haus, der oft in den Bordellen von Paris malte. Und dabei zeigt sich die nachdenkliche Seite von Kerkeling: Es geht um nichts weniger als den Sinn von Leben und Tod.

Hape Kerkeling war ein Garant für unzählige Höhepunkte der deutschen Comedy. Viele seiner Figuren sind bis heute unvergessen: der spiessige Journalist Horst Schlämmer, die legendäre Parodie auf Königin Beatrix, der irre Auftritt als polnischer Opernsänger mit «Hurz!».

Keinen Scherz liess Kerkeling aus - bis der Spassvogel zum populären Philosophen mutierte. Mit seinem Buch «Ich bin dann mal weg» beschrieb er seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Bis heute hat Kerkeling sensationelle 4,5 Millionen Exemplare davon verkauft.

Und auch für Wolfgang Beltracchi ist «Leben und Tod» ein grosses Thema; für ihn, der vier Jahre im offenen Vollzug gesessen hat, der sich Gedanken über «genetische Flashbacks» und fallende Engel macht. Um wie Toulouse-Lautrec zu malen, hat sich Beltracchi in Leben und Werk des kleingewachsenen Künstlers versenkt. Er besuchte dafür die grösste Toulouse-Lautrec-Sammlung in Albi. Bei der Malsession in Umbrien weiss er fast alles über den Maler aus adligem Haus.

Annette Dasch
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Sie ist der neue Star am deutschen Sängerinnen-Himmel: Annette Dasch. Beltracchi porträtiert sie in der Handschrift des englischen Malers Dante Gabriel Rossetti.

Am Anfang scheinen sie wenig gemeinsam zu haben: Der Maler bezeichnet sich selber als höchst unmusikalisch «obwohl ich aussehe wie ein Rockstar». Und die klassische Sängerin sagt: «Ein Leben ohne Mozart und Bach ist für mich unvorstellbar.»

Beltracchi ist dafür so etwas wie der Popstar unter den Kunstfälschern. Er fälschte in 35 Jahren rund 100 bekannte Maler und verdiente damit Millionen. Und alle fielen auf ihn herein: die Kunstexperten, die Museumsdirektoren, die Galeristen.

Während zwei Tagen sass Annette Dasch dem Meisterfälscher Modell. Er malt sie im Stil von Rossetti, dem englischen Maler, der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen lasziven Frauenporträts für Furore gesorgt hatte. Dabei entwickelten sich spannende Gespräche. Was war das für ein Leben, bei dem man ständig geheim halten musste, woher das viele Geld stammte? Gab es eine ständige Angst, erwischt zu werden? Wie wirkte sich diese klandestine Existenz auf die Kinder aus?

Als die Sopranistin den Maler mit dem Lied «Allerseelen» überrascht, bekommt der angeblich so unmusikalische Maler feuchte Augen und sagt: «So schön, so traurig!». Eine wahrlich neue Facette des Meisterfälschers.

Otto Waalkes
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Otto Waalkes wollte Maler werden und studierte an der Hamburger Hochschule für bildende Künste. Er wurde dann aber Musiker und Komiker.

Wolfgang Beltracchi hatte keine abgeschlossene akademische Ausbildung und übertrumpfte doch alle. Zwei Tage lang sitzt Otto dem Fälscher Modell. Der porträtiert ihn im Stile von Anthonis Van Dyck und probiert sich dabei in der Schnellmalerei.

Otto erzählt dem Maler aus seinen jungen Jahren in der Wohngemeinschaft der Villa Kunterbunt, wo sich der Kern der Hamburger Musik- und Komikerszene zusammenfand. Daneben reden die beiden gerne über verschiedene Arten zu malen.

Die zwei Veteranen der Hippie-Zeit nehmen sich gegenseitig auf den Arm und liefern sich einen verbalen Schlagabtausch.
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Sendedaten
Gäste der zweiten Staffel:
(Erstausstrahlung Februar 2016)

OTTO NACKT
© Otto WaalkesHippies unter sich

Er fühle sich so nackt, meint Otto Waalkes gleich zu Beginn der Sitzung. Ausgezogen vom Blick des Malers Wolfgang Beltracchi, der ihn im altmeisterlichen Stil Anthonis van Dycks porträtiert. Und wirklich: so unverstellt wie vor der Leinwand des Meisterfälschers hat man Otto noch nicht erlebt.
Der Meisterfälscher - 1. Staffel
© SRFGäste der ersten Staffel:
(Erstausstrahlung Dezember 2014)

Kunst
Fälscher oder Künstler?

Das Beltracchi-Konzept (7.02.2014)
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