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scobel: Baukasten Mensch
Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile
Skandale um die gerechte Verteilung von Spenderorganen haben die Organspende-Bereitschaft sinken lassen, aber es werden weiterhin Spenderorgane benötigt. Sind künstliche Organe eine Alternative? In Frankreich wurden bereits erste künstliche Herzen eingesetzt, mit bislang nur kurzzeitigem Erfolg - so war es auch vor einem halben Jahrhundert, als das erste menschliche Herz in Kapstadt transplantiert wurde.
Das organische Überleben hängt am reibungslosen Zusammenspiel der Teile. Fällt ein Teil aus, wird es ersetzt. Eine Hüfte, die Lunge, das Herz. Die Chirurgie läuft zu Höchstform auf. Selbst Nervenbahnen lassen sich wieder verbinden - und so scheint es auch nur eine Frage der Zeit, bis tatsächlich der erste Kopf transplantiert werden kann.

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Erstes Kunstherz in Deutschland
Am 7. März 1986 gelang in Deutschland die erste Implantation eines künstlichen Herzens. Der Chirurg Emil Bücherl vom Klinikum Westend pflanzte einem Patienten das Kunstherz ein, um die Zeit bis zur Transplantation eines Spenderherzens zu überbrücken. Wenige Tage später konnte das mechanische durch ein gespendetes Organ ersetzt werden; diese Operation überstand der 39-jährige Patient allerdings nicht.



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Die häufigsten Fragen zur Organspende

Wie groß ist der Bedarf an Organspenden?
Auf den Wartelisten für ein Spenderorgan stehen derzeit rund 11.000 Patienten. Rund 1.000 von ihnen sterben jedes Jahr, ohne dass sie ein Spenderorgan erhalten.

Wie denken die Bürger über die Organspende?
Eine Umfrage zeigt leicht steigende Zahlen beim Wissen und bei der Zustimmung zur Organspende. So stehen 80 Prozent der Befragten einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber, 71 Prozent sind grundsätzlich damit einverstanden, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnimmt. Lediglich 35 Prozent haben aber einen Organspendeausweis.

Wie viele Organe werden jährlich gespendet?
Nach dem Transplantationsskandal ist die Zahl der Organspenden auf einen absoluten Tiefpunkt gesunken. 2014 gab es bundesweit 864 Organspender. 2013 waren es 876 und 2012 noch 1.024. Die Summe der in Deutschland gespendeten Organe ging ebenfalls noch einmal zurück.

Welche Organe können gespendet werden?
Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauschspeicheldrüse und Dünndarm können von einem verstorbenen Spender übertragen werden. Außerdem lassen sich Gewebe wie Hornhaut der Augen, Teile der Haut, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen (Gewebe) verpflanzen. Ein einzelner Organspender kann bis zu sieben schwer kranken Menschen helfen. Neben der Spende nach dem Tod ist es möglich, eine Niere oder einen Teil der Leber bereits zu Lebzeiten zu spenden. Lebendspenden sind aber nur unter nahen Verwandten und einander persönlich eng verbundenen Personen zulässig.

Welche Voraussetzungen gelten für eine Organspende?
Damit Organe nach dem Tod entnommen werden können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Es muss eine ausdrückliche Zustimmung des Spenders oder der Angehörigen vorliegen und der Hirntod muss eindeutig festgestellt worden sein.

Gibt es eine Altersgrenze für die Organspende?
Für die Organspende gibt es keine feststehende Altersgrenze. Entscheidend ist der Zustand der Organe. Dieser hängt jedoch nur bedingt vom kalendarischen Alter ab. Über die Frage, ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheiden medizinische Tests nach dem Tode – und letztlich der Arzt, der die Organe transplantiert. Völlig unabhängig vom Alter kann die Augenhornhaut (außer bei Säuglingen und Kleinkindern) gespendet werden.

Welche (Vor-)Erkrankungen schließen eine Organspende aus?
Eine Organentnahme wird grundsätzlich ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute Krebserkrankung sowie ein positiver HIV-Befund vorliegen. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den vorliegenden Befunden, ob Organe für eine Entnahme in Frage kommen.

Muss oder kann ich mich als Organspender registrieren lassen?
Eine Registrierung von Daten im Zusammenhang mit der Bereitschaft zur Organspende findet nicht statt. Es existiert in Deutschland auch kein Widerspruchsregister (Eintragung der Ablehnung). Deshalb ist es wichtig, die eigene Entscheidung auf einem Organspendeausweis festzuhalten und mit der Familie darüber zu sprechen.

Genauso wenig ist es notwendig, sich ärztlich untersuchen zu lassen, bevor man sich zur Organspende bereit erklärt. Die medizinische Eignung der Organe für eine Transplantation wird geprüft, nachdem der Tod festgestellt worden ist.

Genügt der Organspendeausweis als Rechtsgrundlage für eine Organentnahme? Werden die Angehörigen trotz Organspendeausweis um ihre Zustimmung gebeten?
Ist das Einverständnis des Verstorbenen dokumentiert, so ist eine Organentnahme rechtlich zulässig. Der Wille des Verstorbenen hat Vorrang. Bei vorliegendem Organspendeausweis werden die Angehörigen also nicht um eine Entscheidung zur Organspende gebeten, sie müssen jedoch darüber informiert werden.

Unter welchen Bedingungen ist eine Lebendspende möglich?
Die Bedingungen für die Lebendspende regelt das Transplantationsgesetz. Dabei räumt der Gesetzgeber der Organspende nach dem Tode grundsätzlich Vorrang vor der Lebendspende ein. In Deutschland ist eine Organspende zu Lebzeiten nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, unter Ehepartnern, Verlobten und unter Menschen möglich, die sich in besonderer persönlicher Verbundenheit nahe stehen. Eine unabhängige Gutachterkommission prüft, ob die Spende freiwillig und ohne finanzielle Interessen geschieht. Es muss außerdem sicher gestellt sein, dass für den Empfänger zum Zeitpunkt der geplanten Übertragung kein Organ aus einer postmortalen Organspende zur Verfügung steht. Spender und Empfänger müssen sich zur ärztlichen Nachbetreuung bereit erklären.

Einen Organspendeausweis sollte jeder haben

Rund 71 Prozent der Deutschen geben an, dass sie im Prinzip bereit wären, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Doch nur 35 Prozent haben tatsächlich einen Organspendeausweis. Woran liegt das? Viele Menschen wagen den letzten, entscheidenden Schritt nicht, weil sie sich dann zwangsläufig mit dem Thema Tod befassen müssen. Auch Unwissenheit und mangelnde Aufklärung über die rechtliche Grundlage des Ausweises spielen eine Rolle.

Spenderausweis für Spender und Nicht-Spender
In Deutschland gilt gesetzlich die Zustimmungsregelung. Danach können einem Menschen ohne seine eigene oder die ausdrückliche Zustimmung der Angehörigen keine Organe entnommen werden. Mit einem Spenderausweis kann jeder dagegen klar dokumentieren, ob und welche Organe er im Todesfall spenden möchte. Gleiches gilt auch für Dänemark, Griechenland, Großbritannien, die Niederlande und die Schweiz zu.

In Italien, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei dagegen gilt die Widerspruchsregelung. Das heißt, wer keinen Organspendeausweis hat, auf dem er ausdrücklich einer Organspende widerspricht, wird automatisch als Spender angesehen. In Frankreich, Schweden, Lettland, Liechtenstein und Zypern werden die Angehörigen zwar in jedem Fall über die Entnahme von Organen informiert, aber prinzipiell ist die Regelung dieselbe. Nur in Bulgarien gilt die Notstandsregelung. Eine Organentnahme ist "im Notstand" immer zulässig, selbst beim Vorliegen eines Widerspruchs kann es zur Organentnahme kommen.

Mit einem Organspendeausweis kann man nach dem eigenen Tod den Angehörigen die Entscheidung, ob Organe gespendet werden sollen, ersparen. Man macht seinen Willen für oder gegen eine Organentnahme selbst deutlich. Damit hat man auch die Sicherheit, dass der eigene Wunsch respektiert wird.

Wo bekommt man den Ausweis?
Für Patienten, die auf ein Spendeorgan warten, kann der Organspender ein Lebensretter sein. Umso trauriger, wenn Menschen eigentlich bereit zu einer Spende sind, die Besorgung eines Ausweises aber immer wieder aufschieben. Dabei kann man sich im Internet, über eine Hotline, bei Krankenkassen und in jeder Apotheke über den Organspendeausweis informieren. In den meisten Fällen liegen auch Exemplare zur Mitnahme aus. Inzwischen ist es sogar möglich, sich den Organspendeausweis ganz einfach aus dem Internet runterzuladen und auszudrucken.

Welche Wahlmöglichkeiten gibt es?
Auf dem Organspendeausweis kann genau dokumentiert werden, für welche Organe und Gewebe eine Spendebereitschaft besteht. Wenn man bestimmte Organe oder Gewebe ausschließen möchte, kann man dies deutlich machen.Außerdem hat man die Möglichkeit der Organ- und Gewebespende ganz zu widersprechen oder einer Vertrauensperson diese Entscheidung nach dem Tod zu übertragen.Sollte man seine Meinung über das Thema Organspende im Laufe des Lebens ändern, kann man den Organspendeausweis einfach durchreißen. Damit ist er ungültig und es kann einen neuer ausgefüllt werden.

Organspende: Das Transplantationsgesetz kommt zur Anwendung

Bei Organspenden werden menschliche Organe für eine Transplantation unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Lebendspenden sind bei Nieren und Leber gängige Praxis. Die Entnahme von Organen wie Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm kann dagegen in der Regel ausschließlich nach dem Tod des Spenders vorgenommen werden. Gesetzliche Voraussetzung dafür ist die eindeutige Feststellung des Hirntodes.

In Deutschland regelt das 1997 verabschiedete Transplantationsgesetz diesen Bereich. Um Missbrauch oder Organhandel zu verhindern, sieht das Gesetz eine strikte organisatorische und personelle Trennung der Bereiche Organspende, Vermittlung und Transplantation vor.

Derzeit gibt es in Deutschland rund 1.350 Krankenhäuser mit Intensivstation, die Organe entnehmen dürfen. Sie sind seit 2012 verpflichtet, Transplantationsbeauftragte zu bestellen. Sie sind dafür verantwortlich, dass potenzielle Organspender identifiziert und gemeldet und die Angehörigen begleitet werden. Sie sorgen auch dafür, dass das ärztliche und pflegerische Personal im Entnahmekrankenhaus über die Bedeutung und den Prozess der Organspende regelmäßig informiert wird.

Hirntod muss von zwei Ärzten festgestellt werden
Für die Koordination der Spende ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zuständig. Sie soll dafür sorgen, dass alle notwendigen medizinischen und organisatorischen Schritte vollzogen werden, damit Organe entnommen, an geeignete Patienten vermittelt und transplantiert werden können. Zwei Ärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntod des Patienten feststellen.

Für die Vermittlung der Organe an geeignete Patienten, die auf der Warteliste stehen, ist die Organisation Eurotransplant verantwortlich. Ihr gehören neben Deutschland auch die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien und Kroatien an. Der Verbund muss auch dafür sorgen, dass die Richtlinien der Bundesärztekammer bei der Auswahl der Organempfänger eingehalten werden. Die Übertragung von Organen darf nur in speziellen Transplantationszentren vorgenommen werden. Derzeit gibt es davon rund 50 in Deutschland.

Mangel an Organen
Seit Beginn der Transplantationsmedizin gibt es einen Mangel an Organen. In Deutschland warten derzeit 11.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Nach Ärzteangaben stirbt alle acht Stunden ein Mensch, weil kein passendes Organ gefunden wurde.

Immer wieder wird deshalb diskutiert, ob es eine Pflicht zur Organspende gibt und wer potenzieller Organspender ist. In manchen europäischen Ländern wie Spanien gilt eine "Widerspruchslösung": Hat der Verstorbene einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, können Transplantationen vorgenommen werden.

In Deutschland gilt eine "erweiterte Zustimmungslösung"
Nur wenn der Verstorbene zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat, dürfen die Organe auch entnommen werden. Eine Zustimmung kann beispielsweise per Organspendeausweis oder durch eine mündliche Verfügung gegeben werden. Erweitert wird die Regelung dadurch, dass auch die Angehörigen oder vom Verstorbenen dazu bestimmte Personen berechtigt sind, über eine Entnahme zu entscheiden. Entscheidungsgrundlage ist dabei immer der ihnen bekannte oder der mutmaßliche Wille des Verstorbenen.

Krankenkassen informieren über Organspende
Die Zahl der Organspenden in Deutschland war in den vergangenen Jahren nach Manipulationen in einigen Transplantationszentren stetig gesunken. 2014 wurde der vorläufige Tiefststand erreicht: Bundesweit gab es 864 Organspender; 2013 waren es 876 und 2012 noch 1.024. Die Summe der gespendeten Organe ging ebenfalls noch einmal zurück. Sie verringerte sich im Vorjahresvergleich um 46 auf 2.989. Insgesamt wurden 2014 in Deutschland 3.169 Organe aus dem Eurotransplant-Verbund transplantiert, im Vorjahr waren




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Der illegale Handel mit menschlichen Organen boomt

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scobel vom 18. 2. 2016

Der Handel mit menschlichen Organen ist nur eine moderne Variante der Sklaverei, die sich zu einem der lukrativsten international organisierten Verbrechen entwickelt.
Schwerpunkt

Was kostet eine Niere?

Organhandel ist ein lukratives Geschäft
2.500 bis 3.000 Dollar erhält ein Organspender laut Europarat für eine Niere - und manchmal sind es noch viel weniger. Die Empfänger zahlen oft das Hundertfache - ein florierender Markt für die Händler.Verzweifelte, totkranke Dialyse-Patienten reisen in Entwicklungsländer, um sich eine Niere zu kaufen. Das Geschäft für die Vermittler wird immer lukrativer. Die Erfolgsquote bei Transplantationen erhöht sich stetig, gleichzeitig steigt durch den Mangel an Organen in westlichen Staaten die Wartezeit. Wer es sich leisten kann und nicht mehr warten will, kauft sich ein Organ auf dem Schwarzmarkt.

Besonders der Nierenhandel floriert, ist die Niere doch das einzige Organ, das entnommen werden kann, ohne dass der Patient stirbt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sollen jährlich 10.000 Nieren den Körper wechseln.

Keine genauen Zahlen
Genaue Zahlen über den weltweiten Organhandel gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedoch nicht - erstens, weil scheinbar alle Beteiligten von den Deals profitieren und deshalb schweigen. Zweitens ist die Branche extrem unübersichtlich, die Händler arbeiten grenzüberschreitend.

Strafrechtliche Folgen
Strafbar soll demnach sein, Organe unter Zwang oder gegen Geld zu entnehmen, und damit illegalen Handel zu betreiben. Auch illegale Implantationen bei zahlungskräftigen Patienten sollen bestraft werden. Organhändler und Chirurgen, die sich an diesen illegalen Praktiken beteiligen, können strafrechtlich belangt werden.

In den westlichen Ländern ist Organhandel zumeist verboten, Lebendspenden sind nur zwischen emotional eng verbundenen Menschen erlaubt. In Deutschland wird Organhandel mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft, der Ablauf einer Transplantation ist seit 1998 gesetzlich geregelt. "Eine Organspende darf nur aus freiem Willen und ohne kommerziellen Druck erfolgen", erklärt dazu die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO).

10.000 jährlich Transplantationen in China
Jährlich finden offiziellen Schätzungen und Statistiken zufolge 10.000 Transplantationen in China statt. 60 Prozent der transplantierten Nieren, Lebern, Herzen, Lungen stammen von hingerichteten Gefangenen. Von Menschen, die unter fragwürdigen Umständen inhaftiert und nach Auftragslage ermordet wurden, um gut zahlenden Patienten das Leben zu verlängern. China hält mittlerweile Platz zwei in der weltweiten Transplantationsstatistik. Was in China unter den Augen der Weltöffentlichkeit geschieht, geschieht auch in vielen anderen Teilen der Welt.

Organhandel ist Teil eines gut organisierten kriminellen Systems: des globalisiertem Menschenhandels. Armut und Kriege leisten dieser Entwicklung massiv Vorschub. Doch was genau steht hinter der Transplantationsmafia? Wie funktioniert ihr global arbeitendes System? Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass nicht nur krude Profitgier hinter den medizinisch getarnten Verbrechen steht, die nicht selten Ärzte begehen, die in Deutschland und anderen westlichen Ländern ausgebildet wurden.



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Alena Buyx
Medizinerin, Soziologin und Philosophin

Elmar Jaeckel
Facharzt für Innere Medizin

Katharina Tigges-Limmer
Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin