nano
Kalender
Dezember 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
06
Hochbeet in Todmorden Video
Statt Stiefmütterchen wächst hier Kohlrabi. (Beitrag vom 30. Juni 2016 )
Ernten erwünscht
In Todmorden wurde die "essbare Stadt" erfunden
Was einige Ruheständlerinnen in der englischen Kleinstadt vor acht Jahren begannen, ist heute eine weltweite Bewegung: Gärtnern für alle, jeder darf nehmen, was er braucht.
"Unser Gemeinsinn wurde gestärkt. Es geht letztlich nicht um Gemüse, sondern um Grosszügigkeit", sagt Mary Clear, eine der Mitbegründerinnen von "Incredible edible". Natürlich ging es am Anfang hauptsächlich um Gemüse - als Alternative zu schönen, aber doch nutzlosen Zierpflanzen im öffentlichen Raum. In Todmorden darf der öffentliche Grund von allen nach Belieben mit Kräutern, Früchten und Gemüse bepflanzt werden. Und alle dürfen sich daran gütlich tun. Von der Polizeistation bis zum Friedhof herrscht in Todmorden die Atmosphäre eines kollektiven Schrebergartens.

Nutzpflanzen auch im deutschen Andernach
Auch Andernach in Rheinland-Pfalz verwandelt sich seit rund fünf Jahren in eine "essbare Stadt". Auf allen öffentlichen Grünflächen werden Nutzpflanzen angebaut, die alle Bürger ernten können. Der Geoökologe Lutz Kosack ist einer der Mitinitiatoren. Nach seiner Einschätzung können Stadtentwicklungsprojekte wie Urban Gardening der Politikverdrossenheit entgegenwirken. "Wenn Menschen sehen, wie vor Ort etwas gestaltet wird, nimmt die Verdrossenheit ab", so Kosack.

Sowohl in der Politik als auch bei Ernährungsstrukturen gebe es immer wieder Diskussionen, ob sie zentraler oder dezentraler ausgerichtet werden sollten, so der Experte. Etwa bei der Welternährung fragten sich viele Organisationen, ob große Lebensmittelfarmen oder kleine Selbsterntegärten besser geeigneter sind. "Meiner Meinung nach sind kleine Einheiten, in die sich der Einzelne einbringen kann, stabiler."

Die Renaissance des Gärtnerns
Dass das Gärtnern insgesamt eine Renaissance erfahre, erklärt Kosack mit einem Bedürfnis vieler Menschen nach einem natürlichen Rhythmus. Sie wollten selbstbestimmt agieren und etwas gestalten. "Die Welt wird immer schneller und komplexer; wir verstehen die Funktionsweise vieler technischer Geräte nicht mehr", ebensowenig wie viele politischen Themen. "Wer eine Pflanze wässere, entkraute, ernte, trete dagegen wieder in eine verständliche Welt ein. Urban Gardening sei auch deswegen ein weltweiter Trend", sagt Kosack.

"Urban Farming" ist in
Anbau ohne Erde
Landwirte züchten Schweine, Ziegen und Hühner auf den Dächern von Städten wie Singapur, London, Berlin, Tokio, Amsterdam oder im rheinland-pfälzischen Andernach.
Links