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ausgetrocknetes Maisfeld © reuters Video
Von den Maisfeldern ist kaum etwas geblieben. (Beitrag vom 8. Februar 2016)
El Niño lässt südliches Afrika austrocknen
Simbabwe, Südafrika und Sambia betroffen
Wegen einer schweren Dürre hat Simbabwes Präsident Robert Mugabe für mehrere Landesteile den Katastrophenzustand ausgerufen.
Wie die Regierung am 5. Februar 2016 mitteilte, leiden 2,44 Millionen Menschen in dem südafrikanischen Land unter Lebensmittelknappheit. Das seien 26 Prozent der Bevölkerung, sagte der Minister für Kommunalverwaltungen und öffentliche Arbeit, Saviour Kasukuwere. Daher habe der Staatschef den Katastrophenzustand für die ländlichen Gebiete ausgerufen.

Simbabwe leidet ebenso wie die Nachbarländer Südafrika und Sambia derzeit unter einer schweren Dürre. Die Folgen sind Viehsterben und Ernteausfälle. Auslöser für die außergewöhnliche Trockenheit ist das Wetterphänomen El Niño, das in diesem Jahr weltweit besonders extrem ausfällt. Bei dem Phänomen, das in unregelmäßigen Abständen auftritt, sammeln sich warme Wassermassen im zentralen und östlichen Pazifik, die Folge sind weltweite Wetterextreme.

Extremster El Niño seit mehr als 15 Jahren
Die Vereinten Nationen hatten im November gewarnt, der jüngste El Niño sei der schlimmste seit mehr als 15 Jahren und einer der stärksten seit 1950. Zuletzt hatte El Niño 2011 weitreichende Folgen: Er führte zu heftigem Monsunregen in Südostasien, Dürren im Süden Australiens, auf den Philippinen und in Ecuador sowie enormen Überschwemmungen in Mexiko und Hitzewellen in Brasilien.

Nach einem Bericht des Welternährungsprogrammes der Vereinten Nationen ist die Trockenheit ein Zeichen des Klimawandels, auf den sich die ganze Region einstellen müsse. Demnach kehrte das Wetterphänomen El Niño ins südliche Afrika zurück - mit verzögerten Niederschlägen und ungewöhnlich hohen Temperaturen. Bis mindestens 2017 rechnen die UN-Experten mit Wasserknappheit und schlechten Ernten. Landwirtschaftsminister Senzeni Zokwana warnte vor steigenden Lebensmittelpreisen angesichts der schwachen Währung Südafrikas, wenn Getreide importiert werden muss.

Simbabwe war einst als Kornkammer Afrikas bekannt, doch gab es in den vergangenen Jahren wiederholt Ernteausfälle, so dass das Land Getreide importieren musste. Kritiker machen dafür auch Mugabes Landreform verantwortlich, in deren Zuge seit 2000 Farmbesitzer teils gewaltsam vertrieben wurden. Mugabe sieht die Probleme im Agrarsektor dagegen als Folge der Sanktionen, die westliche Staaten wegen der Menschenrechtsverletzungen in Simbabwe verhängt haben.

Katastrophengebiete auch in Südafrika
© reuters Video
Die Dürre in Südafrika bedroht Mensch und Tier (Beitrag vom 2. Februar 2016)
Im Landesinneren von Südafrika herrscht akute Wassernot. Vier Regionen in Südafrika wurden bereits zum Katastrophengebiet erklärt, darunter die Provinz Freistaat mit der Gemeinde Senekal.

Auch Malawi, Lesotho und Swasiland meldeten akute Nahrungsmittelengpässe infolge der Dürre. Von den Maisfeldern im Zentrum und im Norden Südafrikas ist kaum etwas geblieben. Besucht man etwa die Gegend rund um die ländliche Kleinstadt Lichtenburg in der Provinz Nordwest, fällt einem vor allem die steinige rote Erde auf. Stürme wirbeln hier nachmittags jede Menge Staub auf.

Sambia und Simbabwe leiden neben den Auswirkungen auf die Landwirtschaft auch unter Stromausfällen, denn das wichtige Wasserkraftwerk am Kariba-Stausee kann aufgrund des dramatisch gesunkenen Wasserpegels nur noch mit geringer Leistung laufen. In Südafrika sind bereits viele Landwirte stark verschuldet und fürchten die Insolvenz. Erst kürzlich sorgte der Fall des Bauern Krisjan Kruger in örtlichen Medien für Schlagzeilen. Weil er fürchtete, alles wegen der Dürre zu verlieren, erschoss sich der 34-Jährige.

In Deutschland rechnen Importeure mit Auswirkungen der Dürre, wie Andreas Brügger vom Deutschen Fruchthandelsverband (DFHV) berichtet. Hier sind aber keine Menschen bedroht, nur der Geldbeutel: "Je nach Sorte werden wir bei den Tafeltrauben aus Südafrika und Namibia zwischen 5 und 25 Prozent weniger Volumen haben." Was das für die Preise bedeutet, kann er noch nicht sagen. Darüber hinaus sei mit Folgen für Zitrusfrüchte zu rechnen, deren Ernte in der Region im März beginne. "Wir erwarten auch Auswirkungen auf Kernobst, also Äpfel und Birnen."

Glossar
Dürre
Seen vertrocknen, Pflanzen verdorren, Menschen verhungern - wo sich Dürren ausbreiten, kämpfen Menschen um ihre Existenz. Sie können Tage oder Jahre dauern.
Glossar
El Niño
El Niño ist Klimaanomalie im südlichen Pazifik. Die Auswirkungen auf das Wettergeschehen zwischen Amerika und Südostasien sind dramatisch.
Glossar
Südafrika
Südafrika ist mit 1,2 Millionen Quadratkilometern fast vier Mal so groß wie Deutschland. Traurige Berühmtheit erlangte der Staat mit seinem Apartheid-Regime.