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Video: ein Englischer Garten mitten in der Stadt Zürich
Der Englische Garten eines Pflanzen-"Nerds"
Reihe "Die schönsten Schweizer Gärten" 2/5
Er ist süchtig und er sucht. Und er wagt Versuche: Herbert Frei, pensionierter Gymnasiallehrer und fanatischer Pflanzensammler. Stolzer Besitzer eines pikfeinen Englischen Gartens. Mitten in der Stadt Zürich.
© Vorburger Herbert Frei, passionierter pensionierter Pflanzensammler
Herbert Frei, passionierter pensionierter Pflanzensammler
Eigentlich hat ihm seine Frau das Ganze eingebrockt. Sie wollte unbedingt einen Garten im englischen Stil. Er hatte nie was mit Pflanzen am Hut. Lästig war ihm die Gartenarbeit.
Das änderte sich schlagartig, als sich Herbert Freis Frau Silvia beruflich selbständig machte. Da musste er übernehmen. Seitdem ist der Historiker kaum mehr aus seinem Garten herauszulocken.

Es sei denn, es rufen Reisen. Reisen zu den schönsten Gärten Englands und Schottlands.

Die Frei-Schindlers holen sich da die Inspiration für ihr grünes Reich mitten in Zürich, unterteilt in diverse „Kammern“.
Das "Schattenreich" zum Beispiel. Da gedeihen Astilben, Farn und sogar Kamelien. Dominiert wird es von Funkien (Hosta). "Funkien beruhigen. Sie brechen mit ihren breiten, grossen Blättern die Unruhe von Gräsern. Bei uns wachsen rund 50 verschiedene Funkien. Klingt nach einer schönen Menge. Aber: Es gibt weltweit über 7400 Arten und Sorten!" Frei kommt ins Schwärmen. "Sehe ich eine Neuheitenliste, kann ich nicht widerstehen: Eigentlich bräuchte ich eine. Bestellen muss ich gleich sieben."
Gelb, dunkel- bis hellgrün, oft auch silbern breiten sich die Blätter aus. Ein veritables Dickicht. Überhaupt Dickicht:

Wie Unkraut keine Chance hat
Frei-Schindlers Englischer Garten liegt terrassenartig am Hang. Ideale Lage für die typischen "Mixed Border": Vorne niederes Grün, zum Beispiel Storchenschnabel, eine Mittelzone mit Rosen, Iris, Lavendel, Gräsern. Und oben thronen Gehölz oder hohe Stauden wie Phlox oder Wolfsmilch.
Alles dicht an dicht bepflanzt. "Das Ganze ist derart dicht, dass Unkraut keine Chance mehr hat", so Frei. Was für eine smarte Idee!

Schlichtheit in Perfektion: Storchenschnabel (Geranium) und Hirschzungenfarn. © Vorburger Schlichtheit in Perfektion: Storchenschnabel (Geranium) und Hirschzungenfarn.
Nein, kein Herbstlaub. Sondern ein japanischer Ahorn (Acer palmatum atropurpureum). © Vorburger Nein, kein Herbstlaub. Sondern ein japanischer Ahorn (Acer palmatum atropurpureum).
Jungpflanzen-Schutz gegen junge Stadt-Füchse! © Vorburger Jungpflanzen-Schutz gegen junge Stadt-Füchse!

Gartenpracht dank "Klimasurfing"
© Vorburger Südafrikanisches Zwiebelpflanzen im Garten der "Klimasurfer"
Südafrikanisches Zwiebelpflanzen im Garten der "Klimasurfer"
In seinem Englischen Garten kultiviert der Zürcher auch viele exotische Pflanzen. Die Eucryphia zum Beispiel, ein Baum, der in Tasmanien gedeiht. Oder Erdbeerbäume aus dem Mittelmeerraum.
Und veritable Kamelien-Bäume, die besonders kälteempfindlich sind. Keine Frage: der Mann hat fünf grüne Finger!

"Dank Klimasurfing. Wir reiten quasi auf der vordersten Welle der Klimaerwärmung!"

Herbert und Silvia Frei profitieren von den warmen Wintern der letzten Jahre. Es gibt in Europa rund 75'000 gartentaugliche Pflanzen. In Freis Garten stehen davon immerhin mehr als 1'300. Vor einigen Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen. Viele Pflanzen wären in den damals noch kälteren Wintern erfroren.

Wenn selbst Experten zum Experten kommen
Herbert Frei ist ständig am Ausprobieren: Immer wieder findet er eine Blume, Bäume oder Sträucher, die er nicht kennt. Zwiebelpflanzen aus Südafrika haben’s ihm besonders angetan. Die setzt er ins Beet und wartet ab.
Meist überleben diese Exoten. Dank günstiger Lage, günstigem Klima und grosser Hingabe!

Freis gärtnerische Künste sind bekannt. Gerade letzte Woche war eine Delegation vom Botanischen Garten Zürich zu Besuch. Die Fachleute schauen. Staunen. Und stellen Fragen.
Der Hobbygärtner kann die meist beantworten. Denn in der Zeit, wo er nicht im Garten arbeitet, liest er. Fachliteratur.

Er ist Herr über den Garten, sie über die Topfpflanzen
Silvia Frei-Schindler hat sich in der Zwischenzeit eine eigene grüne Nische erschaffen: Rund ums Haus stehen Tontöpfe und Eichenfässer mit allerhand Blumen, Gewürzen und sogar Bäumen. Das ist ihr Reich, und da legt ihr Herbert auch nie Hand an.

So verbringt das Paar, das seit 30 Jahren zusammen ist, viel gemeinsame Zeit. Im Garten-Paradies, das einmal allein ihr Wunsch gewesen war!

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Die schönsten Schweizer Gärten:
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© vorburgerDer Englische Garten
Typisch: Ein begehbares Landschaftsgemälde. Eigentlich eine kunstvoll-künstlich angelegte Natürlichkeit.

Die Staffelung von Vordergrund, Mitte und Hintergrund mit Stauden und Gehölzen ergeben eine Dreidimensionalität, die durch eine klare, schlichte Rasenfläche ein zweidimensionales Gegengewicht erhält.

Englische Adlige und neureiche Unternehmer kreierten zur Zeit der Aufklärung erste 'Landschaftsgärten'.
Sie suchten damit bewusst eine Loslösung von den strengen Formen des Barock.
Gartengeflüster
Lupe Des Gärtners Geheimtipp
Wer viel im Garten arbeitet, hat entweder raue, fleckige Hände oder aber Handschuhe. Die sind meist dick. Aus Leder oder Gummi. Man spürt weder Pflanze noch Erde.

Herbert Frei: 'Meine Frau ist in der Infektionsprävention tätig. Sie brachte eines Tages Chirurgen-Handschuhe nach Hause. Das war es! Seitdem ziehe ich zum Gärtnern immer diese hauchdünnen Handschuhe an.'
Die spezielle Pflanze
© DidierDescouensLupeDer Erdbeerbaum
Der Westliche Erdbeerbaum (Arbutus unedo) kommt vor allem im Mittelmeerraum vor. Der immergrüne Strauch oder Baum trägt Früchte, die Erdbeeren ähneln. Die sind prinzipiell essbar, aber mehlig schmeckend.Die Früchte können zu Marmelade und Likör verarbeitet werden. Wegen seiner Resistenz gegenüber Abgasen wird er versuchsweise auch in Städten angepflanzt.Bei Bränden und z.B. auch durch lang anhaltende Dürreperioden kann diese Pflanze überleben. Nach einem Brand treiben aus unterirdischen Stammknollen neue Stämme aus.
Schmankerl
© vorburgerLupeDie Geschichte dieser Rose
'Diese Rose wählte im 19. Jahrhundert der Pariser Bankier Isaac Pereire für seine Gattin aus, weshalb auch immer. Von da stammt der Name: Madame Isaac Pereire.

Diese Rose sorgte in den Pariser Salons für Furore: Man befand, die Rose passe gut zu Madame Pereire: Genauso ausladend wie sie, genauso überwältigend riechend wie Madame. Und genauso ordinär!`