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© dpa Video
Ganz einfach: VW rüstet um
Wunderlösung Kunststoffgitter?
VW-Umrüstungsplan ist fragwürdig
Wäre das einfach: Ein kleines Bauteil, günstig in der Herstellung und schnell eingebaut, beendet den Abgas-Skandal. Doch es gibt einen Haken.
Im Grunde ist es nur eine Kleinigkeit. Doch bei VW in Wolfsburg sind sie in diesen Tagen sogar ein bisschen stolz auf das kleine Gitternetz. "Es erscheint recht simpel, jetzt so ein Gitter einzubauen, aber es war doch komplizierter, es zu erfinden", erklärt VW-Techniksprecher Pietro Zollino. Mit "modernsten Simulationsmethoden" sei es den VW-Ingenieuren dennoch gelungen. Endlich kann VW mal wieder einen Erfolg verkaufen, auch wenn es nur ein schlichtes Plastikrohr ist. "Es wundert mich natürlich schon, dass ein so einfaches Teil jetzt die Lösung sein soll", sagt Motorenexperte Jörn Getzlaff von der FH Zwickau. "Aber es ist schon möglich." Laut Volkswagen hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Umbaupläne bereits bestätigt. Sie müssen nun noch endgültig für jedes einzelne Modell abgenommen werden, heißt es aus dem KBA.

Neue Technik könnte zu neuen Problemen führen
Es handelt sich bei dem Teil um ein kleines Gitter, das die verwirbelte Luft, die durch den Luftfilter Richtung Motor strömt, in Ordnung bringt. Deshalb könne der sogenannte Luftmassenmesser genauere Ergebnisse liefern, erklärt der VW-Sprecher. Und das wiederum soll dazu führen, dass die Motorsteuerung das laufende Aggregat besser abstimmen und damit auch den Stickoxidausstoß senken kann. Aber wo ist der Haken? "Wenn sich die Stickoxidwerte verbessern, muss sich mindestens ein anderer Wert verschlechtern", ist sich Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sicher. Auch Motoringenieur Getzlaff hält das für sehr wahrscheinlich: "In erster Linie könnte der Verbrauch steigen."

"Es gibt Urteile, die besagen, der Verbrauch auf dem Prüfstand darf nicht um mehr als zehn Prozent über dem Wert liegen, den der Hersteller angibt", sagt Getzlaff. "VW wird versuchen, in diesem Rahmen zu bleiben." VW-Chefsprecher Hans-Gerd Bode verbreitet jedenfalls Optimismus: "Wir können es erst zu jedem Motor sagen, wenn wir jedes einzelne Auto geprüft haben." VW sei dem Ziel, keinen Mehrverbrauch oder gar Leistungseinbußen zu haben, nahe. Würde VW das schaffen, dürfte es eine billige Lösung für VW werden. Getzlaff schätzt die Kosten für den Strömungsgleichrichter auf "deutlich unter einem Euro". Experte Dudenhöffer hat bereits errechnet, dass VW weniger als 500 Millionen Euro Kosten für die Umrüstung der 1,6- und 2,0-Liter-Motoren schultern müsste. Das läge deutlich unter den 6,7 Milliarden Euro, die VW für die gesamten Kosten der technischen Lösung für die betroffenen rund 11 Millionen Autos zurückgelegt hat.

Nur eine Teillösung für Europa
Branchenkenner Frank Schwope von der Nord LB gibt allerdings zu bedenken, dass die größte finanzielle Bedrohung für VW nach wie vor von den Rechtsrisiken ausgeht: mögliche Strafzahlungen und Klagen von Verbrauchern und Aktionären. Dagegen fallen die bevorstehenden Kosten für die technische Umrüstung voraussichtlich eher weniger ins Gewicht. Zudem sollen die vorgestellten Umbaumaßnahmen nur Autos in Europa auf gesetzeskonforme Abgaswerte bringen.

Für Nordamerika muss VW eine eigene Lösung entwickeln und da - das deuteten die Konzernsprecher bereits an - könnte es noch etwas kniffliger werden, denn dort sind die Grenzwerte noch einmal strenger als in Europa. Die Frage ist, welchen Stickoxidausstoß die betroffenen Autos auf den Prüfstand bringen, wenn die Manipulations-Software abgeschaltet ist. Dann ließe sich zumindest erahnen, ob sich das Abgasproblem in den USA überhaupt mit einer Umrüstung lösen lässt. Doch dazu schweigt VW bislang.

Volkswagen in der Krise
Zurück zum Start
VW-Chef Matthias müsse zuallerst "das zerbrochene Porzellan zusammenkehren", sagt der Duisburger Volkswirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer.
Manipulierte Abgaswerte
Tricks auf dem Prüfstand
Nicht nur bei VW-Autos liegt der reale Spritverbrauch deutlich höher als auf dem Papier. Die Vorschriften für die Verbrauchsermittlungen sind in Deutschland extrem dehnbar.