Cannabis wird fast ausschließlich als Rauschmittel wahrgenommen.
Cannabis wird fast ausschließlich als Rauschmittel wahrgenommen.
Cannabis in der Schmerztherapie
THC - wirkungsvoll und kaum Nebenwirkungen
Wer eine Einzelgenehmigung zum Gebrauch von Medizinal-Cannabisblüten beantragt, muss nachweisen, dass bei ihm alle konventionellen Therapien gescheitert sind. Diese Schmerzpatienten werden gemeinhin als "austherapiert" bezeichnet. Die Einzelgenehmigungen erteilt das Bundesamt für Arzneimittel erst seit 2007.
Der Besitz und der Anbau von Cannabis ist immer noch in den meisten Ländern strafbar. Cannabis wird fast ausschließlich als Rauschmittel wahrgenommen. Historisch aber hat es aber schon eine lange Tradition als Schmerzmittel. Im Mittelalter beschreibt Hildegard von Bingen seine schmerzstillende Wirkung. Im 19. Jahrhundert ist Cannabis eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente. Ab 1930 wurde es als Betäubungsmittel in Amerika und Deutschland verboten.

Medikament oder doch lieber die Droge?
 THC gilt als schmerzstillend, entspannend und krampflösend
THC gilt als schmerzstillend, entspannend und krampflösend
Bis vor kurzem war der Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz THC, in Form des sehr kostspieligen synthetischen Mittels Dronabinol zu beziehen. Da das Arzneimittel von vielen Krankenkassen nicht unterstützt wird, ist es für die meisten Schmerzpatienten auf Dauer unbezahlbar. Dronabinol ist zwar verordnungsfähig, aber Krankenkassen übernehmen die Kosten nur, wenn der Patient beweist, dass er schwer erkrankt ist und alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Einige Patienten reagieren erst gar nicht auf Dronabinol, dafür aber auf Naturcannabis.

Sie nehmen Cannabis als Tee und bei akuten Schmerzattacken mit Hilfe eines Inhalators ein. Dosiert wird der Stoff nach indiduellem Gefühl. Dies stellt kein großes Problem dar, denn durch die langsame Aufnahme sind Überdosierungen so gut wie ausgeschlossen. Für Mediziner ist diese Art der Selbstmedikation zwar alles andere als optimal, aber wenn Patienten gut damit zurechtkommen und eine deutliche Verminderung der Schmerzen zu verzeichnen ist, dann ist das angestrebte Ziel erreicht.Der Wirkstoff THC gilt als schmerzstillend, entspannend, krampflösend, Brechreiz lindernd, appetitanregend und scheint nur sehr wenig Nebenwirkungen zu haben.

Der Staat braucht Studien
Um das Medikament in größerem Umfang einzusetzen, fehlen den Behörden allerdings noch viele kontrollierte Studien. Diese sind sehr kostspielig und könnten nur von der Pharmaindustrie finanziert werden. Dass diese sich auf diesem wenig profitträchtigen Feld engagieren wird, bleibt zu bezweifeln. So wird sich der Einsatz von Cannabis in der Schmerztherapie bis auf weiteres auf Einzelfälle beschränken. Bedauerlich, denn in Kombination mit anderen Therapieformen, könnte dies eine wirksame Waffe im Kampf gegen den Schmerz sein.

Anbau von Cannabis
2014 hatte das Kölner Verwaltungsgericht entschieden, dass einige chronisch kranke Patienten ausnahmsweise privat Cannabis züchten dürfen. Es erlaubte den Anbau zu Therapiezwecken, wenn den Kranken sonst nichts gegen ihre Schmerzen hilft. Die Richter gaben damit den Klagen von Schwerkranken gegen ein behördliches Anbauverbot recht. Der Cannabis-Eigenanbau bleibe im Grundsatz verboten, könne aber unter bestimmten Bedingungen als "Notlösung" erlaubt werden, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Fleischfresser.

Zu den Voraussetzungen gehöre, dass der schwer kranke Patient austherapiert sei, es für ihn keine andere Behandlungsalternative zu Cannabis gebe und Apotheken-Cannabis unerschwinglich sei. Zwei Klagen hatte das Kölner Gericht abgewiesen, drei waren erfolgreich.


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