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Auspuff © dpa Video
Schummeln beim Messen der Abgaswerte (Beitrag vom 19. November 2015)
Frisierte Abgaswerte
Methoden, Abgaswerte zu manipulieren
Manipulationssoftware, das Thermofenster und jetzt noch der "Konformitätsfaktor" - es gibt viele Möglichkeiten, die Schadstoffbilanz von Autos zu schönen.
Auto auf dem Prüfstand Video
Ein großzügiger Aufschlag auf die Grenzwerte (Beitrag vom 7. Juni 2016)
Konformitätsfaktor: Der "Konformitätsfaktor" ist der Faktor, um den ein Auto den Grenzwert für Stickoxide überschreiten darf. Diesen "Aufschlag" auf die Grenzwerte hat die EU-Komission auf Druck der Automobilkommission beschlossen. So überschreiten von 53 untersuchten Autos in Deutschland 50 Modelle die Grenzwerte. Durch den Konformitätsfaktor gelten aber trotzdem alle Modelle, die höchstens das Dreifache des Grenzwertes erreichen, als "unauffällig".

Video
Tricksen mit dem Thermofenster (Beitrag vom 26. April 2016)
Thermofenster: Viele Autohersteller stellen die Abgastechnik ihrer Fahrzeuge so ein, dass die Filter erst ab einer bestimmten Außentemperatur arbeiten. Tests des Kraftfahrt-Bundesamtes ergaben, dass die "Thermofenster" bei einigen Herstellern bis zu Temperaturen von 18 Grand reichen. Bei einigen Fiat-Modellen besteht laut dem deutschen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zudem der Verdacht, dass die Maßnahmen zur Emissionsminderung nach einer bestimmten Zeit automatisch heruntergeregelt werden.

© dpa Video
VW - keine Saubermänner (Beitrag vom 21. September 2015)
Betrugssoftware für Dieselmotoren: In den USA gab Volkswagen Mitte September auf Druck der Umweltbehörde EPA zu, Abgaswerte von Vier-Zylinder-Diesel-Motoren mit 2,0 Litern Hubraum mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms frisiert zu haben. Der Behörde zufolge geht es um die Modelle Jetta, Beetle und Golf von VW und den A3 der Tochter Audi aus den Jahren 2009 bis 2015 sowie den Passat von 2014 und 2015. Bei den Motoren erkennt eine Software, ob sich das Auto auf dem Prüfstand befindet und regelt die Stickoxid-Werte so, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb auf der Straße ist das Programm dagegen abgeschaltet, und die Grenzwerte werden um ein Vielfaches überschritten. Die Wolfsburger räumten ein, dass weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit dieser Software ausgestattet seien. Betroffen sind hier Motoren des älteren Typs EA 189 mit 1,2-, 1,6- und 2,0-Liter-Motoren, die in Modellen der Marken VW, Audi, Skoda, Seat und VW-Nutzfahrzeugen eingebaut sind. In Europa ruft Volkswagen deshalb 8,5 Millionen Wagen in die Werkstätten.

Größere Dieselmotoren: Anfang November 2015 warf die EPA Volkswagen vor, auch den Stickoxid-Ausstoß von Sechs-Zylinder-Diesel-Motoren mit drei Litern Hubraum mit einer Abschaltsoftware manipuliert zu haben. Betroffen seien neben dem VW-Touareg und mehreren Luxusmodellen von Audi wie dem A8 auch der Porsche Cayenne der aktuellen Modelljahre 2014 bis 2016. Porsche war bislang von dem Abgasskandal verschont.

Falsche CO2-Angaben für Diesel und Benziner: Unmittelbar nach den neuen Vorwürfen aus den USA zu den Stickoxidmanipulationen weitete sich der Abgasskandal erneut aus: VW gab bekannt, dass bei der Zulassung von besonders umweltschonenden Fahrzeugtypen der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu niedrig angesetzt und damit falsche Verbrauchsversprechen gemacht wurden. Dabei wurde nicht per Software geschummelt. Vielmehr kamen diverse Maßnahmen zum Einsatz, um den Spritverbrauch der Testwagen zu senken, wie ein höherer Reifendruck oder die Beimischung von Diesel ins Motorenöl. Von der Affäre um falsche CO2-Werte sind laut VW etwa 800.000 Fahrzeuge betroffen, erstmals auch Benziner (98.000 Autos). Etwa ein Viertel der insgesamt betroffenen Fahrzeuge sind in Deutschland unterwegs. Das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt lässt die CO2-Werte der Fahrzeug-Typen nun neu ermitteln.

Umwelthilfe geht von Milliarden-Steuerausfall aus
Wegen manipulierter Abgaswerte sind dem deutschen Staat 2014 laut einer Schätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) 1,8 Milliarden Euro an Kfz-Steuern entgangen. Rein rechtlich gesehen seien die Autokonzerne nicht verpflichtet, diese Mindereinnahmen auszugleichen. "Steuerschuldner ist der Fahrzeughalter", sagte der Rechtsanwalt Remo Klinger, der die DUH berät. Damit Verbraucher, die in gutem Glauben ein Fahrzeug gekauft hätten, nicht auf den Kosten sitzenblieben, müsse die Verantwortung dafür auf den Hersteller übertragen werden - durch eine entsprechende Vereinbarung.

Bei den zehn in Deutschland am häufigsten zugelassenen Pkw-Modellen lag der Spritverbrauch laut DUH zuletzt im Schnitt um 42 Prozent über den offiziellen Angaben. Die Höhe der Kfz-Steuer ist in Deutschland an den Ausstoß von CO2 und damit auch an den Verbrauch gekoppelt.

Nach Einschätzung der Umweltorganisation ist das Erreichen des EU-Klimaziels bei Neufahrzeugen für 2020 durch die nun aufgedeckten Betrügereien völlig unrealistisch geworden. Denn die von VW festgestellten Falschangaben bei den CO2-Emissionen von 800.000 Fahrzeugen sind nach Ansicht der DUH nur "die Spitze des Eisbergs".

Die Umweltschutzorganisation kritisierte das aus ihrer Sicht mangelnde Aufklärungsinteresse der zuständigen deutschen Behörden. "Beim Bundesverkehrsministerium und beim Kraftfahrt-Bundesamt werden wir wie Aussätzige behandelt", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die Bundesregierung habe in der Affäre um Abgas-Manipulationen eine Mauer aus Schweigen aufgebaut. Dadurch sinke das Vertrauen in die Marke "Made in Germany".

Seinen Angaben zufolge haben es mehrere deutsche und europäische Abgas-Prüfstellen abgelehnt, für die Umwelthilfe Tests durchzuführen. Begründet worden sei dies damit, dass man fürchte, "auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden" und dann keine Aufträge aus der Automobilindustrie mehr zu erhalten. Die jüngsten Untersuchungen der DUH fanden deshalb Resch zufolge in der Schweiz statt.

Glossar
Stickoxide / Lachgas
Das Gas Stickstoffoxid (NO) ist zugleich schädlich und unentbehrlich für alle mehrzelligen Lebewesen. Im Körper dient es vor allem als Botenstoff.
Glossar
Kohlendioxid - ein C und zwei O mit Wirkung
Kohlendioxid, besteht aus einem Atom Kohlenstoff (C) und zwei Sauerstoff (O), die per Doppelbindungen aneinander gekoppelt sind.