Aal in Fischtreppe
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Bei Schaffhausen haben viele Kraftwerke für den Fisch-Aufstieg einen sicheren "Fischlift".
Blutiger Hindernislauf
Viele Aale sterben auf ihrerer Wanderung durch Kraftwerksturbinen
Mit 20 bis 50 Jahren wandern Aale zurück ins Meer zum Laichen. Doch der Weg ist ihnen versperrt durch die Kraftwerke am Rhein, deren Turbinen sind lebensgefährlich für die Fische.
Eigentlich dürfte das gar nicht sein. Lukas Bammatter vom Schweizer Bundesamt für Umwelt sieht die Kraftwerke in der Pflicht: "Laut Gesetz müssen sie dafür sorgen, dass Fische frei wandern können. Sie müssen geeignete Lebensräume für alle Wassertiere zur Verfügung stellen. Sie müssen schauen, dass die Fische ihre Laichplätze erreichen können. Und nach gesetzlichen Vorgaben dürfen Fische und Krebse nicht durch den Kraftwerksbetrieb geschädigt werden." Allerdings haben die Kraftwerke noch bis 2030 Zeit, diese Vorgaben zu erfüllen.

Zehntausende Aale werden in den Turbinen getötet
"Die Umsetzung der EU-Aalverordnung gibt noch ein hartes Ringen, weil den großen Kraftwerksbetreibern deshalb Verluste von Hunderttausenden Euro drohen", sagt Johannes Reiss, Mitautor einer Studie zum Ausbaupotenzial der Wasserkraft im Neckar-Raum bereits 2013. Zwar produzieren die bundesweit 354 mittleren und großen Anlagen mehr als 90 Prozent des Ökostroms und die 7300 kleinen Mühlen nur acht bis zehn Prozent. Doch die Großanlangen wie etwa am Rhein oder der Mosel sind verantwortlich für den zehntausendfachen Tod der Aale jedes Jahr: Die Fische folgen auf ihren Laichwanderungen stromab in die Nord- oder Ostsee immer der stärksten Strömung und landen damit zwangsläufig in den Turbinen.

Am Hochrhein ist die Situation für den Aal einer Studie des schweizerischen Umweltbundesamtes (Buwal) zufolge besonders prekär. Im Hochrhein brechen jeden Herbst mindestens 28.000 Aale zu ihrer letzten Reise in die karibische Sargassosee auf, wo sie in mehreren Hundert Metern Tiefe laichen und danach sterben.

Nur wenige Aale erreichen ihr Ziel
Doch dort kommen laut Buwal nur wenige Tiere an: In jedem schweizerischen Rheinkraftwerk wird ein knappes Drittel der Aale von den Turbinenschaufeln erschlagen. Nur sieben Prozent der Fische schaffen es deshalb unverletzt bis zur Grenze und müssen ab dort durch die Fallbeile zehn weiterer deutscher Kraftwerke.

Wegen ähnlicher Zahlen an den zehn großen Mosel-Anlagen zwischen Koblenz und Trier setzt der Energieversorger RWE dort auf "Catch and Carry": RWE lässt jedes Jahr bis zu 15.000 Aale in Reusen vor den Turbinen fangen und in Tankwagen zum Rhein karren, wo die Fische wieder ausgesetzt werden. Zudem wird an Detektoren geforscht, die die nächtlichen Aalwanderungen melden sollen. Dann könnte die Turbinen verlangsamt und den Fischen eine gefahrlose Passage ermöglicht werden.

Wanderfische in Gefahr


Positives Beispiel: Wasserkraftwerk Rheinfelden


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