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Buchcover: "Psychologie der Massen"
Buchcover: "Psychologie der Massen"
"Psychologie der Massen"
Über die Macht der Vielen
"Der Anteil des Unbewussten an unseren Handlungen ist ungeheuer und der Anteil der Vernunft sehr klein." Gustave Le Bon
Mit seinem 1895 erschienenen Buch "Psychologie der Massen" wurde Gustave Le Bon zum Begründer der Massenpsychologie. Der Arzt, Ethnologe, Soziologe und Psychologe lieferte die erste systematische Betrachtung psychologischer Eigenschaften von Menschenmassen.In seiner Untersuchung stellt er sich folgende Fragen: Woher kommt es, dass sich Menschen für Ideen begeistern lassen, die sie kaum verstehen können? Und vor allem: Warum lassen sie sich ohne nachzudenken von Ideen mitreißen?

In der Masse verliert der Mensch seine Kritikfähigkeit
Schnell wird klar, dass Le Bon nur ausgesprochen wenig von der Intelligenz von Massen hält. Er beobachtet, dass der Einzelne, mag er auch Angehöriger einer Hochkultur sein, unter bestimmten Umständen in der Masse seine Kritikfähigkeit verliert und sich roh und primitiv verhält."Bisher wurden die Kulturen von einer kleinen, intellektuellen Aristokratie geschaffen und geleitet, niemals von den Massen. Die Massen haben nur Kraft zur Zerstörung. Ihre Herrschaft bedeutet stets eine Stufe der Auflösung."

Ziel der Untersuchung ist es, darauf hinzuweisen, wie und welche politischen Meinungen, Ideologien und Glaubenslehren bei den Massen Eingang und Verbreitung finden, wie sich Massen beeinflussen lassen, was die dazu notwendigen Führereigenschaften sind, und wo die Grenze der Massensuggestibilität erreicht ist.

Geringer Einfluss von Erziehung und Vernunft
Dabei betont Le Bon immer wieder den geringen Einfluss von Erziehung und Vernunft auf die Anfälligkeit der Massen. Er führt sogar an, dass die Glaubwürdigkeit einer Lüge umso höher ist, je dreister sie ist. Beklagenswert ist auf jeden Fall der "außerordentliche geistige Tiefstand der Massen," ihr Wankelmut sowie ihre Triebhaftigkeit.

Zusammenfassend kommt er zu der Erkenntnis, dass die Ideen nicht logisch sein, sondern lediglich dem Weltbild der Masse entsprechen müssen. Auch reagiert die Masse auf große Worte und Bilder sowie machtvolle Begriffe wie Freiheit, Vaterland und Wahrheit. Alles entscheidend ist dann - siehe Max Weber - auch das Charisma der Führungspersönlichkeit. Sind diese Voraussetzungen gegeben, verschmilzt das Individuum mit der Masse.

Le Bons Klassiker ist leicht zu lesen und eignet sich besonders für Psychologieinteressierte.

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Info
Gustave Le Bon
Psychologie der Massen
Nikol 2017
ISBN 978-3-86820-026-3